3D-Visualisierung des Kohortenkastells Alteburg-Arnsburg

Mit der Präsentation und Aufstellung eines 3D-Aluminiumsandguss-Geländemodells im Maßstab 1:200 des ehemaligen Römerkastells Alteburg-Arnsburg (Stadt Lich, Ldkr. Gießen) wird ein Projekt abgeschlossen, das die Abteilung hessenARCHÄOLOGIE in den vergangenen vier Jahren fachlich begleitet hat.

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Diskussion mit den Mitarbeitern am fertigen 3D-Aluminiumsandguss-Geländemodell im Maßstab 1:200 des ehemaligen Römerkastells Alteburg-Arnsburg. (Dr. Kai Mückenberger mittig im Bild).
Diskussion mit den Mitarbeitern am fertigen 3D-Aluminiumsandguss-Geländemodell im Maßstab 1:200 des ehemaligen Römerkastells Alteburg-Arnsburg.

Die Limes-Stiftung Lich hatte unter der Federführung von Herrn Roland Jockel (Muschenheim) zahlreiche Spender aus der Region dazu bewogen, finanzielle Mittel für die Rekonstruktion eines Limeswachtturms zur Verfügung zu stellen. Bedingt durch baurechtliche Schwierigkeiten konnte dieses Projekt nicht durchgeführt werden. Auf Anregung der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpflege Hessen entstand daher die Idee, ein maßstabsgetreues Modell des ehemaligen Kohortenkastells Alteburg-Arnsburg anfertigen zu lassen. Von diesem Kastell, an dem heute der „Kulturhistorische Wanderweg Muschenheim“ vorbeiführt, ist heute im Gelände bis auf ein rekonstruiertes Tor nichts mehr sichtbar und der Besucher kann sich in diesem Fall nur mittels Informationstafeln ein Bild von den ehemaligen Dimensionen dieser Anlage machen.

Das Kastellareal sowie ein Großteil des ehemaligen Lagerdorfes, die seit 2005 zur Kernzone des UNESCO Welterbes „Obergermanisch-Rätischer Limes - Grenzen des Römischen Reiches“ zählen, wurden seit 2004 durch die Archäologische Gesellschaft in Hessen (AGiH) sukzessiv angekauft, um die noch vorhandenen archäologischen Strukturen vor Beschädigungen durch eine landwirtschaftliche Nutzung zu sichern und somit für zukünftige Generationen zu bewahren.

Kenntnisse zur Ausdehnung, Lage und Struktur von Kastell und Lagerdorf beruhen bis heute auf partiellen Ausgrabungen durch die Reichslimeskommission gegen Ende des 19. Jh. sowie den in jüngster Zeit vorgenommenen geophysikalischen Messungen, die das bislang umfangreichste Bild dieser antiken Strukturen zeichnen.

All diese Erkenntnisse flossen nun in ein Digitalmodell ein, welches Herr Florian Hermann (Student der Provinzialrömischen Archäologie aus Marburg) anfertigte. Ziel war es, dem Besucher des Bodendenkmals die Ansicht eines limeszeitlichen Kastells samt Lagerdorf in der umgebenden Landschaft mit ihren topographischen Eigenheiten zu bieten. Gleichzeitige Maßgabe für die zu rekonstruierenden Bauten war dabei eine gewisse Zurückhaltung bei Details, die sich aus dem archäologischen Befund nicht direkt erschließen lassen. So sind Mauer- und Gebäudehöhen, aber auch architektonische Details aufgehender Bauten nur näherungsweise bekannt. Das Modell bildet nicht nur das Kastell ab, sondern auch das zugehörige Lagerdorf (vicus), die beiden Badehäuser und das Amphitheater.

Mit dem Unternehmen TURAL GmbH aus Wiesbaden-Schierstein konnte im Nachgang ein auf Aluminiumguss spezialisierter Betrieb gefunden werden, der sich der Herausforderung eines Abgusses stellte. Dabei wurde das Digitalmodell erneut für die besonderen Notwendigkeiten der angewandten Gießtechnik überarbeitet: Für den Betrachter kaum wahrnehmbar sind alle erhabenen Details um 1% verjüngt, um einen optimalen Metallfluss gewährleisten zu können. Aluminium hat dabei beste Gusseigenschaften und ist gegenüber Bronze auch wesentlich günstiger.

Aus den digitalen Daten wurde im nächsten Schritt ein Kunststoffmodell gefräst, das als erstes Positiv fungierte. Dieses wurde erneut überarbeitet und im Anschluss in speziellen Formenguss-Sand gedrückt, der seinerseits die Gussform für das Metall bildete.

Durch die Corona-Pandemie verzögerten sich auch die Aufstellung und die Präsentation des im März 2020 fertig gestellten Modells des römischen Kohortenkastells Alteburg-Arnsburg. Die offizielle Einweihung fand deshalb erst am 17. Oktober statt.

An dieser Stelle möchten wir allen Beteiligten herzlich für ihren Einsatz und auch für ihre Geduld danken!

Dr. Kai Mückenberger, Landesamt für Denkmalpflege, hessenARCHÄOLOGIE
18.11.2020

Information

Das Kohortenkastell wurde um das Jahr 90 n.Chr. unter Kaiser Domitian als Holz-Erde-Kastell errichtet und in der Mitte des zweiten Jahrhunderts als Steinkastell mit rechteckigem Grundriss ausgebaut. Besetzt blieb dieses Kastell bis zum Fall des Limes um das Jahr 260 n.Chr.