Katharina Thiersch - Eine Pionierin der Denkmalpflege in Hessen

Am 7. Oktober 2018 würdigten wichtige Wegbegleiter auf dem Hofgut Fleckenbühl in Cölbe-Schönstadt den unermüdlichen Einsatz von Katharina Thiersch für die Denkmalpflege in Hessen.

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Kathrina Thiersch mit ihrem ersten Fortbildungsjahrgang für Architekten in der Propstei Johannesberg in Fulda.

 „Katharina Thiersch ist es zu verdanken, dass zahlreiche Kulturdenkmäler insbesondere in Nordhessen gerettet werden konnten und dass die an ihnen durchgeführten Maßnahmen in der Qualität ihrer Voruntersuchung und ihrer Dokumentation Maßnahme gesetzt haben. Dahinter steckt eine immense fachliche Kompetenz, ungebremster Wissensdurst, gute Menschenkenntnis und eine große Portion Durchhaltevermögen und Willenskraft – immer im Dienste der Kulturdenkmäler. Zweifellos ist Katharina Thiersch eine Pionierin der Denkmalpflege in Hessen. Zu Recht wurde sie für ihre Verdienste um die Denkmalpflege in Hessen mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet,“ sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, anlässlich des 80. Geburtstages von Katharina Thiersch.

Am 7. Oktober 2018 dankten und würdigten wichtige Wegbegleiter auf dem Hof Fleckenbühl in Cölbe-Schönstadt in einem feierlichen Rahmen den unermüdlichen Einsatz von Katharina Thiersch. Kurze Fachbeiträge zeichneten wichtige von Katharina Thiersch betreuten Sanierungsmaßnahmen nach und stellten ihre bis heute wirkenden Entscheidungen hervor. Organisiert wurde das Fest von Dr. Bernhard Buchstab, Peter Hegewaldt, Ulrich Klein und der Propstei Johannesberg gGmbH in Abstimmung mit der Jubilarin. Die anlässlich des Geburtstages durchgeführte Spendenaktion kam der Alten Kirche Bürgeln zu Gute.

Zur Person

„Ich habe meine Kindheit in alten bäuerlichen Auszugshäusern – in Hessen nennt man diese Häuser Ellerhäuser – in Ramsau am Südfuß des Dachsteins verbracht. Dort gab es weder fließend Wasser noch elektrisches Licht. Für mich ist diese Zeit mit den schönsten und elementarsten Erinnerungen behaftet und hat zweifellos meinen späteren Berufsweg geprägt“, erzählt Katharina Thiersch auf die Frage, welche Einflüsse ihren beruflichen Werdegang geprägt hätten. Ihr Vater sei Architekt gewesen, schon während der Schulzeit sei sie mit dem Kunsthandwerk, insbesondere mit der Weberei, der Silberschmiede, der Töpferei und Schreinerei in Kontakt gekommen. Nach einem Schreinerpraktikum in Wiesbaden studierte sie von 1959-67 Architektur an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Im Rahmen eines Stipendiums an der Bibliotheka Hertziana in Rom von 1967-72 beschäftigte sie sich mit Originalzeichnungen zu den frühen Planungen für die Erbauung der Peterskirche in Rom. Bis Ende 1972 war sie Mitarbeiterin am Institut für Baugeschichte und Bauaufnahme der Universität Stuttgart und hatte damit die besten Voraussetzungen für ihre künftige Tätigkeit. Von 1973 bis zu ihrer Pensionierung im Jahre 2003, also dreißig Jahre lang, war Katharina Thiersch als Konservatorin, zuletzt auch in leitender Funktion in der Außenstelle  Marburg des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen tätig und hat damit die Aufbauphase der Denkmalpflege in Hessen maßgeblich mit gestaltet und geprägt. Seit 1979 nahm sie auch Lehraufträge an der Gesamthochschule Kassel und der Universität Gießen wahr und war am Aufbau und an Lehrveranstaltungen für die Fortbildung von Architekten, Handwerkern und Ingenieuren an der Propstei Johannesberg in Fulda beteiligt. Bis heute ist die Denkmalpflege ihre Berufung und eine innere Verpflichtung, aber auch ein offenes Feld des Lernens und Vermittelns.

