Archäologiestipendium der Stadt Rödermark neu vergeben

Stipendium-Roedermark_750.jpg

Unterzeichung des Stipendiumsvertrages durch Frau A. Diesch M. A. und Dr. F. Verse (vorn). Vlnr: Bezirksarchäologe Th. Becker M. A., Landesarchäologe Dr. U. Recker, Bürgermeister R. Kern, Erster Stadrat J. Rotter, Prof. Dr. E. Schallmayer
Unterzeichung des Stipendiumsvertrages durch Frau A. Diesch M. A. und Dr. F. Verse (vorn). Vlnr: Bezirksarchäologe Th. Becker M. A., Landesarchäologe Dr. U. Recker, Bürgermeister R. Kern, Erster Stadrat J. Rotter, Prof. Dr. E. Schallmayer

Die Stadt Rödermark hat zusammen mit der hessenARCHÄOLOGIE und der Kommission für Archäologische Landesforschung in Hessen e. V. (KAL) zum Ausscheiden des vormaligen Landesarchäologen Prof. Dr. Egon Schallmayer aus dem aktiven Dienst ein Archäologie-Stipendium ausgelobt. Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung der von Prof. Schallmayer durchgeführten Ortskerngrabungen.

Aus persönlichen Gründen konnte die zunächst ausgewählte Stipendiatin ihre Arbeit nicht fortsetzen, so dass das Stipendium nach einer neuen Ausschreibung im Frühjahr 2016 wieder vergeben werden konnte.

Die Grabungen werden nun von Frau Aika Diesch B. A. M. A. im Rahmen ihres Promotionsstudiums an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg bearbeitet.

Bei einem Pressetermin am 27. Oktober erläuterte Frau Diesch zu ihrer Motivation für das gewählte Thema: „Nach Abschluss meines Masterstudiums in Archäologie am University College Dublin möchte ich nun mit einer Promotion an meine bisherige universitäre Ausbildung anschließen. Ich bin hochmotiviert das Forschungsprojekt „Rödermark Ober-Roden" zu bearbeiten, da ich bereits während meines Masterstudiums meinen Studienfokus auf die Mittelalterarchäologie gelegt habe."

Der Doktorvater von Frau Diesch, Prof. Dr. Ingolf Ericsson, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, hob die Kooperation der beteiligten Institutionen hervor: „Aika Diesch M. A. hat hier eine Forschungsaufgabe übernommen, die nicht nur für Ober-Roden und die hessische Landesarchäologie, sondern weit darüber hinaus von hoher Bedeutung ist. Die Besonderheit des Projektes wird gerade durch die, in unterschiedlicher Art und Weise unterstützenden Institutionen deutlich. Die vereinbarte enge Kooperation der Stadt Rödermark, der hessenARCHÄOLOGIE und der Universität Bamberg lässt einen möglichst zügigen und erfolgreichen Abschluss des Projektes erwarten. Als Inhaber des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der bayerischen Otto-Friedrich-Universität in Bamberg bin ich den hessischen Projektpartnern für ihr Vertrauen besonders dankbar. Es wäre sehr erfreulich, wenn die Kooperation mit der hessischen Landesarchäologie weiter ausgebaut werden könnte."

Landesarchäologe Dr. Udo Recker betonte das Engagement von Frau Diesch M.A.: „Das Ober-Roden-Projekt lässt besondere Erkenntnisse zur mittelalterlichen Aufsiedlung des Raumes und des Einflusses einzelner Herrschaften auf diesen erwarten, die über das lokale Beispiel hinaus von Bedeutung sein werden. Daher hat sich die hessenARCHÄOLOGIE verpflichtet, nach dem erfolgreichen Abschluss des Projekts die daraus resultierende Dissertation von Frau Diesch zu publizieren. Darüber hinaus unterstützen wir das Projekt derzeit bereits durch die Bereitstellung von technischer Infrastruktur, spezieller Verpackungsmaterialien für die Langfristaufbewahrung sowie fachlicher, insbesondere auch restauratorischer Beratung.

Besonders erfreulich ist, dass es Frau Diesch gemeinsam mit der Stadt bereits in dieser kurzen Zeitspanne gelungen ist, weitere junge Menschen für die Archäologie und insbesondere die Geschichte ihres Heimatortes zu begeistern. So haben in den Herbstferien einige Schüler der Oskar von Nell-Breuning-Schule im Rahmen eines Sozialpraktikums beim Scherbenwaschen geholfen. Dafür gilt Ihnen unser besonderer Dank. Dies gilt umso mehr, als uns die Einbindung der lokalen Bevölkerung in die vielfältigen Aktivitäten der Landesarchäologie immer wichtig ist. So zeigt sich auch hier und jetzt, dass der von uns bewusst eingeschlagene Weg, das Fundmaterial aus Ober-Roden vor Ort in Rödermark bearbeiten zu lassen, der richtige war und ist."

