Stadtsanierung in Groß-Umstadt von überregionaler Bedeutung

„Der vorbildliche Erhaltungszustand der historischen Bausubstanz in Groß-Umstadt zeugt von einer über viele Jahre erfolgreich betriebenen Zusammenarbeit zwischen der Kommune, Architekten, Stadtplanern, Denkmaleigentümern und der Denkmalpflege“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen anlässlich der Eröffnung des 42. Tages der Hessischen Denkmalpflege am 27. April 2018 in Groß-Umstadt vor rund 120 Tagungsteilnehmern.

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Vor dem Pfälzer Schloss, dem Tagungsort in Groß-Umstadt
Vor dem Pfälzer Schloss, dem Tagungsort in Groß-Umstadt.

„Der vorbildliche Erhaltungszustand der historischen Bausubstanz in Groß-Umstadt zeugt von einer über viele Jahre erfolgreich betriebenen Zusammenarbeit zwischen der Kommune, Architekten, Stadtplanern, Denkmaleigentümern und der Denkmalpflege“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen anlässlich der Eröffnung des 42. Tages der Hessischen Denkmalpflege in Groß-Umstadt vor rund 120 Tagungsteilnehmern. Das Thema lautete „1275 Jahre Groß-Umstadt. Die Erhaltung eines städtischen Denkmalensembles“.

1275 Jahre Stadtjubiläum im Europäischen Kulturerbejahr 2018
Harzenetter sagte weiter, angesichts des 1275 jährigen Jubiläums der Stadt hätte der Ort für den 42. Tag der Hessischen Denkmalpflege nicht besser gewählt werden können, denn in diesem Jahr  komme auch das von Bund und Ländern getragene Förderprogramm Städtebaulicher Denkmalschutz "Vorstadt" in Groß-Umstadt zum Abschluss. Die besondere Bedeutung der hervorragenden, in Groß-Umstadt geleisteten Maßnahmen aber ergebe sich erst vor dem Hintergrund des Denkmalschutzjahres 1975 und des Europäischen Kulturerbejahres 2018. Vorbildlich sei die Verantwortlichkeit, die die Stadt schon 1975 gezeigt habe, als sie ein erstes Gutachten für die behutsame Altstadtsanierung in Auftrag gegeben habe. Dieses Gutachten sei die Grundlage aller späteren Maßnahmen, durch die es möglich geworden sei, die Altstadt von Groß-Umstadt heute als lebendiges, städtisches Denkmalensemble wahr zu nehmen. Anders als viele andere Kommunen sei es der Stadt gelungen, in den Genuss der im Zuge des Denkmalschutzjahres 1975 zur Verfügung gestellten Förderprogramme für Kommunen zu kommen. Nach 43 Jahren nun zeugten die umgesetzten Maßnahmen von der gelungenen Integration denkmalpflegerischer Ziele in die Stadtplanung und die Stadtsanierung. Dieser Erfolg weise weit über regionale Grenzen hinaus.

Denkmalpflege ist Bau- und Lebenskultur
Bürgermeister Joachim Ruppert sagte, die sorgsame Pflege des historischen Gebäudebestandes habe eine lange Tradition in Groß-Umstadt. Durch die Ausweisung von Sanierungsgebieten und der damit verbundenen Verkehrsberuhigung belebter Durchgangsstraßen und des Marktplatzes sei es gelungen, die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt und den ortsbildprägenden Gebäuden wieder erstarken zu lassen. Gerade in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung sei es Bürgern und Touristen gleichermaßen wichtig, die besondere Atmosphäre historischer Gebäude, öffentlicher Plätze und Straßenzüge zu genießen. Das Leben, das sich im öffentlichen Raum entfalte, ziehe immer mehr junge Menschen an und fördere auch das Bewusstsein für den Ort als Wirtschaftsstandort. Der Erfolg der geleisteten, städtebaulichen Maßnahmen zeige sich vor allem darin, dass ortsansässige Bürger investitionsintensive, denkmalpflegerische Schlüsselprojekte in Angriff genommen hätten. Ohne sie seien die Aufgaben, die die Zukunft im Bereich der Pflege und Bewahrung des historischen Gebäudebestandes der Stadt mit sich bringe, nicht vorstellbar.

Moderner Wohnkomfort im Denkmalensemble
Die Teilnehmer der von Reiner Michaelis, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in Groß-Umstadt geleiteten Podiumsdiskussion waren sich einig, dass die Stadt sich mit ihren Denkmälern entwickle. Auch in Zukunft werde darüber verhandelt werden müssen, wie die Ansprüche an das Wohnen sich mit den besonderen Anforderungen des historischen Gebäudebestandes vereinbaren ließen. Zur dauerhaften Pflege desselben müsse auch über genossenschaftlich organisierte Trägerstrukturen nachgedacht werden. Mit dem Auslaufen der Fördermittel könne man nicht von einem abgeschlossenen Projekt ausgehen, vielmehr müssten auch bislang noch unsanierte Bereiche in Angriff genommen und das Erreichte sorgsam gehegt und gepflegt werden.

Christian Bührmann, Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst eröffnete die Tagung. Prof. Dr. Ursula Braasch-Schwersmann, Leiterin des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde erläuterte die Entwicklung vergleichbarer Kommunen in Hessen, Dipl. Ing. Hans Rittmannsperger, Architekt, referierte über die Stadterneuerung in Groß-Umstadt.

Exkursion nach Babenhausen
Vertieft wurden die gewonnenen Eindrücke am Samstag, dem 28. April bei einer Exkursion nach Babenhausen. Auf dem Programm stand das Babenhäuser Schloss, das derzeit saniert wird, das Territorialmuseum in der Amtsgasse 42 und die ev. Stadtkirche im Kontext des Altstadtensembles.

Der Tag der Hessischen Denkmalpflege
Der Tag der Hessischen Denkmalpflege findet seit 1974 an wechselnden Orten zu aktuellen denkmalpflegerischen Fragestellungen statt. 2016 ging es in Offenbach unter dem Motto „Offenbach Transfer – Eine Stadt und ihre Bewohner“ um Integration und Zuwanderung, 2014, in Michelstadt, um Tourismus und Denkmalpflege, 2013 stand die Innenentwicklung von historischen Städten am Beispiel von Bad Hersfeld im Zentrum des Interesses und 2012 die Rekonstruktion von historischen Altstädten am Beispiel von Frankfurt/Main. 

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege