„Das ist genau so gelaufen, wie Projekte laufen sollen“

Wenn ein Projekt so gut läuft, wie die archäologische Voruntersuchung zum Ausbau des Ferngasnetzes zwischen Kleinlinden (Stadt Gießen) und Hüttenberg (Lahn-Dill-Kreis) durch die Vorhabenträgerin Open Grid Europe GmbH, dann ist die Stimmung bei der Vorstellung der Grabungsergebnisse besonders gut. Ein Jahr lang gruben Mitarbeiter der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen entlang der Strecke, sowohl an bereits bekannten, als auch an neu entdeckten Fundplätzen.

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Vorstellung der Grabungsergebnisse in Gießen
Dr. Udo Recker und Dr. Michael Brecht bei der Vorstellung der Grabungsergebnisse in Gießen

„Das ist genau so gelaufen, wie Projekte laufen sollen“, freute sich Dr. Udo Recker, Landesarchäologe von Hessen, bei der Pressekonferenz.

Dies sah nicht nur Recker so: Auch Dr. Michael Brecht, Betriebsbereichsleiter bei Open Grid, beschrieb die Zusammenarbeit als „komplett reibungslos, spannungsfrei - und so soll das ja auch sein.“ Solch eine gute Zusammenarbeit wünschen sich sowohl Recker als auch Brecht bei allen Projekten, schließlich stehe außer Zweifel, „dass beide Seiten davon nur profitieren können“, so Recker.

Wichtige Funde

Doch nicht nur die Zusammenarbeit war herausragend, auch die Funde konnten sich sehen lassen, und das nicht nur im übertragenen Sinne. Bei der Vorstellung der Ergebnisse im Nentanya-Saal im Alten Schloss zu Gießen lagen etliche spannende Funde aus. Begleitet von Informationstafeln und den Erläuterungen durch Mitglieder des Grabungsteams - die nicht nur zur Bedeutung, sondern auch zu den Fundgeschichten der Objekte gerne Auskunft gaben - konnten sich alle Anwesenden ein umfangreiches Bild davon verschaffen, was alles zutage gefördert wurde. „Für uns ist das immer sehr interessant“, erklärte auch Brecht während der Pressekonferenz.

Dr. Sandra Sosnowski, die zuständige Bezirksarchäologin, zeigte sich ebenfalls sehr zufrieden mit dem Ablauf der Grabungen und den Funden. „Dadurch hat sich das Bild, welches wir schon bei vorherigen Trassenuntersuchungen gewonnen haben, vervollständigt“, erläuterte sie. Doch auch neue Erkenntnisse über die überregional bedeutsame Zentralsiedlung Hörnsheim konnten gewonnen werden.

Es war eine spannende Mischung: Ein eiserner Achsnagel aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus hielt einmal ein Rad an einem hölzernen Wagen und gibt so Auskunft über die Mobilität in der Latènezeit. Das Fragment einer Bernsteinperle erzählt seine Geschichte über die Bernsteinstraße die „von den Küsten der Ostsee bis weit nach Europa und darüber hinaus“ reichte, wie das Grabungsteam schilderte. Ein weiterer Fund, welcher gerade dessen Entdecker, den Grabungsmitarbeiter Ferenc Kántor besonders erfreute, war ein latènezeitliches Glasfragment aus Lützellinden, welches einst zu einem ansehnlichen Armreif gehörte. Derartige Armreife waren begehrte Schmuckstücke, wie man sie zur Latènezeit in ganz Europa trug.

Die Arbeit geht weiter

Dass die Grabungen solch schöne Fundstücke zutage fördern, ließ sich dabei durchaus erklären: Die jetzt untersuchte Leitungstrasse führt schließlich durch Räume, welche „über Jahrtausende immer schon dicht von Menschen besiedelt wurden“, wie Recker erklärte. Dennoch sind solche Funde keineswegs eine Selbstverständlichkeit. „Archäologie ist in gewisser Weise immer auch ein kleines Überraschungsei“, schmunzelte Recker. Er nutzte die Gelegenheit der Fundvorstellung auch, um ausdrücklich dem Grabungsteam zu danken, welches mit viel Engagement und trotz mancher unerwarteter Stolpersteine die Grabungen zu einem erfolgreichen Abschluss führen konnte.

Die Arbeit jedoch ist damit noch längst nicht abgeschlossen: Die vielen Funde wollen nun sorgfältig untersucht werden, Pläne und Beschreibungen angefertigt werden - ein Prozess, der sicher noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Man darf sich schon jetzt über viele spannende Erkenntnisse freuen!

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen