Neu entdeckt: Villa im Bauhausstil in Wiesbaden

Zum Tag des offenen Denkmals am 8.9.2019 mit dem Motto: „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ weisen wir auf bedeutende, noch unbekannte Zeugnisse der Moderne in Wiesbaden hin. Außerdem laden wir alle Bürgerinnen und Bürger zur Eröffnungsveranstaltung des Tages des offenen Denkmals am 7.9.2019 und zum Rotundenkonzert im Biebricher Schloss am 8.9.2019 ein.

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Wohnhaus Groothoff 1934
Wohnhaus Groothoff kurz nach seiner Fertigstellung im Jahr 1934

Wiesbaden und Bauhaus? Das Landesamt für Denkmalpflege geht auf Schatzsuche
Wiesbaden ist zwar kein Zentrum des Bauhausstils, dennoch finden sich hier vereinzelt ein paar Schätze der klassischen Moderne: Das prominent auf dem Neroberg thronende Opel-Bad von Franz Schuster und Edmund Fabry ist hier das bekannteste Beispiel. Gar nicht weit entfernt, am Wiesbadener Hausberg gelegen, finden sich zwei weniger bekannte Gebäude von bekannten Bauhausarchitekten: Das letzte in Deutschland noch erhaltene Werk des Bauhausarchitekten Marcel Breuer, die Villa Harnischmacher, die 2017 für den Hessischen Denkmalschutzpreis nominiert war und das Haus Ryder von Mies van der Rohe, ein Flachdachbau mit „gläsernen Ecken“ im Bauhausstil. Doch wurde dieses Gebäude so stark verändert, dass die typischen Stilmerkmale der Bauhausarchitektur heute nicht mehr zu erkennen sind.  

Nicht nur das Opel-Bad: Unveröffentlichte Baupläne fördern weiteres Werk Edmund Fabrys zu Tage
Umso bemerkenswerter ist die jüngste Entdeckung eines dritten, bis heute noch weitgehend unverändert erhaltenen Bauhausvertreters, ebenfalls am Hang des Wiesbadener Hausbergs gelegen: Das Wohnhaus Groothoff im Ahornweg 3 ist heute noch im Familienbesitz. Als Dr. Bernd-Michael Groothoff, der Enkel des Bauherrn, das Gebäude 2018 sanieren ließ, stellte er bisher unveröffentlichte Quellen zur Geschichte des Hauses zur Verfügung. Auf der Grundlage von Bildern aus der Erbauungszeit und historischen Plänen konnte die Baugeschichte des Gebäudes aufgearbeitet werden. Dabei stellte sich heraus, dass es von dem Architekten des Opel-Bads, Edmund Fabry, entworfen worden war. Fabry war 1919 Gründungsmitglied der Darmstädter Sezession und Mitglied im Deutschen Werkbund und damit in der zeitgenössischen Kunstszene gut vernetzt. Diese Vernetzung ist auch am Wohnhaus Groothoff ablesbar: Das zweigeschossige Wohnhaus ist aus drei unterschiedlich dimensionierten Kuben zusammengesetzt, deren Staffelung zur Straße hin eine bewegte Kubatur erzeugt. Prägend ist die Eindeckung der Attika mit halbrunden Hohlziegeln („Mönch-und-Nonne“). Der Kunsthistoriker Dr. Ralf Dorn konnte hier eine Verbindung zu Otto Haesler, einem wichtigen Vertreter des Neuen Bauens herstellen: Haesler hatte in seiner Siedlung „Italienischer Garten“ in Celle von 1925 ein ähnliches Motiv verwendet. Der großzügige Altan und die großen, querformatigen Fenster sind Elemente gemäß Le Corbusiers „Fünf Punkte zu einer modernen Architektur“.

Denkmal trotz Sanierung? Erweiterungen folgen Grundprinzip des Neuen Bauens
Die rückseitigen und seitlich gelegenen An- und Umbauten von 1958 und 1992 ordnen sich dem Stil des Gebäudes unter und nutzen bereits vorhandene Maueröffnungen. Damit folgen sie einem Grundprinzip des Neuen Bauens, der modularen, nutzungsbedingten Erweiterbarkeit. Auch die jüngste Sanierung erfolgte unter Berücksichtigung des bauzeitlichen Erscheinungsbildes. Als einer der wenigen, trotz Erweiterungsbauten und Sanierung seine Authentizität bewahrender Vertreter des Neuen Bauens in Wiesbaden ist das Haus wichtiges Zeugnis für die Geschichte des Bauhauses in Deutschland. 25 Jahre nach Erscheinen der Zweitauflage der Topographie „Wiesbaden – die Villengebiete“ ist es nun an der Zeit, diese hinsichtlich jüngerer Zeitschichten zu aktualisieren.

Eröffnungsveranstaltung des Tages des offenen Denkmals
Der Tag des offenen Denkmals in Hessen wird in diesem Jahr am 7. September 2019 und damit am Vortag des eigentlichen Tages des offenen Denkmals um 16:00 Uhr im Kasinogebäude des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden eröffnet. Der Verwaltungskomplex der Nachkriegszeit ist von den Ideen des Bauhauses geprägt. Schon ab 14:00 Uhr können sich Interessierte von Experten durch das Gebäude führen lassen, Fragen stellen und sich mit der Geschichte des Gebäudes und seiner Sanierung, die 2018 abgeschlossen wurde, beschäftigen.

Konzert zum des Tages des offenen Denkmals 2019
Am 8. September um 18:30 Uhr präsentieren Studierende der Wiesbadener Musikakademie anlässlich des Tages des offenen Denkmals 2019 ihr Können wieder im historischen Festsaal des Biebricher Schlosses, Rheingaustraße 140 in 65203 Wiesbaden. Mit dem Konzert beschließen wir den Tag des offenen Denkmals 2019 und bedanken uns sehr herzlich bei allen Mitwirkenden.

Welche Denkmäler kann man am 8. September besichtigen?
Eine Übersicht aller geöffneten Denkmäler in Hessen finden Sie in dem unten angegebenen Link zur Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die den Tag des offenen Denkmals bundesweit koordiniert. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die in diesem Text angesprochenen Gebäude nicht geöffnet sind, der Artikel soll lediglich interessierte Bürgerinnen und Bürger für das Bauhauserbe in Wiesbaden sensibilisieren.

Dr. Annika Tillmann, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege