Zum Abschied von Dagmar Söder

Dagmar Söder scheidet zum 31. Mai 2020 aus dem aktiven Dienst als Oberkonservatorin im Landesamt für Denkmalpflege Hessen aus.

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Auch nach ihrem Abschied aus dem aktiven Dienst will Dagmar Söder ihrer Leidenschaft für den Rheingau treu bleiben.
Auch nach ihrem Abschied aus dem aktiven Dienst will Dagmar Söder ihrer Leidenschaft für den Rheingau treu bleiben.

Nach einem Studium der Architektur an der TU Darmstadt inventarisierte sie ab 1983 den Landkreis Offenbach anfänglich im Auftrag des Kreises, später im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. 1987 lag die Publikation zum Landkreis als Band 6 der Denkmaltopographie der Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, vor. Es folgte der Auftrag von Seiten des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen zur systematischen Erfassung der Kulturdenkmäler und Gesamtanlagen des Rheingau-Taunus-Kreises. „Gerade in der Region Rheingau haben wir es trotz der geringen Ausdehnung in der Fläche mit einer besonderen Denkmaldichte und einer oft überdurchschnittlichen Wertigkeit zu tun“, sagt Söder mit Verweis auf den höheren Bearbeitungsaufwand, der sich aus der besonderen Qualität vieler Kulturdenkmäler im Rheingau ergeben habe. Der Band Rheingau-Taunus-Kreis II (Untertaunus) erschien 2003 als Nummer 28, der Band Rheingau-Taunus-Kreis I (Rheingau) wurde 2014 in zwei Bänden der Denkmaltopgraphie der Bundesrepublik Deutschland als Nummer 54 und 55 publiziert.

Auch in der Zeitschrift „Denkmalpflege und Kulturgeschichte“ veröffentlichte Söder kontinuierlich ihre Studien zu Sonderthemen im Rheingau, wie etwa zu „Schmuckformen und Inschriften an Scheunen des Untertaunus“ (2/1989), „Inventarisation als Verlustdokumentation – Beispiel Erbach im Rheingau“ (2/1991), „Gusseiserne Brunnen im Taunusgebiet“ (1/1994), „Gebäude und Ortsbild, Fassade und Außenraum, Detail und Material“ im Sonderheft zum Thema, „Bemalte Bretter, Reste einer untergegangenen Fachwerktradition“ (1996), „Seltene Tapete im Rheingau entdeckt“ (2/1998), „Vergessene Gotik. Die Wiederentdeckung mittelalterlicher Wohnbauten im Rheingau (1/2000) und „Kloster Eberbach und seine Spuren in der Landschaft“ (2007).

Seit 2009 war Söder als Bezirksdenkmalpflegerin für den Kreis Bergstraße und die Stadt Hanau sowie kurzzeitig auch für den Main-Kinzig-Kreis zuständig. „Nach den Jahren in der Denkmalerfassung war die praktische Tätigkeit für mich eine Herausforderung und ertragreiche Ergänzung zugleich. Ich hatte das besondere Glück, mit sehr kompetenten und erfahrenen Fachleuten von Seiten der Unteren Denkmalschutzbehörden zusammen zu arbeiten. Es waren gute Jahre“, sagt Söder rückblickend.

Bis 2002 arbeitete sie an der UNESCO-Welterbenominierung für das Obere Mittelrheintal und einer Publikation mit dem Titel „Das Rheintal – eine europäische Kulturlandschaft“ (2001) mit. Darüber hinaus war sie langjähriges Mitglied der Landesbewertungskommission für den Wettbewerb „Unser Dorf“. Im Rahmen eines Forschungsprojektes am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln arbeitete sie 2010 im Arbeitskreis Hausforschung zur dendrochronologischen Reihenuntersuchung von 100 Rheingauer Häusern mit, die unter dem Titel „Der Rheingau und seine historischen Häuser“ veröffentlicht wurde. Ab 2011 war sie an der Erarbeitung eines „Managementplans für die nachhaltige Entwicklung der Kulturlandschaft Rheingau-Taunus-Kreises (KuLaKomm)“ beteiligt. Themen der historischen Kulturlandschaft haben sie immer interessiert, ein Schwerpunkt ihrer Forschungen galt der Klosterlandschaft Eberbach.

Praktische Erfahrung erlangte sie auch durch die eigenständige Sanierung eines um 1700 erbauten Fachwerkhauses im Rheingau, das sie nach langem Leerstand als Planerin, Bauleiterin und teilweise in eigener Ausführung instand setzte. Ihre gesamte Dienstzeit hindurch hat sich Dagmar Söder für eine systematische Dokumentation aller Text- und Bilddaten zu den von ihr bearbeiteten und betreuten Kreisen eingesetzt und dieses Projekt mit wertvollen Anregungen und Hinweisen vorangetrieben. Ihre Leidenschaft gilt auch in Zukunft der Erforschung und Erfassung der Kulturlandschaft Rheingau. Sie ist aktives Mitglied in diversen Vereinen, die sich mit unterschiedlichen Aspekten der Heimat- und Landschaftsgeschichte sowie der Erhaltung und Vermittlung der Kulturlandschaft der Rheingau-Taunus-Region befassen.

Dagmar Söder wird sich auch weiterhin für die Bewahrung der Orts- und Heimatgeschichte sowie für die Heimatforschung und die Kulturlandschaftserhaltung des Rheingaus einsetzen. Wir wünschen ihr alles Gute für die Zukunft!

Dr. Katrin Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege