Gemeinsames Engagement für ein Kulturdenkmal von überregionaler Bedeutung

Am Sonntag, 17. Juni 2018 wurde die Stiftskirche in Oberkaufungen im Landkreis Kassel nach einer umfangreichen Instandsetzung im Rahmen eines Festgottesdienstes wieder eingeweiht.

Gottesdienst.jpg

Festgottesdienst am 17. Juni
Dem Festgottesdienst am 17. Juni 2018 wohnten 700 Menschen bei.

„Der guten Zusammenarbeit zwischen allen am Projekt Beteiligten ist es zu verdanken, dass die Ablesbarkeit der vielschichtigen Baugeschichte der Stiftskirche in Oberkaufungen erhalten werden konnte“, sagte Dr. Tobias Wolf, Bezirkskonservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen.

Der Festgottesdienst
Landesbischof Prof. Dr. Martin Hein (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) hielt die Predigt bei der Wiedereinweihung, die im Rahmen eines Festgottesdienstes stattfand. Anwesend waren auch Dr. Walter Lübcke, Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Kassel, Uwe Schmidt, Landrat des Landkreises Kassel, Timon Gremmels (MdB), Manuela Strube (MdL) und Bürgermeister Armin Roß.

Geschichte der Kirche
Die Stiftskirche Oberkaufungen wurde ab 1017 auf Betreiben von Kaiserin Kunigunde, der Gemahlin Heinrichs II., auf ihrem Wittum, der Königspfalz Kaufungen errichtet. Der erste Bau wurde 1025 geweiht. Es handelt sich um einen der bedeutendsten salischen Bauten in Deutschland. Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kirche mehrmals verändert. Im 13. Jahrhundert wurde der Ausbau zur Hallenkirche begonnen, 1469 ein neuer spätgotischer Chor errichtet. Trotz dieser Umbauten sind bedeutende Teile des romanischen Baus inklusive der Kaiserempore im Westturm mit ihren markanten Arkaden erhalten geblieben. Im Zuge der Reformation in Hessen wurde das Stift Kaufungen 1532 zusammen mit Wetter von Landgraf Philipp dem Großmütigen an die Althessische Ritterschaft übertragen. Die Althessische Ritterschaft ist bis heute Eigentümer der Stiftsbauten und der Kirche in Oberkaufungen.

Denkmalpflegerische Maßnahmen der Vergangenheit
Eine erste denkmalpflegerische Maßnahme fand zwischen 1935 und 38 statt. Dabei wurde die Kaiserempore wieder freigestellt und auch ein umfangreicher Bestand mittelalterlicher Wandmalereien in Lang- und Querhaus freigelegt. Parallel wurden archäologische und bauhistorische Untersuchungen durch die damalige Dienststelle des preußischen Bezirkskonservators vorgenommen. Die folgende Maßnahme in den Jahren 1971 bis 1973 umfasste neben dem Einbau einer Heizung auch Veränderungen an der Raumschale und Ausstattung.

Die aktuelle Instandsetzung
Der 2018 abgeschlossenen konstruktiven Instandsetzung gingen umfangreiche Vorarbeiten voraus, die bis in das Jahr 2003 zurückreichen. Ab 2008 konnte die Stiftskirche mit Mitteln aus dem „Bundesprogramm national wertvolle Kulturdenkmäler“, sowie mit Hilfe von Landes- und Kirchenmitteln umfassend bearbeitet werden. Bauherrin war die evangelische Kirchengemeinde der Stiftskirche. Alle Arbeiten wurden durch das Landesamt für Denkmalpflege eng begleitet. Neben der Sicherung und Neueindeckung der in das Mittelalter zurückgehenden Dächer auf Kirche und Turm, am Turm mit Sollingsandsteinplatten ausgeführt, fand eine statische und restauratorische Sicherung des Mauerwerks statt, wobei auch Belange des Naturschutzes berücksichtigt wurden. So konnte das Habitat eines Wildbienenvolks in der Außenwand des nördlichen Querhauses erhalten werden. Auch die historischen Bleiglasfenster wurden instandgesetzt, die Wandflächen des Innenraums im Bestand gereinigt. Ein neuer Sandsteinboden und die Freistellung der romanischen Arkaden unter der Kaiserempore tragen zur Ablesbarkeit der vielschichtigen Baugeschichte bei. Die neue Haustechnik und funktionale Einbauten in neuer Architektursprache kommen den Gottesdiensten und den zahlreichen Kulturveranstaltungen in der Kirche zu Gute.

Festschrift erschienen
Zur Einweihung ist eine Festschrift erschienen, die von der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkaufungen und dem Förderverein Stiftskirche Kaufungen e.V. herausgegeben wurde. Dr. Tobias Wolf berichtet auf Seite 54 ff. über „Die Stiftskirche Oberkaufungen aus denkmalpflegerischer Perspektive“.

Dr. T. Wolf, Landesamt für Denkmalpflege, Bau- und Kunstdenkmalpflege