Wertvolle historische Orgeln werden gefördert

Im Rahmen ihres gemeinsamen Orgelförderprogramms bereisten Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, und Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen am 13. und 14. Juli 2022 die Kirchengemeinden, die in diesem Jahr bei der Sanierung ihrer Orgel gefördert werden.

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Foto Dr. Bernhard Buchstab bei der Bereisung zum Orgelpflegeprogramm in Reinheim
Dr. Bernhard Buchstab, Orgelbeauftragter im LfDH, erklärt die Besonderheiten der Orgel in der ev. Kirche in Reinheim.

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen fördern seit 2001 Kirchengemeinden insbesondere in ländlichen Räumen bei der Restaurierung ihrer Orgeln mit jeweils zehn Prozent der Gesamtkosten.

Orgeln sind Klangdenkmäler

„Mit ihren kunstvollen Gehäusen gehören Orgeln untrennbar zur Ausstattung unserer Kirchen“, erläutert Dr. Verena Jakobi, Landeskonservatorin im LfDH, die die Tour in Vertretung von Prof. Dr. Harzenetter am 13. Juli begleitet hat. „Orgeln sind hochkomplexe technische Denkmäler von hoher handwerklicher Präzision. Durch ihre jeweils sehr individuelle Klanggestalt entführen sie uns direkt in frühere Jahrhunderte und verraten uns, was frühere Generationen schon gehört haben.“ Prof. Dr. Markus Harzenetter betonte am 14.7., Deutschland sei ein Zentrum der Orgelkultur, der einzigartige Klang der Orgeln sei dem immateriellen Kulturerbe zuzurechnen. Wie bei Baudenkmälern sei es wichtig, diese wertvollen architektonischen Elemente, die den Innenraum der Kirchen und die Liturgie der Gottesdienste nachhaltig prägten, durch regelmäßige Pflege und Wartung vor größeren Schäden zu bewahren.

Orgelpfeifen für Kriegszwecke konfisziert

Eine Besonderheit war die Orgel in der Ev. Schlosskirche Eisenbach in Lauterbach (Vogelsbergkreis), deren Frontpfeifen 1917 konfisziert wurde, weil man ihr Material zu Kriegszwecken verwendete. Bis heute sind die mit Silberfarbe verkleideten Attrappen aus Pappe erhalten – die funktionsfähigen Pfeifen befinden sich dahinter. Auch das Gebläse aus dem Jahr 1940 ist noch intakt. „Die Orgel hat mich begeistert, trotz der langen Zeit ist die Technik zuverlässig gelaufen,“ sagte Thomas Wilhelm, Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN). Die Sanierung wird durch die Firma „Förster & Nicolaus“ aus Lich erfolgen, denn „wir wollen das regionale Handwerk stärken“, ergänzte Dr. Bernhard Buchstab, Orgelbeauftragter im LfDH.

Identifikation und Engagement stärken

Matthias Haupt von der Sparkassen-Kulturstiftung erklärte, Ziel des Förderprogramms sei es auch, das lokale Engagement der Menschen zur Belebung und Nutzung von Kirchenräumen zu stärken. Insbesondere vor dem Hintergrund sich ändernder Rahmenbedingungen in beiden großen Kirchen sei dies von großer Bedeutung. Die Orgeln seien fest in der lokalen Tradition ihrer Gemeinden verankert. Viele Menschen verbänden mit ihrem Klang wichtige Stationen ihres Lebens und das ihrer Angehörigen.

Foto der Bereisung in Bad König
Orgelmusik überspannt Generationen - wie hier in Bad König.

Insgesamt wurden acht Orgelwerke gefördert

In diesem Jahr wurden die Orgel der Ev. Kirche in Buseck-Oppenrod (Landkreis Gießen), die Orgel der Ev. Kirche in Lohra (Landkreis Marburg-Biedenkopf), die Orgel der Kath. Pfarrkirche in Kirchhain-Anzefahr (Landkreise Marburg-Biedenkopf), die Instrumente in der Ev. Schlosskirche Eisenbach in Lauterbach (Vogelsbergkreis), der Kath. Pfarrkirche St. Simon und Judas (Landkreis Fulda), der Ev. Schlosskirche in Weilburg (Landkreis Limburg-Weilburg) und der Ev. Kirche in Reinheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg), sowie die Orgel der Ev. Kirche in Bad König (Odenwaldkreis).

100 000 Euro stehen in diesem Jahr zur Verfügung

Insgesamt stehen in jedem Jahr 100 000 € für die Sanierung historischer Orgeln zur Verfügung. Bislang konnten mit Hilfe des Orgelförderprogramms mehr als 160 wertvolle Orgeln saniert werden. Zum Zeitpunkt der Bereisung waren einige Orgeln bereits saniert, bei anderen stand die Maßnahme noch an oder wurde gerade durchgeführt. Thomas Wilhelm, Orgelsachverständiger der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gab in allen Fällen, in denen es möglich war, eindrucksvolle Klangproben der Instrumente. Die Geschichte der Instrumente, ihre klanglichen und architektonischen Besonderheiten im Kontext der Kirchenräume stellte Dr. Bernhard Buchstab vor. In einigen Fällen waren auch Vertreter der Orgelbaufirmen vor Ort, die die Instrumente seit vielen Jahren warten und pflegen, in manchen Fällen auch erbaut haben.