Erinnern und erleben

Im September 2017 fand bei Ringgau-Lüderbach im Werra-Meißner-Kreis die Einweihung des Premiumwanderwegs P 21 Point India statt. Dieser Wanderweg macht auf die schöne Mittelgebirgslandschaft aufmerksam und rückt bauliche Zeugnisse an der innerdeutschen Grenze in den Mittelpunkt: Er führt an zwei ehemaligen Grenztürmen auf thüringischer und hessischer Seite vorbei. 27 Jahre nach der Wiedervereinigung ist hier ein verbindendes Element im Herzen Europas entstanden.

Übergabe der Denkmalplakette an Ortsvorsteherin Brenk, Foto Florian Methe.jpg

Übergabe der Denkmalplakette an die Ortsvorsteherin Romana Brenk
Übergabe der Denkmalplakette an die Ortsvorsteherin Romana Brenk

Anlässlich des Tages des offenen Denkmals fand bei Ringgau-Lüderbach im Werra-Meißner-Kreis die Einweihung des Premiumwanderwegs P 21 Point India statt. Dieser neue Wanderweg thematisiert neben der schönen Mittelgebirgslandschaft die zeitgeschichtlichen Zeugnisse an der ehemaligen innerdeutschen Grenze: So führt der Weg an zwei ehemaligen Grenztürmen auf thüringischer und hessischer Seite vorbei, die an den Kalten Krieg und an die Teilung Deutschlands erinnern. An die Stelle der Teilung ist 27 Jahre nach der Wiedervereinigung ein verbindendes Element im Herzen Europas getreten.

Zusammen entwickelt

Der Wanderweg geht auf eine Initiative des Ortsbeirats Lüderbach und des Lüderbacher Fördervereins e.V. zurück. Ab dem Jahresende 2014 wurde ein Konzept für den Premiumwanderweg rund um Lüderbach erarbeitet. Wichtige Partner dabei war der heutige Geo-Naturpark Frau Holle Land und die regionale Volks- und Raiffeisenbank. Zudem wurden LEADER-Mittel der Europäischen Union eingesetzt.

Türme als bauliche Zeugnisse der innerdeutschen Grenze

Das Zentrum des Wanderwegeprojekts bildet der ehemalige Beobachtungsturm des US-Observation Points (OP) India. Es handelt sich um einen 1984 in Betonfertigteilbauweise errichteten Turm, der unmittelbar an der Grenze zur damaligen DDR bei Lüderbach steht. Die übrigen Bauten des in den 1960er Jahren auf dem Sohlberg errichteten amerikanischen Camps wurden nach 1990 abgerissen. Von den ehemals insgesamt zwölf vergleichbaren Beobachtungsstützpunkten der US-Armee blieb lediglich Point Alpha in der Rhön auf dem Rasdorfer Berg erhalten. Er zeigt heute eindrucksvoll in seiner Gesamtheit die Schutz- und Beobachtungseinrichtungen der NATO in der damaligen Bundesrepublik. Die Beobachtungsstützpunkte waren alle ähnlich angelegt. Jeden Monat wechselten sich im Durchschnitt 30 bis 60 Soldaten auf einem OP ab. Im Extremfall konnten bis zu 200 Soldaten aufgenommen werden. In der Regel gab es drei Baracken für unterschiedliche Nutzungs- und Funktionsansprüche des Lagers. Unterkunftsräume mit vier bis acht Soldaten pro Raum fand man in Baracke A, Kommandozentrale, Kantine und den Waffenraum in Baracke B. Baracke C war weitestgehend für Freizeitaktivitäten (mit Aufenthaltsraum, TV/Video, Sport- und Fitnessbereich und Werkstatt) ausgestattet. Das Leben auf engstem Raum war straff organisiert und es herrschte ständige Alarmbereitschaft.

Der Turm am Point India als Kulturdenkmal

Ab dem Jahresende 2016 wurde der Beobachtungsturm am Point India instandgesetzt. Zwischenzeitlich als Kulturdenkmal in das Denkmalverzeichnis aufgenommen, wurde die Sanierung des im Eigentum der Gemeinde Ringgau befindlichen Turms wesentlich durch die Sparkassenstiftung Werra-Meißner unterstützt. Im Innern des ehemaligen Beobachtungsraums wurde eine Informationstafel angebracht, die anschaulich die geschichtliche Dimension dieses Bauwerks vorstellt.

Wiedereröffnung anlässlich des Tages des offenen Denkmals

Im Rahmen der Einweihung des Wanderwegs wurde auch der Turm als Aussichtsturm und Höhepunkt des Wanderwegs wiedereröffnet. Die behutsame Instandsetzung ist dem Lüderbacher Förderverein e.V. und der Gemeinde Ringgau zu verdanken, die die zeitgeschichtliche Bedeutung und die neue Funktion mit großem Engagement in Einklang gebracht haben. Im Rahmen eines Grußworts gratulierte Bezirkskonservator Dr. Tobias Michael Wolf den Beteiligten in Anwesenheit von Zeitzeugen zu der sehr gelungenen Restaurierung und überreichte ihnen die Denkmalplakette des Landes Hessen.

Dr. T. M. Wolf, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege