Wenn aus Fragmenten wieder ein Kunstwerk wird

Das Interesse war groß, als zum ersten europäischen Tag der Restaurierung die Mitarbeiterinnen der Restaurierungswerkstatt der Abt. Bau- und Kunstdenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen interessierten Gästen einen Blick hinter die Kulissen dieses faszinierenden Berufes boten. Wie kommt man zu diesem Beruf, was sind die herausragenden Stücke, die gerade restauriert werden und wie lange dauert es, zehn Quadratzentimeter eines Steinretabels zu bearbeiten?

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Europäischer Tag der Restaurierung im Landesamt für Denkmalpflege Hessen
Zum ersten europäischen Tag der Restaurierung konnten interessierte Gäste die Arbeit der Restaurierungswerkstatt des Landesamtes einmal hautnah erleben.

Diese und viele Fragen mehr wurden von den Mitarbeiterinnen beantwortet.

„Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass sich die vielen Besucher nicht nur viel Zeit genommen haben, sondern auch jede Menge gute Nachfragen stellten“, berichtete Christine Kenner, Leiterin der Restaurierung und Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Abt. Bau- und Kunstdenkmalpflege, zufrieden. Schon die Voranmeldungen gingen so zahlreich ein, dass beide Führungen am 14. Oktober voll ausgebucht waren.

Doch auch zwischen den offiziellen Führungen wurden die Räumlichkeiten der Restaurierungswerkstatt nicht leer. Über 100 Besucher fanden sich an diesem Tag in der Restaurierungswerkstatt ein und an allen drei Objekten fanden sich stets Gäste, die an den Werken, den Restaurierungsmaßnahmen oder dem Beruf der Restauratoren interessiert waren. „Das Interesse war erfreulich groß“, merkte auch Christiane Weber, Restauratorin am Landesamt für Denkmalpflege Hessen, an. „Die Leute haben viele Fragen gestellt, was ein gutes Zeichen dafür ist, dass das Thema bei den Menschen ankommt.“

Eine der häufigsten, nicht einfach zu beantwortende Frage war, wie eigentlich entschieden werde, wie weit eine Restaurierung geht. „Wir erfinden nichts dazu“, betonte Weber. Vielmehr gehe es darum, ein Werk für die zukünftigen Generationen zu bewahren und zu pflegen. Wo auf einem Steinretabel nichts mehr zu erkennen ist, wird nicht plötzlich ein Engel entstehen.

Beeindruckende Werke

Jenes Steinretabel war nur eines der faszinierenden Werke, welche die Werkstatt präsentierte. Aus dem Dom zu Fritzlar kommt das massive Werk und gehört zu den wenigen, die aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts heute noch erhalten sind. Die Restaurierung des schweren, zweiteiligen Werkes verdeutlicht den Besuchern, wie viel Arbeit benötigt wird, um einen kleinen Bereich von Wachsschichten und Verschmutzungen zu befreien, wie sich aus schwarzen Resten Rückschlüsse auf Versilberungen ziehen lassen und wieso manche Figuren mehr Finger aufweisen, als eigentlich an eine Hand gehören.

Über die gesamte Front eines der Räume verteilt zogen sich die Elemente eines Kreuzaltars aus der Frankfurter Leonhardskirche. Der aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts stammende Altar musste unter anderem aufgrund jüngerer Schäden durch ungünstige Klimabedingungen und Materialkombinationen restauriert werden. Auch hier konnten die Besucher so manches über das Objekt erfahren, so zum Beispiel, wieso eine Art „Gardinenstange“ durchaus nicht ungewöhnlich in einem solchen Altarbild ist, oder wie jemand in vergangenen Zeiten auf die Idee kommen konnte, die kunstvollen Altarflügel mittig durchzusägen.

Gerade für viele Besucher aus Frankfurt war nicht nur der Altar, sondern vor allem die tönernen Skulpturfunde aus St. Leonhard ein besonderes Anliegen. Betrachtet man Fundaufnahmen der heute wundervoll anzusehenden Figur, so stellte Kenner mit Blick auf deren Zustand zufrieden fest: „Das haben wir am Anfang nicht zu hoffen gewagt.“ 63 Fragmente waren es, die 2009 bei archäologischen Grabungen gefunden wurden. Es war unter anderem auch dem geschulten Auge der bergenden Archäologen zu verdanken, dass die Scherben rechtzeitig als Gesamtwerk identifiziert werden konnten. Kenner war es ein wichtiges Anliegen zu betonen, dass die Arbeit der Restauratoren nicht isoliert betrachtet werden könne. Ohne die fachliche und finanzielle Hilfe vieler Hände und Stiftungen, wie im Falle der Tonfiguren zum Beispiel die Ernst von Siemens Kunststiftung, wäre es ungleich schwerer bis unmöglich, ein solches Projekt überhaupt zu realisieren.

Restauriert und nun?

Wohin es schlussendlich für die Objekte geht, liegt nicht mehr alleine in der Hand der Restauratorinnen des Landesamtes. Doch dass es für diese faszinierenden Werke eine Zukunft gibt, dass sie weiterhin das Auge des Betrachters erfreuen können, ist maßgeblich für ihre oft monate- oder gar jahrelange Arbeit. Tage wie dieser erste europäische Tag der Restaurierung am Landesamt für Denkmalpflege zeigen das Interesse und die Wertschätzung der Menschen für diese oftmals schwierige Arbeit. Das Ergebnis ist es in jedem Fall wert, finden auch die Mitarbeiterinnen des Amtes.

Für das nächste Jahr überlegt die Restaurierung bereits, die Anzahl der Führungen zu erhöhen, um dem Interesse der Hessen gerecht zu werden.

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege, Bau- und Kunstdenkmalpflege