Spuren, die bleiben

Am 1. Februar 2022, wenige Tage vor ihrem 40. Geburtstag, ist Dr. Mareike Liedmann an den Folgen einer schweren Krankheit verstorben. Mit ihrer Begeisterung für die Baukultur, ihrem Wissen, ihrer Neugier, ihren Ideen für eine sinnliche Erinnerungskultur und ihren Lebensmut hat sie uns sehr beeindruckt und viele wichtige Akzente gesetzt.

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Portrait von Dr. Mareike Liedmann.
Mit anderen ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen und Wissen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen und andere zu inspirieren, war für Mareike Liedmann essentiell.

Volontariat im Dienst der Baukultur in Hessen

Ihr Volontariat im Landesamt für Denkmalpflege Hessen hat Mareike Liedmann am 1. Oktober 2020 begonnen. Die Redaktionsarbeit an der Publikation „Zwischen Wachstum und Wüstung. Denkmäler in dynamischen Räumen“ ermöglichte die Auseinandersetzung mit der Frage, welche die Aufgabe die Denkmalpflege künftig in Städten und Kreisen mit hohem Wachstumsdruck als auch in von Leerstand und Verödung bedrohten, eher ländlicheren Regionen hat.

Fragen waren wichtiger als Antworten

Mit anderen ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen und Wissen auszutauschen, sich inspirieren zu lassen und andere zu inspirieren, war für Mareike Liedmann essentiell. Zu fragen war ihr wichtiger, als Antworten zu finden, denn Antworten führten zu immer neuen Fragen. Es ging ihr um den Prozess des Forschens, Erkundens, Bewahrens und Vermittelns, das Eröffnen neuer Perspektiven, ferner Horizonte und fremder Welten.

Die Dissertation als Zwischenergebnis

Schon in ihrer Dissertation über die ehemalige Benediktinerinnen Klosterkirche Lippoldsberg im Kreis Kassel leistete sie nicht nur kunst- und bauhistorische Grundlagenforschung, sondern beschäftigte sich auch mit der Frage, auf welchen Wegen sich das Wissen um mittelalterliche Handwerkstechniken und bauliche Formen von der Weser bis in den Ostseeraum verbreiten konnte. Am Beispiel einer Baufuge konnte sie belegen, dass eine viel engere Verbindung zur Klosterkirche Germerode im Werra-Meißner-Kreis bestand, als bislang bekannt war. Der Frage der Rezeption des „Lippoldsberger Schemas“ in einigen Dorfkirchen im Landkreis Waldeck-Frankenberg wollte Mareike Liedmann noch nachgehen. Die Veröffentlichung ihrer Dissertation war für sie nur ein Zwischenergebnis ihrer Forschungen, die noch lange nicht abschließend beantwortet waren.

Was bleibt

Neben ihren vielen Rezensionen zu literarischen Funden berichtet Mareike Liedmann, die auch gelernte Buchhändlerin war, auf ihrem Blog und ihrem Instagram-Account Lesetiefe in bewundernswerter Klarheit und Offenheit auch über ihren Umgang mit der Krankheit. Sehr gerne hätten wir sie noch lange bei ihren Streifzügen durch die Natur, ferne Zeitschichten und andere Welten begleitet.