Leichtigkeit und Eleganz, aber auch handwerkliches Geschick

Unterschiedlicher könnten unsere Treppen der Monate November und Oktober nicht sein. Besticht die eine durch die Leichtigkeit des Seins, so steht die andere für Materialgerechtigkeit und solide Handwerkstechnik.

Treppenmontage.jpg

Treppen der Monate Oktober und November
Innentreppe im Friedrichsgymnasium in Kassel und Außentreppe im Beamtenhaus in Okriftel-Hattersheim.

„Die repräsentativ geschwungene, zweiläufige Freitreppe des Friedrichsgymnasiums in Kassel etwa spiegelt die Leichtigkeit und Eleganz der Wiederaufbauzeit und steht damit für viele andere Bildungsbauten aus dieser Zeit“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.
Sowohl die Wandmalereien von Alfred Pütz als auch die Treppengeländer in der Formensprache der 1950er Jahre unterstützten den filigranen Raumeindruck des Treppentraktes, von dem aus sich alle anderen Gebäudeteile erschlössen. Sowohl in der Anordnung der Gebäudeteile, wie auch in der künstlerischen Gestaltung der Schule und ihrer städtebaulichen Einbindung spiegle sich das pädagogische und Konzept der Nachkriegszeit. Im Sinne einer ganzheitlichen Entfaltung gehe es um das Grundvertrauen in die Fähigkeiten der Schülerrinnen und Schüler zum Wohle der Gemeinschaft. Bildung bedeute, Verantwortung für sich selbst und die Gesellschaft übernehmen zu können.

Das Friedrichsgymnasium wurde 1954 als kreuzförmig sich schneidender Baukörper errichtet. Seine vier Flügel werden durch das zentral gelegene Treppenhaus erschlossen.

Vollendente Handwerkstechnik im Oktober

Im Gegensatz zur Treppenanlage des Friedrichsgymnasiums in Kassel handelt es sich bei unserer Treppe des Monats Oktober um eine aus einfachen Werksteinen gefertigte Treppe mit einem schön gearbeiteten, schmiedeeisernen Geländer, dessen Voluten ihren Schatten auf die Treppen werfen. Die Außentreppe befindet sich im Anbau eines 1906 von Georg Metzendorf errichten Beamtenhauses in der Kirchgrabenstraße 18 in Hattersheim-Okriftel. Das vermutlich als Wohnhaus des Betriebsleiters auf dem Gelände der ehemaligen Phrix-Werke errichtete Gebäude greift die typischen Merkmale des Reformstils auf.

Treppen gehören zu den interessantesten Architekturelementen. Sie verbinden nicht nur unterschiedliche Ebenen miteinander, sondern erschließen nachfolgende Räume, indem sie den Blick des Betrachters lenken und führen. Mit den Texten und Bildern unseres Kalenders 2017 wollen wir Ihnen die Bandbreite der Ausdrucksmöglichkeiten von Treppen vorstellen und Sie dazu einladen, Treppen bewusst wahr zu nehmen und ihre kommunikative Funktion wert zu schätzen.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege