Auf der Suche nach der Stammburg der Breuberger

Die Planungen der evangelischen Kirchengemeinde in Lützel-Wiebelsbach (Odenwaldkreis), den bestehenden Kirchenbau zu erweitern und die vorhandene Heizungsanlage zu modernisieren, machten eine Abstimmung dieses Vorhabens mit dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE, notwendig, da die evangelische Kirche auf historischem Grund steht.

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Gruppenbild der Verantwortlichen beim Ortstermin am 10. Juli 2020
Th. Becker M.A. (LfDH), S. Amend und BM U. Olt (beide Gemeinde Lützelbach), N. Wenzl (Regionale Kirchenarchitektin, Evangelische Kirche in Hessen und Nassau), Pfarrer C. Stein u. E. Krejtscha (Kirchengem. Lützel-Wiebelsbach) u. A. Klinkenberg (Architekt)

In frühzeitiger Absprache zwischen Kirchengemeinde, der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE (Außenstelle Darmstadt) wurde daher am 10. Juli auf einer Fläche von 800 qm durch eine Fachfirma eine Georadaruntersuchung durchgeführt.

Lützelbach gilt als Herkunftsort des im 12. Jahrhundert genannten Geschlechtes der Lützelbacher, die am Ort auch eine Burg gehabt haben müssen, bevor zu Beginn des 13. Jahrhunderts Burg Breuberg zum Stammsitz dieser Familie wurde. Danach fiel die Anlage aus der Nutzung und die Lützelbacher Anlage geriet in Vergessenheit, obwohl Mauerreste noch bis in das 19. Jahrhundert  auf dem heutigen Kirchhof erhalten geblieben waren. Das heutige Kirchengebäude entstand in den Jahren 1771 bis 1774 anstelle eines kleineren, Nord-Süd orientierten Gebäudes. 2001 wurden dann beim Ausheben von Leitungsgräben auf dem Friedhofsgelände direkt vor dem heutigen Kirchengebäude massive Mauerreste aus Sandstein freigelegt und dokumentiert. Aufgrund der Ausführung und Mächtigkeit können diese aufgedeckten Strukturen mit einem Bergfried der Burg in Verbindung gebracht werden.

Mit der beauftragten Georadarmessung erhoffen sich die Beteiligten Erkenntnisse über die sich noch im Boden befindlichen Reste der Burganlage im Innen- und Außenbereich der Kirche. Pfarrer Carsten Stein betonte zudem: „Wir als Kirchengemeinde sehen im Vorhandensein möglicher Bodendenkmäler keine Belastung, sondern unsere Neugierde ist geweckt. Der Standort unserer Kirche ist ein besonderer Platz. Es freut mich, wenn wir mehr darüber herausfinden können.“ Die mit dieser denkmalschonenden Methode erbrachten Ergebnisse können somit bereits in den Planungen für die anstehenden Sanierungsarbeiten berücksichtigt werden und schaffen damit im Vorfeld der Bauarbeiten für alle Beteiligten ein hohes Maß an Planungssicherheit.

Aber auch für die weitere wissenschaftliche Erforschung dieses Areals eröffnet sich "ein neues Fenster, um die Geschichte und die Stellung dieses Ortes im Mittelalter neu bewerten zu können“, wie der zuständige Bezirksarchäologe Thomas Becker am Ende des Ortstermins die Bedeutung dieser Maßnahme für die Landesarchäologie beschrieb.

Dr. Beate Leinthaler, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, hessenARCHÄOLOGIE
13.07.2020