Crossmediale Führung durch den Schlosspark in Biebrich am Rhein

Ramona Harmuth und Johannes Martin Müller, Volontäre des Landesamts für Denkmalpflege Hessen (LfDH), veranstalteten am 20.08.21 eine Führung durch den Biebricher Schlosspark, die auf den ersten Blick ungewöhnlich anmutete, denn neben den Teilnehmern vor Ort wurde die Führung auch online übertragen. Die Führung erfolgte im Rahmen der Reihe „Volos führen Volos“ der VDL Arbeitsgruppe „Volontariat in der Denkmalpflege“ und des „Arbeitskreises Volontariat“ des Hessischen Museumsverbands.

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Volontäre vor dem Westflügel des Biebricher Schlosses.
Mit der Verlegung der Residenz des Fürsten Karl von Nassau-Usingen an den Rhein im Jahre 1744 wird Biebrich zur Residenz eines ganzen Fürstentums. Mit dem Bau des Westflügels wird dem erhöhten Repräsentationsbedürfnis entsprochen.

„Volos führen Volos“

Neben der Teilnahme in Präsenz konnten interessierte Volontärinnen und Volontäre auch per Live Schalte über das Internet teilnehmen. Hierbei moderierte Johannes Müller, während Ramona Harmuth die Kameraführung übernahm. Dieses innovative Format ermöglichte zum einen die coronakonforme Durchführung mit geringen Teilnehmerzahlen in Präsenz und eröffnete zum anderen die Möglichkeit, alle Volontärinnen und Volontäre der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger (VDL) einzubeziehen. Diese Arbeitsgruppe trägt ganz wesentlich zur deutschlandweiten Vernetzung der VolontärInnen, insbesondere in den Landesdenkmalämtern, bei. Für den reibungslosen technischen Ablauf sorgte Marriet Boutez, Volontärin in der LWL-Denkmalpflege in Münster.

Die historische Parkführung fand in der Veranstaltungsreihe ‚Volos führen Volos‘ statt, die vom Arbeitskreis Volontariat des Hessischen Museumsverbands ins Leben gerufen wurde. Das Format soll dazu dienen, dass sich die Volontärinnen und Volontäre vernetzen und untereinander austauschen. Hierbei setzt sich der AK aus unterschiedlichen kulturellen Einrichtungen zusammen, die in Hessen verortet sind (u.a. aus Museen, dem Landesdenkmalamt, den Staatlichen Schlössern und Gärten in Hessen).

Nach einer Begrüßung durch Frau Dr. Katharina Benak, stellvertretende Abteilungsleiterin der Bau- und Kunstdenkmalpflege, erläuterte Johannes Müller, dass man sich von der einheitlichen Gestaltung des Schlosses und der weiß-roten Farbgebung nicht täuschen lassen solle. Das Bauwerk sei vielmehr in mehreren Etappen entstanden (1702 – 1744) und entwickelte sich eher zufällig von einem „Gartenpavillon“ zu einem barocken Residenzschloss.

Vom barocken Parterre zum englischen Landschaftsgarten

Der Architekt des Schlosses, Maximilian Welsch, hat zugleich ein barockes Parterre vor der Rotunde anlegen lassen, das mit geometrischen Wegen, ornamental geschnittenen Eiben- und Buchshecken (Broderien) sowie Sandsteinbalustraden, im Bereich der heutigen Stützmauer, versehen war. Darüber hinaus war dem Schlossbau eine repräsentative Orangerie - als Gegenpol und Abschluss des Barockgartens – gegenübergestellt worden, die allerdings der Parkerweiterung zum Opfer fiel.

Mithilfe von Grundstückszukäufen (1803 – 1816) konnte die Anlage auf ihre heutige, 35 ha umfassende Größe, erweitert werden. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, um von Friedrich Ludwig von Sckell, dem Schöpfer des Englischen Gartens in München, einen englischen Landschaftspark anlegen zu lassen (1817-23). Zu den Spezialitäten Sckells gehörte der sogenannte „Call in the Country“ Effekt (Alexander Pope): Die Außengrenzen der Parklandschaft sind im Sinne eines "AHA" unsichtbar, und die fernen Taunusberge erscheinen als Teil des Park- und Landschaftsgemäldes.

In einem abgelegenen, romantischen Teil des Parks gab es für die TeilnehmerInnen auch die seltene Möglichkeit, eine neogotische Ritterburg zu besichtigen: Die als Rückzugsort des nassauischen Fürsten Friedrich August geplante, sog. Mosburg,  hatte man 1806 auf den Fundamenten einer mittelalterlichen Burg, errichtet. Spolien aus dem Zisterzienserkloster Eberbach und aus der abgebrochenen Mainzer Liebfrauenkirche sollten der prächtig ausgestatteten Wohnburg mittelalterliche Authentizität verleihen.

Gesteigerte Wertschätzung für die Gartendenkmalpflege

Ebenfalls kam die zunehmende Wertschätzung für historische Gartendenkmale zur Sprache: Zum einen durch die historische Rekonstruktion der kleinen West- und Ostallee (1984), zum anderen durch die Wiederherstellung der Großen Fontäne (1994), die heute allerdings nur 2/3 ihrer historischen Größe umfasst.

Die Veranstaltung fand ihren gemütlichen Ausklang im Restaurant des Biebricher Schlosses – leider nur für die Präsenzteilnehmer…

Ramona Harmuth und Johannes Martin Müller, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
02.09.2021