Vom Umgang mit den Kulturdenkmälern

„Jede Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahme soll der Erhaltung der Originalsubstanz aller Zeitschichten der Bauten und Bauteile als Quellen und Zeugnisse der Geschichte dienen“, erläutert sie das Ziel all der von ihr begleiteten Maßnahmen. Im Vordergrund habe stets das weitere Bestehen des Kulturdenkmals durch eine angemessene Nutzung gestanden. Jedes Kulturdenkmal stehe auch für einen bestimmten Entwicklungsstand der handwerklichen Ausführung, der regionalen Materialverwendung und der Bautechnologie. Im Sinne der Nachhaltigkeit aller Maßnahmen stehe dabei die Verträglichkeit der zum Einsatz kommenden Materialien mit den am Bau angetroffenen Materialien und der Bautechnologie im Vordergrund. Eine umfängliche Dokumentation ermögliche es auch künftigen Generationen, Instandsetzungen auch in Teilbereichen vorzunehmen und das Kulturdenkmal kontinuierlich zu pflegen.

Ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Arbeit war der Städtebaulichen Denkmalpflege gewidmet. „Insbesondere in Nordhessen gibt es bis heute zahlreiche historische Ortsbilder von Dörfern und Städten, die in weiten Bereichen eindrucksvoll in die historische Kulturlandschaft eingebettet sind. Mir war es immer wichtig, gegen den enormen Veränderungsdruck in den Stadtkernen und den Dörfern vorzugehen. Nur wenn die Denkmalpflege früh in die Planungen einbezogen wird, können wir unsere Interessen einbringen und gemeinsam mit allen Partnern weiter entwickeln.“ Während ihrer Dienstzeit hat Katharina Thiersch die Stadtsanierungsmaßnahmen vor allem in Fritzlar, Melsungen, Spangenberg und Schwalmstadt aktiv begleitet und befördert.    

Neben der beratender Begleitung von Sanierungen bedeutender Kulturdenkmäler wie etwa des Doms und der ehemaligen Minoritenkirche in Fritzlar, der Felsburg, der Totenkirche in Treysa und der Stiftskirche in Wetter war die Sanierung des ehemaligen Klosters und Schlosses Haydau ihr besonders ans Herz gewachsen. „In Haydau konnten durch vorbereitende Untersuchungen umfangreiche Dokumentationen zu Bestand und Maßnahmen gewonnen werden, die im Archiv als wertvolles Material für künftige Maßnahmen, aber auch Forschungen zur Verfügung stehen – Haydau ist nicht „das Denkmal in neuem Glanz“, sondern das weitgehend authentische Zeugnis seiner wechselvollen Geschichte.“

Wir müssen Partner für unsere speziellen Aufgaben sensibilisieren

Besonders engagiert hat sie sich seit 1989 bei der Vorbereitung und Durchführung der Architektenfortbildung an der Propstei Johannesberg in Fulda. „Denkmalpflege ist auf das Zusammenwirken mit den Partnern und Experten aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen angewiesen. Deshalb war es mir immer besonders wichtig, Architekten für unsere speziellen Aufgaben und Fragestellungen zu sensibilisieren, denn anders als im Neubau bedarf jedes Denkmal einer individuellen Behandlung, die seinem Alter, seiner Lage und Topographie sowie seinen Materialien gerecht wird.“

Die Kolleginnen und Kollegen im Landesamt für Denkmalpflege Hessen gratulieren sehr herzlich und wünschen Katharina Thiersch eine nie nachlassende Neugier, Willenskraft und Freude an allem, was da kommen möge. 
 

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege