Faszination aus Klang und Technik

Zwei Tage dauerte die diesjährige Bereisung zum Orgelförderprogramm des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Zwei Tage voller faszinierender Instrumente, prächtiger Kirchen und engagierter Menschen.

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Tour zum Orgelförderprogramm 2017
Dr. B. Buchstab erklärt die Eigenheiten der Orgel in Steinau (v.l.: Pfarrer Laakmann, Dr.Harzenetter, Präsident LfDH, Dr. Buchstab, Orgensachverständiger und Konservator im LfDH).

Aus dem Gottesdienst ist ihr Klang kaum wegzudenken, und fehlen sie, so merkt es schnell die ganze Gemeinde – Orgelmusik ist integraler Bestandteil des kirchlichen Alltags, so wie Orgeln integraler Bestandteil des kirchlichen Ensembles sind. Doch die vertretende Pfarrerin Andrea Rink-Rieken von der evangelischen Kirche in Rüddingshausen weiß auch zu berichten: „Das Interesse an einer Orgel steht und fällt mit ihrem Zustand.“

Den Bestand zu wahren

Um den Bestand der hessischen Orgeln und der hessischen Orgellandschaft zu bewahren, sind daher eine stetige Wartung und oftmals eine aufwendige Restaurierung erforderlich, welche die Kirchengemeinden vor große finanzielle Herausforderungen stellt. Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen beschlossen daher im Jahr 2001, die Kirchengemeinden bei dieser wichtigen Aufgabe finanziell zu unterstützen und riefen ein gemeinsames Orgelförderprogramm ins Leben. Seitdem reisen sie einmal im Jahr quer durch ganz Hessen, um die im jeweiligen Jahr geförderten Orgeln zu besichtigen und den Gemeinden ihre Anerkennung für deren Bemühungen um diese herausragenden technischen Denkmäler auszusprechen. Eine Anerkennung, die sich überdies darin zeigt, dass beide Partner auch dieses Jahr wieder die Bemühungen der Gemeinden mit jeweils 20% der Restaurierungskosten unterstützen. Dabei wurden auch bereits einige Orgeln in außerkirchlichem Zusammenhang gefördert, wie beispielsweise in Schulen.

Am 23. und 24. August war es daher wieder soweit: Zwei Tage lang waren Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, und Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger und Konservator im Landesamt, gemeinsam mit Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen unterwegs, um insgesamt acht Kirchen und deren Orgeln zu besichtigen.

Die Vielfalt zu würdigen

Die Vielfalt jener Kirchen und Orgeln war auch dieses Jahr wieder groß. Von barocken Gesamtanlagen, in denen sich die Orgel spielerisch in das Interieur der Kirche einfügt oder dies gar besonders prunkvoll abschließt, bis zu modernen Kirchen, in denen die Orgel ganz für sich stehend ein Ausrufezeichen setzt, fand sich ein breites Spektrum.

„Dazu etwas beizutragen, dass von diesem Juwel hier etwas im Ort bleibt, das ist unser Anliegen“, stellte Dr. Wurzel treffend – und stellvertretend für alle besuchten Instrumente – in der evangelischen Kirche in Brandoberndorf fest. Doch ist eine Orgel weit mehr, als nur integraler Bestandteil der Kirchen, wie Dr. Harzenetter immer wieder zu betonen wusste. Die Orgel ist auch ein besonders herausragendes technisches Denkmal, welches in seiner Komplexität und Einzigartigkeit unter den Instrumenten seinesgleichen sucht. „Wenn sie ein Auto fünfzig Jahre fahren, hat es schon ein H-Kennzeichen, für eine Orgel ist es selbstverständlich, dass sie nach dieser Zeit noch gespielt wird“, merkte auch Dr. Wurzel an. Wie komplex ein solches Denkmal ist, wurde ganz besonders in der evangelischen Kirche in Bottendorf deutlich, denn bei dieser Station der Reise hatten die Restaurierungsarbeiten bereits begonnen und so bot sich die herausragende Gelegenheit, einmal eine „Operation am offenen Herzen“ zu betrachten, wie Dr. Harzenetter es treffend beschrieb.

Auch Dr. Buchstab zeigte sich begeistert, immerhin war es der gelernte Orgelbauer und Orgelsachverständige des Landesamtes, der zu jeder Station die technischen und historischen Besonderheiten der einzelnen Orgeln fachkundig zusammenfasste, um allen Anwesenden einen Einblick in die Komplexität der Instrumente zu ermöglichen. „Was die Orgellandschaft Hessens auszeichnet, ist einerseits die Ausbildung kleiner, regionaler Orgelwerkstätten und andererseits der Einfluss angrenzender Regionen. Dieser Einfluss manifestiert sich besonders sichtbar in der Ausbildung verschiedenster, zeittypischer technischer Detaillösungen die hier, wenn sich einmal die Möglichkeit bietet, das Innere einer Orgel zu betrachten, besonders gut zum Vorschein kommen.“ Mit seinem tiefgreifenden Fachwissen vermochte Dr. Buchstab zuweilen sogar das ein oder andere Detail zu finden, welches selbst den anwesenden Vertretern der Kirche so nicht geläufig war.

Die Menschen zu unterstützen

Jene Pfarrerinnen und Pfarrer, jene Kirchenvorstände und engagierten Gemeindemitglieder waren es auch, die allen Beteiligten besonders wichtig waren. Dr. Harzenetter betonte daher: „Wir treffen vor Ort immer hoch engagierte Kirchengemeinden, die sich sehr mit ihrem Instrument identifizieren und die wir gerne bei ihrer herausragenden Arbeit und ihrem Engagement unterstützen wollen.“

Dieses Engagement merkte man vor Ort. Ein herzlicher Empfang und die Begeisterung, mit der die Vertreter der Kirchengemeinden von ihren Instrumenten sprachen, machte jede einzelne Station zu einer ganz besonderen. Auch die Landeskirchen, die die Gemeinden oftmals bei ihren Anstrengungen unterstützten, waren vor Ort, um die Bemühungen um die Orgeln zu honorieren. Jörn Kring von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck stellte in Steinau an der Straße fest: „Die Orgel hat sehr gelitten und von daher sind wir auch als Landeskirche sehr froh, dass wir dem Instrument jetzt einmal etwas Gutes tun können.“ Eine Orgelbereisung wäre natürlich nichts ohne Musik, und so erfüllte bei vielen Stationen der Klang dieser wichtigen technischen Denkmäler die Kirchen. Dabei vermochten die Organisten den Instrumenten wahrlich Eindrucksvolles zu entlocken. Von Stücken aus der Renaissance und dem Barock bis zu modernen Melodien mit Jazzeinfluss entfaltete jede Orgel ihren ganz eigenen Klang. In Groß-Eichen spielte der Organist Otto Peter auf, der bereits seit über sechzig Jahren regelmäßig an der Orgel sitzt, das erste Mal 1954. Damit auch er bald in den Genuss kommen kann, die Orgel wieder in ihrer ganzen Pracht bespielen zu können, ist das Engagement der Gemeinden so wichtig. Ein Engagement, welches das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen Jahr für Jahr gerne unterstützen.

Diese Unterstützung, dabei waren sich Dr. Harzenetter und Dr. Wurzel einig, möchten beide Partner auch im nächsten Jahr gerne fortführen, um diese faszinierenden Denkmäler für die kommenden Generationen zu erhalten.

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege