Vertrauen aufbauen, Lösungen finden und motivieren

Heinz Wionski, Landeskonservator und Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, ist seit dem 1. Oktober 2020 im Ruhestand.

Artikelbild Wionski.jpg

Heinz Wionski mit seinen Kollegen bei der Betrachtung des städtischen Gefüges in Kassel
„Die Erde ist ein kleiner Behälter, man muss auswählen, was in die Zukunft mitgenommen werden soll“, dieser Satz von Rudolf Schwarz war wichtig für Heinz Wionski, wenn es um die Denkmalerfassung ging.

Vom Glück, Denkmalpfleger zu sein  

„Die vielfältigen Aufgaben, die sich mir stellten, habe ich immer mit Leidenschaft in Angriff genommen. Für mich war es ein großes Glück, den Beruf eines Denkmalpflegers ausüben zu dürfen“, sagte Heinz Wionski, Landeskonservator und Leiter der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege anlässlich seiner Verabschiedung aus dem aktiven Dienst im feierlichen Rahmen. Seit dem 1. Oktober ist Heinz Wionski im Ruhestand. Er war in der praktischen Denkmalpflege, in der Denkmalerfassung und im Fortbildungsbereich vertiefend tätig. 

Die praktische Denkmalpflege

„Um in der praktischen Denkmalpflege gute Ergebnisse zu erreichen, bedarf es verständiger Planer und fähiger Handwerker. Mein Ziel war es immer, unsere Entscheidungen transparent zu halten und Eigentümer mit der notwendigen Expertise zu unterstützen.“ Als Bezirksdenkmalpfleger hat Wionski den Kreis Bergstraße, die Stadt Wiesbaden, den Kreis Groß-Gerau mit Rüsselsheim und zuletzt die Stadt Frankfurt betreut. Wichtig war ihm, historische Sachverhalte, Instandsetzungskonzepte und neue Anforderungen für jedes Projekt neu zu verhandeln und in das richtige Maß zueinander zu bringen. Sein besonderes Interesse galt der städtebaulichen Denkmalpflege, dem Erkennen von stadträumlichen Qualitäten und der Frage, welche Rolle Kulturdenkmäler in der Stadtentwicklung spielen. „Wichtig ist die Maßstäblichkeit, die durch historische Gebäude und Freiflächen vorgegeben ist. Sie ist die Einheit, mit der wir weiter denken müssen“. Das Bewahren des historisch Entstandenen sei niemals Selbstzweck, sondern diene der gesamtgesellschaftlichen Identität. Deshalb müsse stets zwischen den Interessen des Denkmalschutzes und anderen öffentlichen Interessen abgewogen werden.

Die Denkmalerfassung

„Die Erde ist ein kleiner Behälter, man muss auswählen, was in die Zukunft mitgenommen werden soll“, dieser Satz von Rudolf Schwarz war wichtig für Heinz Wionski, wenn es um die Denkmalerfassung ging. Nach dem Studium der Architektur an der TU Darmstadt kam er schon in den frühen 1980er Jahren mit dem Erfassungsprojekt Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland-Kulturdenkmäler in Hessen in Berührung. Als verantwortlicher Autor hat er die Bände über den alten Dill-Kreis und die westliche Wetterau mit der Städtekette Friedberg, Bad Nauheim und Butzbach verfasst. Aufgabe und Ziel der Denkmaltopografien ist es, alle Kulturdenkmäler in Hessen zu beschreiben, abzubilden und auf Karten darzustellen. Das für einen Band bearbeitete Gebiet umfasst Teile einer Stadt oder eines Landkreises. Außerdem werden historische Entwicklungen und regionale Besonderheiten, die für die Erfassung wichtig waren, dargestellt. Die Bände sind die Grundlage aller Entscheidungen in planerischen Vorhaben.  

Nachwuchs fördern und Vernetzen

Gleichzeitig hat Wionski sich viele Jahre intensiv für die Förderung des Nachwuchses eingesetzt und die Fortbildungseinrichtung für Denkmalpflege und Altbauerneuerung in der Propstei Johannesberg gGmbH in Fulda durch Veranstaltungen und Vermittlungsformate unterstützt. Das Programm der Fortbildungseinrichtung richtet sich gleichermaßen an Handwerker wie an Architekten und Tragwerksplaner.

Wichtig war ihm auch, die vielfältige Zusammenarbeit mit Partnern im politischen und fachlichen Umfeld zu pflegen und auszubauen. „Unsere Belange berühren nahezu alle Segmente des Planens, Bauens und Erhaltens. Deshalb habe ich mich immer dafür eingesetzt, dass wir mit unseren speziellen Kenntnissen und Fragestellungen schon frühzeitig in Planungsprozesse einbezogen werden.“

Planungen für die Zukunft

Die durch das Hessische Denkmalschutzgesetz  formulierte Maxime, die Denkmäler der Kunst, der Geschichte und Kultur sowie der Landschaft zu erkennen, zu dokumentieren, zu pflegen und zu schützen, habe er immer persönlich genommen, sagt Wionski. Auch in Zukunft werde er den analytischen Blick des Denkmalpflegers nicht ablegen können. Ergänzen werde er ihn dadurch, dass er Gelungenes mehr genießen werde.

Dr. Katrin Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
07.10.2020