Raban. Bildung in Bewegung.

Als Leiter der Klosterschule und Abt Fuldas war Hrabanus Maurus im 9. Jahrhundert einer der gelehrtesten Männer im fränkischen Reich. Nicht nur wurde das Kloster Fulda zu einem europäischen Bildungszentrum, Raban gilt zudem bis heute als einer der bedeutendsten Vertreter der karolingischen Bildungsreform. Unter seinem Namen wird von Fulda aus heute wieder Wissen in die Welt hinausgetragen. Fulda und Petersberg sind dabei auf dem besten Weg, das Europäische Kulturerbe-Siegel zu erlangen.

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Die Michaelskirche in Fulda
Einblick in die Krypta der Michaelskirche in Fulda: Eines der bedeutenden Baudenkmäler der karolingischen Bildungsreform.

Auf dem Weg zum Europäischen Kulturerbe-Siegel

Mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel werden Stätten ausgezeichnet, die für die Entwicklung und Kultur Europas von besonderer Bedeutung waren. Wesentlich ist dabei der Vermittlungsgedanke. Aus diesem Grund richtet sich das Projekt Raban nicht nur an Erwachsene, sondern will vor allem Kinder und Jugendliche für die Bedeutung sensibilisieren, die Bildung und der transkulturelle Dialog, das Miteinander verschiedener Kulturen, für Europa spielten und spielen. Wissenschaftlich fundiert und zugleich spielerisch wollen die Projektpartner die Bedeutung der karolingischen Bildungsreform und die Rolle des Klosters Fulda dabei in unsere heutige Zeit heben. „Im Mittelpunkt steht eine karolingische Idee, die schon damals epochenweisend war und noch heute moderner nicht sein könnte: Bildung als Grundlage und Motor für den Fortschritt zu sehen“, schreibt die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn. Pädagogische und informative Aktivitäten, internationale Jugendaustausch- und Kunstprojekte sowie eine digitale Rekonstruktion von Fuldas Klosterbibliothek lädt Jung und Alt ein, die damalige Welt kennenzulernen und zu erleben.

Gemeinsame Bemühungen publiziert

In einer neuen Publikation stellt das Projekt unter dem Titel „Fulda und Petersberg. Orte der karolingischen Bildungsreform“ nun seinen Weg zum Europäischen Kulturerbe-Siegel vor. Auf 33 Seiten werden dabei neben den Projektzielen auch die Geschichte der Klöster, ihre Bau- und Kunstwerke sowie die Bedeutung Rabans beleuchtet. Christine Kenner, Leiterin der Restaurierung und Bauforschung am Landesamt, beteiligte sich dabei als Vertreterin des Amtes im Projekt Raban sowohl an der Konzeption als auch an den Texten. Neben der Stadt und dem Bistum Fulda, der Gemeinde Petersberg, der Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, der theologischen Fakultät Fulda sind insgesamt über 15 weitere Vereine, Institutionen und Forschungs- sowie Bildungseinrichtungen an dem Projekt Raban beteiligt. All diese Partner eint ein gemeinsames Ziel: Vermitteln, wie die karolingische Bildungsbewegung die Werte Europas geprägt hat und auch heute noch orientierend wirken kann, um gemeinsam europäischen Herausforderungen zu begegnen.

Vom Arbeitsheft zum Kulturerbe-Siegel

Die Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege im Landesamt für Denkmalpflege Hessen gab ab 2014 unter anderem mit den im Arbeitsheft zur Kirche St. Peter in Petersberg dargelegten Forschungsergebnissen wesentliche Impulse und Grundlagen für das Verständnis des eigenen Kulturerbes vor Ort und die Inhalte des Antrages zum Kulturerbe-Siegel. „Ganz im Sinn des Europäischen Kulturerbe-Siegels weitet das Projekt Raban den Blick von Petersberg und Fulda aus auf ganz Europa. Für uns sind die Baudenkmäler und Orte der karolinischen Bildungsreform schon lange als wichtige Kulturerbestätten Hessens von großer Bedeutung“, erläutert Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und führt weiter aus: „Die sorgsam restaurierte Authentizität dieser Anlagen bietet heute erneut das Potential, diese Denkmäler zum Nukleus eines Projektes mit europäischer Strahlkraft werden zu lassen.“ Das Landesamt lenkt den Blick dabei nicht nur auf die Bau- und Kunstwerke des Klosters Fulda, sondern betrachtet auch die Herstellungstechniken vergangener Zeiten. „Das Projekt Raban bietet eine Fülle an Möglichkeiten für die Vermittlung der geistesgeschichtlichen Dimensionen des materiellen Kulturerbes“, freut sich Kenner. „Mit Projekten wie einem im Herbst erscheinenden Jugendbuch können wir neben Kenntnissen zu den Bauwerken, ihrer Entstehungs- und Veränderungsgeschichte auch weiterführende historische Zusammenhänge anschaulich vermitteln, welche die Grundlagen denkmalpflegerischen Handelns bilden.“

Alle weiteren Informationen zu den Projekten und Aktivitäten des Projektes können Sie auf dessen Internetseite abrufen.

Lars Görze M.A.
04.05.2021