Pressereise im Rahmen des Orgelförderprogrammes 2019

Im Rahmen ihres gemeinsamen Orgelförderprogramms bereisen Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen am 13. und 19. Juni 2019 die Kirchengemeinden, die in diesem Jahr bei der Sanierung ihrer Orgel gefördert werden.

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Die Walckerorgel in Frankfurt-Oberrad mit in den Kirchenraum ragenden Freipfeifenprosekt
Ein wahrer Blickfang: Die Walckerorgel in Frankfurt-Oberrad mit ihrem in den Kirchenraum ragenden Freipfeifenprosekt.

"Die Sparkassen-Kulturstiftung und das Landesamt für Denkmalpflege verbindet seit vielen Jahren eine gemeinsame Leidenschaft für die Orgeldenkmalpflege. Oftmals können Kirchengemeinden die Restaurierungen ihrer Orgeln jedoch kaum alleine tragen. Daher ist es unser Ziel, hessenweit diese Restaurierungen zu fördern. Seit 2001 konnten wir auf diese Weise bereits über 100 bedeutende Orgelrestaurierungen unterstützen", so Matthias Haupt.

„Orgeln sind in dreifacher Hinsicht Zeugnisse unseres historischen Erbes“ erläutert Dr. Markus Harzenetter. „Sie gehören zum einen untrennbar zur Ausstattung unserer Kirchen, sind also bedeutende Kunstdenkmäler, die mit ihrem kunstvollen Gehäuse in engem Zusammenhang mit der Architektur einer Kirche zu sehen sind. Zum anderen sind sie aufwändige technische Denkmäler: Orgeln sind komplexe technische Meisterwerke, geprägt von hohem kunsthandwerklichen Können, deren materieller Erhalt heute im Fokus der denkmalpflegerischen Bemühungen steht. Vor allem aber sind sie Klangdenkmäler mit einer individuellen Klanggestalt, die Teil der immateriellen Denkmaleigenschaft der Orgel ist. Orgelmusik füllt und belebt unsere historischen Kirchenräume auf faszinierende und einmalige Weise.“

„Besonders interessant ist dabei, dass wir anhand des Erscheinungsbildes einer Orgel, ihrer technischen Ausstattung und ihres Klangs Aussagen darüber machen können, aus welcher hessischen Orgelwerkstatt das Instrument stammt. Vor ganze neue Herausforderungen stellen uns die Orgelwerke der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhundert mit ihrer neobarocken Klanggestalt und ihren Körpern aus Kunststoffen und Metallen“, ergänzt Dr. Bernhard Buchstab.

Das Orgelförderprogramm wurde 2001 ins Leben gerufen. Seitdem werden jedes Jahr fünf bis acht historische Instrumente mit 20% der Gesamtkosten gefördert. Ziel des Förderprogramms ist es, die Vielfalt von historischen Orgeln in Hessen zu erhalten erlebbar zu machen. Darüber hinaus unterhält das Landesamt ein wichtiges Netzwerk für Orgelsachverständige aller Landeskirchen und Diözesen in Hessen.

Dieses Jahr haben es die Orgeln folgender Kirchen in das Förderprogramm geschafft:

Die Orgel der Kath. Pfarrkirche in Bad Soden-Salmünster – Mernes
Die 1891 vom Orgelbauer Fritz Clewing aus Fulda erbaute Orgel wurde 1981 gravierend überarbeitet. Die Kirchengemeinde führt das Instrument nun wieder zu seinem ursprünglichen Clewing-Bestand mit einem Manual und Pedal zurück.

Die Kosten der vorgesehenen Restaurierung belaufen sich auf ca. 100.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 20.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Ev. Erlöserkirche in Frankfurt-Oberrad
Die 1958 durch E.F. Walcker & Cie  aus Ludwigsburg gebaute Orgel in Frankfurt-Oberrad zeichnet sich durch ein mutig über die Brüstung in den Kirchenraum ragendes Freipfeifenprospekt aus und ist ein repräsentativer Vertreter der Nachkriegszeit.

Die Kosten der notwendigen Restaurierung belaufen sich auf ca. 45.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 9.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Kath. Pfarrkirche in Groß-Umstadt – Heubach
Die 1938 am Vorabend des 2. Weltkriegs, von der Firma Walcker aus Ludwigsburg gebaute Orgel in Groß-Umstadt – Heubach Orgel ist nahezu unverändert erhalten und ist mit Ihrem Freipfeifenprospekt ein seltenes Zeugnis der Orgelbaukunst der 1930er Jahre.

Die Kosten der geplanten Arbeiten belaufen sich auf ca. 40.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 8.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Ev. Friedhofskapelle in Guxhagen
Die von der Werkstatt Euler aus Hofgeismar 1957 erbaute und unverändert erhaltene Orgel befindet sich zweigeteilt auf den beiden Emporenbereichen der Nischen einer kleinen Friedhofskapelle in Guxhagen.

Die Kosten der vorgesehenen Restaurierung belaufen sich auf ca. 35.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 7.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Ev. Kirche in Herleshausen – Unhausen
Von der ursprünglich Mitte des 18. Jahrhunderts erbauten Orgel findet sich in Unhausen heute noch der barocke, fünfteilige Prospekt. Das Orgelwerk wurde um 1900 von August Möller aus Rothenburg/Fulda in das barocke Gehäuse eingebaut.

Die Kosten der vorgesehenen Maßnahmen belaufen sich auf ca. 20.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 4.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Ev. Kirche in Idstein-Walsdorf
Ihre 160 Jährige Geschichte hat die Orgel in Walsdorf ohne wesentliche Veränderungen überstanden. Lediglich die Windversorgung wurde durch den Einbau des elektrischen Gebläses und die Stilllegung einer der beiden Kastenbälge verändert.

Die Kosten der vorgesehenen Arbeiten belaufen sich auf ca. 20.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 4.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Kath. Pfarrkirche in Rüdesheim-Assmannshausen
In den 1970er Jahren war die 1880 erbaute Orgel aus der der bedeutenden Würzburger Orgelwerkstatt Schlimbach mangels Unterhaltung kaum mehr spielbar und die Gemeinde installierte eine elektronische Orgel. Nun wird die historische Schlimbach-Orgel wieder instand gesetzt.

Die Kosten der anstehenden Restaurierung belaufen sich auf ca. 100.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 20.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Ev. Andreaskirche in Schöneck-Büdesheim
In Schöneck-Büdesheim trifft ein barockes und repräsentatives 7-teiliges Orgelprospekt aus dem Jahre 1771 mit seinen aufwändigen Türmen, Feldern und Trompetenengeln auf ein nicht minder bedeutendes Orgelwerk des Jahres 1907 aus der Werkstatt Förster & Nicolaus in Lich.

Die Kosten der anstehenden Maßnahmen belaufen sich auf ca. 40.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 8.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Ev. Kirche in Wiesbaden-Breckenheim
Die 1878 von Karl-Heinrich Voigt aus Igstadt errichtet Orgel fügt sich perfekt in die barocke Ausstattung der Ev. Kirche in Wiesbaden-Breckenheim ein. In den 1960er Jahren wurde unter anderem ein ganzes Solomanual entfernt, nun wird die Orgel wieder nach Voigtschem Vorbild restauriert.

Die Kosten der vorgesehenen Restaurierung belaufen sich auf ca. 100.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 20.000,- Euro gefördert.

Auf der Suche nach weiteren Informationen zu den einzelnen Orgeln helfen Ihnen die Kirchen gerne weiter.

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen