Archäologische Voruntersuchung im Bereich der neuen Ortsumfahrung L 3125 bei Ebsdorfergrund-Heskem, Kr. Marburg-Biedenkopf

Das gesamte Amöneburger Becken, als naturräumlich bevorzugtes Siedlungsgebiet seit der Jungsteinzeit weist bislang schon sehr viele bekannte archäologische Fundstellen auf. Daher wurde von Seiten des Landesamtes für Denkmalpflege, Abt. hessenARCHÄOLOGIE schon frühzeitig im Planungsverfahren für die neue L 3125 auf eine notwendige archäologische Voruntersuchung hingewiesen.

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Übersicht über die Fläche der LBK-Siedlung mit dichtem Verfärbungsbild
Übersicht über die Fläche der LBK-Siedlung mit dichtem Verfärbungsbild

Für eine solche Untersuchung wird zunächst der Oberboden mit einem Bagger abgeschoben um zu prüfen, ob sich unter dem Pflughorizont Verfärbungen, d.h. Hinweise auf archäologische Überreste, im Boden abzeichnen. Die Arbeiten mit der Entfernung des Oberbodens begannen Ende Oktober 2016 im Bereich des geplanten Brückenbauwerks (Fläche knapp 1 Hektar) und wurden dort zunächst zwei Wochen später abgeschlossen. Auf diesem Areal traten die Umrisse von mehreren großen vorgeschichtlichen Siedlungsgruben sowie von zwei Dutzend Postenlöchern, Überreste von früheren Holzgebäuden, zu Tage. Das bisher geborgene Fundmaterial lässt noch keine genaue Datierung zu, mutmaßlich handelt es sich aber um den Zeithorizont der Urnenfelderkultur bzw. der frühen Eisenzeit. Die weitere Untersuchung der Fläche wird in den nächsten Monaten erfolgen.

Für den Streckenbau (Länge rund 1,5km) begannen die Arbeiten mit der kontrollierten Entfernung des Oberbodens am 7.11.2016 am östlichen Ende der neuen Trasse, im Bereich der Anbindung an die L 3125 zwischen den Ortschaften Heskem und Dreihausen. Hier war bereits durch Oberflächenfunde die Lage einer früheren jungsteinzeitlichen Siedlung vermutet worden. Tatsächlich trat unter dem Pflughorizont eine Siedlungsstelle der bandkeramischen Kultur (ab 5500 v. Chr.) zu Tage. Sie umfasst eine Fläche von ca. 100m x 250m und zeigt umfangreiche Eingrabungen mit Schwarzerdeverfüllung die im Baggerplanum sehr deutlich zu erkennen sind. Gruppierungen von Pfostenreihen und Gräben deuten eine dichte Besiedlung an.

Dr. Chr. Meiborg