Oberkonservator Dr. Dieter Griesbach-Maisant im Ruhestand

Zum 30. April 2018 wurde der Leiter der Inventarisation in der Bau- und Kunstdenkmalpflege in Hessen, Dr. Dieter Griesbach-Maisant, in den Ruhestand verabschiedet. Der 1952 in Hemsbach an der Bergstraße geborene Denkmalpfleger studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Heidelberg und promovierte 1985 mit einer Dissertation über Illustrationen zur deutschsprachigen Lyrik des 19. und 20. Jahrhunderts.

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Dr. Dieter Griesbach-Maisant
Dr. Dieter Griesbach-Maisant

Bereits während des Studiums beschäftigte er sich mit Themen der Architektur und Denkmalpflege: Im Zuge des Denkmalschutzjahres 1975 war er an der Konzeption einer Fotoausstellung zur Heidelberger Altstadt („Beruf: Photograph in Heidelberg. Ernst Gottmann sen. & jun. 1895-1955“) beteiligt, deren kritische Haltung zur geplanten Altstadtsanierung für Furore sorgte. Anlässlich der 600-Jahrfeier der Heidelberger Universität arbeitete er zudem an der Festschrift „Semper apertus. 600 Jahre Universität Heidelberg“ mit, in der es in zwei Bänden um die universitätseigenen Gebäude Heidelbergs geht und die eigentlich ein klassisches Inventar sind.

Der Weg zum Oberkonservator
Diese Ausstellungs- und Jubiläumserfahrung prädestinierte ihn für seine folgende Tätigkeit: 1985 wurde er von Prof. Dr. Gottfried Kiesow als Volontär beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen eingestellt, um eine Ausstellung zur 850-Jahrfeier des Zisterzienserklosters Eberbach i. Rhg. zu organisieren. Die Qualität dieser Ausstellung – sie bildet noch heute den Grundstock der Dauerausstellung im Abteimuseum – mag dazu beigetragen haben, dass Dieter Griesbach-Maisant nach dem Volontariat beim Landesamt für Denkmalpflege Hessen weiter beschäftigt wurde. In den folgenden Jahren wurde er mit verschiedenen Tätigkeiten im Bereich der Inventarisation betraut, so zunächst mit der systematischen Listenerfassung von Kulturdenkmälern ab 1986. Im Anschluss daran bearbeitete er die Denkmaltopographie der Stadt Fulda, die 1992 erschien.

Die Erstellung der Denkmaltopographien wurde zu seinem Projekt. Ihm ist es zu verdanken, dass Hessen mittlerweile auf eine stattliche Anzahl von 59, bald 60 Bänden blicken kann und damit bundesweit an der Spitze liegt. Dass der von ihm selbst verfasste Band „Bergstraße I“ mit den Städten Bensheim, Heppenheim und Zwingenberg der dickste Topographie-Einzelband wurde, war aber vor allem dem Zeitdruck für ein pünktliches Erscheinen zum Hessentag in Heppenheim 2004 geschuldet.

2001 wurde Dieter Griesbach-Maisant zum Konservator ernannt, 2005 folgte die Beförderung zum Oberkonservator. Nach dem Ruhestand von Dr. Christoph Mohr im Jahr 2010 übernahm er die Leitung der Inventarisation. Neben der Herausgabe der Denkmaltopographien fielen damit auch zahlreiche weitere Tätigkeiten wie die Prüfung von Anfragen zur Denkmaleigenschaft von Einzelobjekten sowie deren wissenschaftliche Erforschung in seinen Aufgabenbereich. Er war langjähriges Mitglied der AG Inventarisation der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und Mitglied der Historischen Kommission für Nassau. Gemeinsam mit Rudolf J. Manke vom Büro rjm aus Lampertheim hat Dieter Griesbach-Maisant in den letzten Jahren zudem die hessische Denkmaldatenbank (DenkX) entwickelt, die das Denkmalverzeichnis des Landes Hessen in die digitale Welt überführt und nicht nur einen tagesaktuellen Überblick über den Denkmalbestand ermöglicht, sondern im Rahmen von DenkXweb für jedermann zugänglich ist.

Zu Vermehren und zu Vermitteln
Der zweite Bereich, dem Dieter Griesbach-Maisant sich mit vollem Einsatz widmete und für den er seit 2001 zuständig war, sind die Publikationen des Amtes. Die redaktionelle Betreuung der Zeitschrift „Denkmalpflege in Hessen“, ab 1998 „Denkmalpflege & Kulturgeschichte“, oblag ihm bereits seit 1991. Er hat die Zeitschrift zum Sprachrohr des Amtes gemacht und einen entscheidenden Baustein zur Vermittlung aktueller Themen der Denkmalpflege in die Öffentlichkeit geliefert. Mit freundlicher Hartnäckigkeit bei der Autorenakquise hat er über viele Jahre ein vierteljährliches Erscheinen der Zeitschrift gesichert. Zahlreiche weitere Publikationen, darunter etwa 20 Bände der amtseigenen Arbeitshefte und drei Bände der Reihe „Dörfer in Hessen“, wurden von ihm herausgegeben.

Dieter Griesbach-Maisant ist es zu verdanken, dass sich das Wissen über den Denkmalbestand Hessens immens vermehrt hat. Mit seiner ruhigen, kompetenten Art ist es ihm gelungen, der Öffentlichkeit den Denkmalwert auch weniger prominenter oder umstrittener Gebäude zu vermitteln. Für seinen Ruhestand wünschen wir ihm, dass er seine vielfältigen Interessen an Kunst und Kultur noch lange verfolgen und genießen kann.

Dr. des. Hanna Dornieden, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege

Lesen Sie im Anhang einen Beitrag von Dr. Dieter Griesbach-Maisant zum Stand der Inventarisierung der Kulturdenkmäler in Hessen: „Zum Stand der Ermittlungen II“