Restaurierung des Schlösschens Schönburg abgeschlossen

In diesem Frühjahr wurde nach intensiven Arbeiten die Restaurierung des Schlösschens Schönburg in Hofgeismar erfolgreich abgeschlossen. Die einst als Sommerschlösschen konzipierte und lange entsprechend genutzte Residenz ist damit nun als moderne Tagungsstätte und für Kulturveranstaltungen vielfältig nutzbar.

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Schlösschen Schönburg nach der Restaurierung
Das Schlösschen Schönburg nach seiner Restaurierung

Seit den 1980ern fanden bereits mehrere Restaurierungen in dem 1787-91 durch Simon Louis du Ry für Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel im Park der barocken Badeanlage des Gesundbrunnens bei Hofgeismar errichteten Sommerschlösschens statt. Das kleine Schlösschen wurde ganz im Palladianischen Stil errichtet. Der frühklassizistische Bau erfuhr dann unter Wilhelms Sohn, Kurfürst Wilhelm II., 1818/1822-25 eine Erweiterung und Modernisierung im klassizistischen Stil.

Vom intimen Landschloss zum Predigerseminar

Stilistisch lehnt sich die Gestaltung dabei eng an die repräsentativen Innenräume des Residenzpalais in Kassel an, zeigt jedoch im Gegensatz dazu den Anspruch an ein intimes Landschloss zum Wohnen. Wie in anderen Schlössern wurde dabei auch ein den modernen Erfordernissen entsprechendes Badezimmer eingerichtet. Gut einhundertfünfzig Jahre lang diente das Schlösschen zu Wohnzwecken und ab 1866 zusätzlich zur Unterbringung von Behörden. 1950 wurde der Park, in dem sich auch das Schlösschen befindet, vom Land Hessen an die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck verkauft, die in den Gebäuden das Predigerseminar, den Synodalsaal und die Evangelische Akademie einrichtete. Das Schlösschen wurde in der Folgezeit mit erheblichen Eingriffen zum Sitz der Akademie umgestaltet.

Technische Neuausstattungen und historische Ausmalungen

2009 wurde schließlich das kurfürstliche Badezimmer als erster Innenraum intensiv restauratorisch untersucht und dabei eine alte Marmorbadewanne wieder freigelegt. Durch die Untersuchung konnte nachfolgend mit Mitteln des Bundes und des Landes eine Reinigung und Sicherung der historischen Ausmalung erreicht werden. Der Raum ahmte einen mit Geißblatt und Weinlaub überwachsenen, aus Holzlatten bestehenden Gartenpavillon nach.

Ende 2013 begann schließlich die Planung für eine denkmalgerechte Instandsetzung des Schlösschens und die technische Neuausstattung für den Akademiebetrieb. Zuerst wurde eine bauhistorische Untersuchung durch den Bauforscher Bernd Adam erstellt, es folgten restauratorische Voruntersuchungen der Innenräume. Dabei zeigte sich leider, dass bei früheren Umbauten große Teile der historischen Oberflächen verlorengegangen waren. Allerdings waren neben dem Treppenhaus besonders in den beiden Eckräumen des Erdgeschosses, dem Schlafzimmer und dem Wohnzimmer die von Greineisen ausgeführten Plafondausmalungen erhalten geblieben.

Zurück zum monochromen Rosa

Nach einer baukonstruktiven Instandsetzung, in deren Rahmen umfangreiche Bauschäden behoben werden mussten, wurden die Innenräume grundlegend bearbeitet. Das gemeinsam von landeskirchlicher Bauberatung und Denkmalpflege erarbeitete Konzept sah vor, das Erscheinungsbild des Schlösschens wieder an den klassizistischen Zustand der Bromeis-Zeit anzulehnen. Die Rückbesinnung zu den alten Farbtraditionen erfolgte dabei nicht nur in den Innenräumen. Auch der Außenbau, in den 1960er- und 80er-Jahren in gelb-weiß gefasst, wurde aufgrund der wenigen Befunde im Sinne des frühen 19. Jahrhunderts in eine monochrome Rosafassung überführt.

Die Maßnahmen wurden durch den Bund und das Land bezuschusst und im Frühjahr dieses Jahres abgeschlossen. Im Ergebnis stellt sich das Schlösschen als einer der letzten erhaltenen Bauten des Kasseler Klassizismus wieder wie 1825 als Maison de plaisance im Park des Gesundbrunnens dar. Auch das Innere vereinigt nun stimmig das Raumgefühl dieser Zeit mit den Ansprüchen eines modernen Veranstaltungsortes.

Dr. T. M. Wolf, Bau- und Kunstdenkmalpflege