Was unsere Städte und Ortschaften im Kern zusammenhält – Dr. Tobias Michael Wolf vertritt die Städtebauliche Denkmalpflege in Hessen

Dr. Tobias Michael Wolf (39) vertritt künftig die Aufgaben der Städtebaulichen Denkmalpflege in Hessen. Gemeinsam mit den Partnern in den Landeseinrichtungen, auf kommunaler Ebene und im Ehrenamt setzt er sich für die Erhaltung und denkmalgerechte Weiterentwicklung von historischen Ortskernen und Kulturlandschaften in Hessen ein. Eine wichtige Grundlage zur gezielten Erfassung ihres Zeugniswertes ist die städtebaulich-denkmalpflegerische Aufnahme (SDA).

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Neben dem Studium und der Auswertung von historischen Quellen zur Orts- und Stadtgeschichte geht es im Rahmen der städtebaulich-denkmalpflegerischen Aufnahme darum, die Raumwirkung des städtischen Gefüges zu erkunden.
Neben dem Studium und der Auswertung von historischen Quellen zur Orts- und Stadtgeschichte geht es im Rahmen der städtebaulich-denkmalpflegerischen Aufnahme darum, die Raumwirkung des städtischen Gefüges zu erkunden.

Städtebauliche Denkmalpflege als immer wichtiger werdendes Handlungsfeld

„Die Erhaltung und denkmalgerechte Weiterentwicklung unserer historischen Ortsbilder und Kulturlandschaften ist ein gesamtgesellschaftliches Handlungsfeld und gehört damit zu unseren zentralen Aufgaben“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Ich freue mich, dass wir mit Dr. Tobias Michael Wolf einen ausgewiesenen Experten auf dem Bereich der Städtebaulichen Denkmalpflege haben. Gemeinsam mit den Partnern in den Landeseinrichtungen, auf kommunaler Ebene und im Ehrenamt setzt er sich für die Erhaltung und denkmalgerechte Weiterentwicklung von historischen Ortskernen und Kulturlandschaften ein. Nur wenn die Denkmalpflege von Anfang an in die planerischen Vorhaben eingebunden sei, gelinge es, den unverwechselbaren und einmaligen Wert historischer Ortskerne und Kulturlandschaften als Teil der zu berücksichtigenden Standortfaktoren zu begreifen. Ziel sei es, Lösungen zu finden, die sowohl der historisch gewachsenen Struktur des Ortes oder der Stadt als auch künftigen Herausforderungen der Stadt- und Ortsentwicklung gerecht würden. In Ballungsräumen gehe es darum, Wachstumsprozesse und Verdichtung durch gute Ideen zu begleiten, in ländlicheren Regionen dagegen müssten Konzepte gegen Leerstand und Verödung entwickelt werden. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und anderer aktueller Transformationsprozesse sei die Städtebauliche Denkmalpflege ein immer wichtiger werdendes Aufgabenfeld der interdisziplinären Zusammenarbeit.

Zur Person

Dr. Tobias Michael Wolf (39) vertritt künftig die Aufgaben der Städtebaulichen Denkmalpflege in Hessen. Geboren und aufgewachsen in Darmstadt studierte er Kunstgeschichte und Geschichte an der TU Dresden sowie Denkmalpflege an der TU Berlin. Seine Promotion schloss er an der TU Dresden ab. Schwerpunkte des Studiums bildeten neben architekturgeschichtlichen Fragestellungen des 20. Jahrhunderts schon früh städtebauliche Fragen und Themen der Kulturlandschaftserfassung. Nach seinem Volontariat im Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Wiesbaden übernahm er 2010 die Betreuung der nordhessischen Landkreise Kassel und Werra-Meißner. Seit 2011 ist er im Bereich der Städtebaulichen Denkmalpflege tätig. Sein Dienstsitz ist die Außenstelle Marburg des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, von wo aus er auch weiterhin den Landkreis Kassel als Bezirkskonservator betreuen wird.

Die städtebaulich-denkmalpflegerische Aufnahme (SDA)

„Nach dem Studium und der Auswertung von historischen Quellen zur Orts- und Stadtgeschichte machen wir uns mit dem Bestand vertraut und dokumentieren auf dieser Basis unsere Erkenntnisse“, so Wolf. Wichtig sei dabei auch die Raumwirkung der Kulturdenkmäler. Jeder kenne das Gefühl, sich in historischen Ortskernen wohl zu fühlen – dieser Wirkung auf den Grund zu gehen und sie durch wissenschaftlich fundierte Kriterien benennen und analysieren zu können, sei ein bislang zu wenig beachteter Gesichtspunkt der Orts- und Stadtentwicklung. „Unser Ziel ist es deshalb, die Ergebnisse der Untersuchung schon sehr frühzeitig in planerische Projekte einzuspeisen und sie auch interessierten Bürgern zugänglich zu machen“. Seiner Erfahrung nach mangele es in der Frage der zukunftsfähigen Entwicklung von historischen Orts- und Stadtstrukturen oft an belastbaren Studien und Analysen zur Orts- und Stadtgeschichte. Diese Lücke zu schließen und dabei auch die Wirkung der stadtprägenden Gebäude zu berücksichtigen, sei das Ziel der Städtebaulich-denkmalpflegerischen Aufnahme (SDA). Im Kontext der Landesentwicklung und der Regionalplanung, aber auch für das bürgerschaftliche Engagement und die touristische Erschließung und Vernetzung der Region seien die Erkenntnisse der SDA von großer Bedeutung.

Serviceangebot für die Kommunen in Hessen

Die Städtebaulich-denkmalpflegerische Aufnahme (SDA) ist ein Angebot des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Es richtet sich an alle Gemeinden in Hessen, die sich mit ihrem baulichen und städtebaulichen Erbe auseinandersetzen und es bewahren wollen“, sagte Wolf. Es handele sich um eine Methode zur gezielten Erfassung, Bewertung und Dokumentation des historischen Zeugniswertes von historischen Ortskernen in Hessen, das seit 2016 erfolgreich angewendet werde. Als Pilotprojekte wurden bereits Hofgeismar-Hümme im Landkreis Kassel und Grünberg im Landkreis Gießen bearbeitet.

Dr. K. Bek und Dr. T. Wolf, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege