Pressereise im Rahmen des Orgelförderprogrammes 2018

Im Rahmen ihres gemeinsamen Orgelförderprogramms bereisen Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen am 22. und 23. August 2018 die Kirchengemeinden, die in diesem Jahr bei der Sanierung ihrer Orgel gefördert werden.

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Orgel der Kath. Pfarrkirche in Schaafheim-Mosbach
Rahmt malerisch das zentrale Spitzbogenfenster: Die 1930 errichtete Orgel der Katholischen Pfarrkirche in Schaafheim-Mosbach.

"Die Sparkassen-Kulturstiftung und das Landesamt für Denkmalpflege verbindet seit vielen Jahren eine gemeinsame Leidenschaft für die Orgeldenkmalpflege. Oftmals können Kirchengemeinden die Restaurierungen ihrer Orgeln jedoch kaum alleine tragen. Daher ist es unser Ziel, hessenweit diese Restaurierungen zu fördern. Seit 2001 konnten wir auf diese Weise bereits über 100 bedeutende Orgelrestaurierungen unterstützen", so Matthias Haupt.

„Orgeln sind in dreifacher Hinsicht Zeugnisse unseres historischen Erbes“ erläutert Dr. Markus Harzenetter. „Sie gehören zum einen untrennbar zur Ausstattung unserer Kirchen, sind also bedeutende Kunstdenkmäler, die mit ihrem kunstvollen Gehäuse in engem Zusammenhang mit der Architektur einer Kirche zu sehen sind. Zum anderen sind sie aufwändige technische Denkmäler: Orgeln sind komplexe technische Meisterwerke, geprägt von hohem kunsthandwerklichen Können, deren materieller Erhalt heute im Fokus der denkmalpflegerischen Bemühungen steht. Vor allem aber sind sie Klangdenkmäler mit einer individuellen Klanggestalt, die Teil der immateriellen Denkmaleigenschaft der Orgel ist. Orgelmusik füllt und belebt unsere historischen Kirchenräume auf faszinierende und einmalige Weise.“

„Besonders interessant ist dabei, dass wir anhand des Erscheinungsbildes einer Orgel, ihrer technischen Ausstattung und ihres Klangs Aussagen darüber machen können, aus welcher hessischen Orgelwerkstatt das Instrument stammt. Vor ganze neue Herausforderungen stellen uns die Orgelwerke der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhundert mit ihrer neobarocken Klanggestalt und ihren Körpern aus Kunststoffen und Metallen“, ergänzt Dr. Bernhard Buchstab.

Das Orgelförderprogramm wurde 2001 ins Leben gerufen. Seitdem werden jedes Jahr fünf bis acht historische Instrumente mit 20% der Gesamtkosten gefördert. Ziel des Förderprogramms ist es, die Vielfalt von historischen Orgeln in Hessen zu erhalten erlebbar zu machen. Darüber hinaus unterhält das Landesamt ein wichtiges Netzwerk für Orgelsachverständige aller Landeskirchen und Diözesen in Hessen.

Dieses Jahr haben es die Orgeln folgender Kirchen in das Förderprogramm geschafft:

Die Orgel der Evangelischen Kirche in Alheim-Oberellenbach
Die 1929 von Johannes Vogt aus Rotenburg erbaute Orgel besitzt einen flachen Prospekt mit drei Feldern und wurde seit ihrer Erbauungszeit in der Substanz nicht verändert.
Die Kosten der vorgesehenen Restaurierung belaufen sich auf ca. 40.000,- Euro, die Restaurierung wird mit insgesamt 4.000,- Euro gefördert.

Die Orgel der Evangelischen Kirche in Altenstadt-Enzheim
Die Brüstungsorgel wurde 1843 von Friedrich Wilhelm Bernhard aus Romrod gebaut. Zu unbekannter Zeit wurde lediglich ein Register mit zum Teil neuen Pfeifen versehen, ansonsten ist die Orgel in ihrem Erbauungsbestand erhalten.
Die Gesamtkosten der Restaurierung belaufen sich auf ca. 30.000,- Euro, so dass das Orgelprogramm mit 6.000,- Euro die Erhaltung dieses  Instruments fördert.

Die Orgel der Evangelischen Kirche in Eschenburg-Roth
Die Orgel in Roth wurde bereits 1749/50 von Johannes Mayer für die Burgkirche in Friedberg gebaut und erst 1849 in die Kirche in Roth transferiert. Zudem ist sie mit dem Register „Suavial 8‘“ ausgestattet, einem sehr seltenen Pfeifenregister.
Die Kosten für die nun anstehenden Arbeiten belaufen sich bereits auf ca. 45.000,- Euro, der Zuschuss des Orgelförderprogramms 9.000,- Euro.

Die Orgel der Evangelischen Kirche in Feldatal-Windhausen
Friedrich Wilhelm Bernhard aus Romrod erbaute die Orgel in den Jahren 1844/45. Bei den anstehenden Restaurierungsarbeiten soll unter anderem ein bisher eingelagertes, originales Pedalregister Violon 16‘ wieder eingebaut werden.
Die Kosten für alle Arbeiten belaufen sich auf ca. 40.000,- Euro, das Förderprogramm stellt insgesamt 8.000,- Euro zur Verfügung.

Die Orgel der Katholischen Pfarrkirche St. Paul in Hanau-Großauheim
Die Orgel in Hanau-Großauheim besitzt einen beeindruckenden Freipfeifenprospekt und ist mit 32 Registern auf 2 Manualen und Pedal ein großes und repräsentatives Werk aus der schwäbischen Orgelwerkstatt Späth.
Die Gesamtkosten der denkmalrelevanten Restaurierung betragen ca. 100.000,- Euro, das Orgelförderprogramm unterstützt die Arbeiten mit 20.000,- Euro.

Die Orgel der Evangelischen Kirche in Hessisch Lichtenau-Walburg
Die Orgel der Pfarrkirche datiert sich auf etwa 1837 und stammt aus der Werkstatt Ziese aus Ellingerrode. Im Laufe der Jahre wurden einige Eingriffe an dem Instrument vorgenommen, welche sich aus heutiger Sicht als nachteilig für das historische Instrument erweisen.
Die Rückführung dieser Maßnahmen bestimmt in großem Umfang die nun vorgesehene Restaurierung mit Kosten in Höhe von ca. 65.000,- Euro. Die Fördersumme beträgt insgesamt 13.000,- Euro.

Die Orgel der Katholischen Pfarrkirche in Kalbach-Uttrichshausen
Vermutlich aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt die Orgel in Uttrichshausen und ist ein Instrument der renommierten Würzburger Orgelwerkstatt Schlimbach. Das Orgelwerk ist bis auf den Austausch der Prospektpfeifen weitestgehend erhalten.
Die vorgesehenen Arbeiten werden ca. 40.000,- Euro kosten. Das Orgelförderprogramm unterstützt die Restaurierung mit 8.000,- Euro.

Die Orgel der Katholischen Pfarrkirche in Schaafheim-Mosbach
Die 1930 errichtete Orgel rahmt mit ihrem zweiteiligen Freipfeifenprospekt wirkungsvoll das große, mittig angeordnete Spitzbogenfenster.
Die nun vorgesehenen Maßnahmen sehen neben einer Restaurierung aller Bauteile auch weitere Arbeiten wie die Rekonstruktion der verloren gegangenen Register vor und verursachen Kosten von ca. 100.000,- Euro. Die Erhaltung und Rückführung der Orgel wird vom Orgelförderprogramm mit 20.000,- Euro unterstützt.

Die Orgel der Evangelischen Kirche in Wiesbaden-Erbenheim
Die in protestantischer Tradition auf einer Empore über dem Altar stehende Orgel in Erbenheim ist mit einem prachtvollen, fünfteiligen Rokoko-Prospekt versehen. Die Orgel ist das einzig erhaltene Instrument aus der Werkstadt der Gebrüder Mahr aus.
Die Kosten der nun anstehenden Restaurierung belaufen sich auf ca. 40.000,- Euro. Das Orgelförderprogramm unterstützt die Arbeiten mit insgesamt 8.000,- Euro.

Bilder einiger geförderter Orgeln finden Sie in unserer Bildergalerie, auf der Suche nach weiteren Informationen zu den einzelnen Orgeln helfen Ihnen die Kirchen gerne weiter.

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen