Archäologie aus der Region, für die Region

Seit 1468 gibt es die Klosterkapelle des Klosters St. Wolfgang in Hanau. Passend zu diesem 550. Jahrestag eröffnete im Museum Schloss Steinheim in Hanau am vergangenen Wochenende die Ausstellung „Kloster Wolfgang. Mauern voller Rätsel und Geheimnisse.“

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Blick in die Ausstellung
Blick in die Ausstellung "Kloster Wolfgang. Mauern voller Rätsel und Geheimnisse".

Sabine Küppers von den Städtischen Museen Hanau zeigte sich in ihrer Dankesrede sichtlich zufrieden damit, eine Ausstellung geschaffen zu haben, welche „die Wissenschaft mit einer Leidenschaft, die die Menschen hier vor Ort für das Kloster Wolfgang pflegen verbindet.“

Ein Projekt vieler Hände
Diese Leidenschaft zeigte sich vor allem daran, wie viele Hände gemeinsam an den Ausgrabungen und der Ausstellung arbeiteten. Bezirksarchäologe Dr. Dieter Neubauer betonte, stellvertretend für den Landesarchäologen Dr. Udo Recker, gerade diese „jahrelange, gute Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Archäologie des Hanauer Geschichtsvereins unter Peter Jüngling und seinem Nachfolger Dr. des. Michael Müller“. Initialisiert wurden die verschiedenen Untersuchungen seitens des Landesamtes seinerzeit von dem inzwischen verstorbenen Bezirksarchäologen Dr. Guntram Schwitalla, der ein besonders starkes Interesse an der Erforschung der  Klosterruine hatte und sich auch privat für das Projekt engagierte. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen unterstütze sowohl die baudenkmalpflegerischen als auch die archäologischen Maßnahmen zum Erhalt und zur wissenschaftlichen Erschließung. Denn die Klosteranlage birgt Spannendes sowohl über als auch unter der Erde. „Ohne diese Förderung wären die Ausgrabungen in diesem Umfang nicht möglich gewesen“, erklärte Beate Funck, Stadtverordnetenvorsteherin der Stadt Hanau, in ihrer Begrüßungsrede. Die nun eröffnete Ausstellung bezeichnete sie als „die Krönung, das i-Tüpfelchen der Bemühungen der letzten Jahre.“

Ganz im Sinne eines solchen Gemeinschaftsprojektes wurde der Eröffnungsabend von einem passenden Begleitprogramm geschmückt. Sowohl die Jagdhornbläser des Hanauer Jagdklubs e.V. als auch der Gesangsverein Germania 03 Seligenstadt e.V. mit seinem Kleinen Chor, passend in Mönchskostüme gekleidet, betonten mit ihren Darbietungen zwei Aspekte der heute idyllisch im Wald gelegenen Klosterruine. Nach mündlicher Überlieferung stifte Erasmus Hasefuß, der Forstmeister des Grafen Philip von Hanau, im Jahre 1468 eine Kapelle zu Ehren des Heiligen Wolfgang, dem Schutzpatron der Holzarbeiter und Handwerker. Durch eine Schenkung des Grafen, der ein Haus mit Schlafraum, Speisesaal und Werkstätten errichten ließ, siedelte sich hier zwischen 1486 und 1488 ein Ordenskonvent der Serviten an.

Die Lage inmitten des Waldes machen die Ruine bis heute zu einem beliebten Ausflugsziel, wie Klaus Romeis, Ortsvorsteher von Hanau-Steinheim, in seinem Grußwort auch aus eigenen Erfahrungen lebhaft den Anwesenden zu berichten wusste.

Den Alltag vergangener Zeiten erleben
Doch die Ruine wird nicht nur mit ihrer idyllischen Lage, sondern auch mit einem weniger schönen Ereignis in Verbindung gebracht. Denn vor 350 Jahren gab es im Zusammenhang mit der Klosterruine St. Wolfgang den wohl ersten dokumentierten Prozess wegen Raubgräberei in Hessen – ein Problem, welches die Archäologie bis heute beschäftigt.

Mit der Nennung eines eindeutig angenehmeren Jubiläums schloss Neubauer in seinem Grußwort die Reihe der Jahrestage ab. Denn das Museum Schloss Steinheim feiert in diesem Jahr sein 80-jähriges Bestehen. Das Haus wird schon seit langem auch dafür genutzt, archäologische Funde aus der Region für die Region zu präsentieren. Sowohl er als auch Küppers zeigten sich erfreut darüber, dass die Ergebnisse der Grabungen mit dieser Ausstellung den Menschen der Region präsentiert werden können, die mit so viel Engagement dieses Projekt begleiteten. Die Konzeption der Ausstellung selbst bezeichnete Küppers als eine spannende Herausforderung, galt es doch aus Funden, „die zum damaligen Alltag gehörten“ eine Ausstellung zu schaffen, die den heutigen Besucher in ihren Bann zieht.

Wir wünschen der Ausstellung viel Erfolg!

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen

Informationen über die bis zum 31. März 2019 dauernde Ausstellung finden Sie hier