Dr. Frank Verse, Vorsitzender der KAL, zeigte sich erfreut, dass die Kommission dazu beitragen kann, dass diese für die Landesgeschichte bedeutende Ortskerngrabungen ausgewertet und veröffentlicht werden können: „Es ist der KAL ein besonderes Anliegen hier auf diese Weise auch eine junge, hochmotiviert Nachwuchswissenschaftlerin fördern zu können. Dass so viele Institutionen an diesem Projekt mitwirken, zeigt zum einen die Bedeutung des Projektes, zum anderen die zukunftweisende, übergreifende Zusammenarbeit."

Prof. Dr. Egon Schallmayer verwies auf die zu erwartenden neuen Erkenntnisse zur mittelalterlichen Siedlungsgeschichte von Ober-Roden: „Frau Diesch hat sich in ihrer Magisterarbeit, die sie am University College Dublin, Irland, vorgelegt hat, und die mit Auszeichnung bewertet wurde, mit den Zeugnissen einer frühmittelalterlichen Bevölkerung in dem irischen Ort Rathfarnham beschäftigt und vergleicht die Merkmale der anthropologischen Überreste mit den historischen und archäologischen Quellen. Dies führt zu einer Bewertung der Lebensweise und der Lebensumstände der Menschen dort während des 7. bis 12. Jahrhunderts. 

Die Fragen, wie die Menschen in Ober-Roden während dieser Zeit gelebt haben, wie ihre soziale und wirtschaftliche Situation gewesen ist, in welchem siedlungs- aber auch gesamtgeschichtlichen Kontext diese steht, stellen sich auch hier und werden sich aufgrund der Auswertung der Ausgrabungen, die zwischen 1985 und 1994 im Altort stattfanden, sowie auf bereits geleisteten Vorstudien beantworten lassen. Die Anbindung an den Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Prof. Dr. Ingolf Ericsson, mit dem ich gemeinsam die Betreuung der Doktorarbeit übernommen habe , die Unterstützung durch die hessenARCHÄOLOGIE, die KAL und besonders durch die Stadt Rödermark bieten ein außergewöhnlich gutes Arbeitsumfeld, das hervorragende Ergebnisse erwarten lässt."

Bürgermeister Roland Kern hob abschließend die Bedeutung der Arbeiten für die Stadtgeschichte hervor, die auch eine identitätsstiftende Wirkung erwarten lassen.

„Ich bin mir sicher", so Kern, „dass die zu Tage geförderten Erkenntnisse bei der Bevölkerung auf großes Interesse stoßen und wahrscheinlich auch Einfluss auf die künftige Stadtplanung in Ortskern Ober-Roden haben werden. An einem Historischen Stadtarchiv wird bereits gezimmert."

(E.G.)

Akademischer Lebenslauf Frau A. Diesch B. A. M. A.

  • 2011-2012 im Rahmen des Erasmus-Programmes Auslandsstudium in Ibero-Romanistik an der Universität Extremadura, Cáceres (Cáceres), Spanien
  • 2013 Prüfung zum Bachelor of Arts in den Fächern Ibero-Romanistik und Geschichte an der Universität Augsburg mit dem Thema „Álvar Núñez Cabeza de Vacas ‚Naufragios Kulturkontakt und Kulturkontrast"
  • 2014 Higher Diploma im Fach Archäologie am University College Dublin, Irland, mit dem Thema „Food and Identity. The Significance of New and Imported Condiments in Different Social Contexts in Roman Britain"
  • 2014 2015 Kay Mahon Bursary Stipendium for Students of the Master of Arts in Archaeology, University College Dublin, Irland
  • 2015 Prüfung zum Master of Arts im Fach Archäologie am University College Dublin, Irland, mit dem Thema „An Osteoarchaeological Study of Health in the Early Medieval Population from Rathfarnham, Dublin (97E0140) A Comparison of the Dental and Skeletal Indicators and Historical Sources"
  • 2015 Auszeichnung Rúaidhrí de Valera Memorial Prize für den besten Studenten des Studiengangs Master of Arts in Archäologie, University College Dublin, Irland, des akademischen Jahres 2014-2015
  • seit 2016 ist Frau Diesch Mitglied des Herausgeberteams der studentischen Archäologiezeitschrift Trowel University College Dublin, Irland