Eine unglaublich komplexe Klangmaschine

Die 140ste Sanierung unterstützte das diesjährige Orgelförderprogramm. „Es ist ein Programm das gelernt ist, das gut ist und das Geld an den richtigen Stellen zum Einsatz bringt“, freute sich Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Orgelsachverständiger Dr. Bernhard Buchstab und Haupt tourten auch in diesem Jahr an zwei Tagen durch Hessen, um die geförderten Orgeln zu besichtigen.

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Von Links: Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen; Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger am Landesamt für Denkmalpflege Hessen in So
v.l.: Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen; Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; Dr. Bernhard Buchstab, Orgelsachverständiger am LfDH in Soden-Salmünster-Mernes.

Seit 2001 wird das Orgelförderprogramm vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Kooperation mit der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgerichtet und auch in diesem Jahr wurden wieder neun Orgeln mit je 20% der Restaurierungskosten unterstützt. „Für uns ist eine Orgel wirklich zentraler Bestandteil der Kirchenausstattung“, erklärte Harzenetter im Rahmen der Bereisung. „Das ist eine unglaublich leistungsfähige, komplexe Klangmaschine“, führte er weiter aus.

Orgeln bewegen

Die diesjärige Reise begann in einer kleinen Friedhofskapelle in Guxhagen. Die dortige Eulerorgel kämpft seit langem mit starkem Holzwurmbefall, eine Restaurierung stellte die Gemeinde jedoch vor große finanzielle Herausforderungen, die Anschaffung einer elektronischen Orgel schien unausweichlich. „Wir haben gemerkt, das wird wohl nicht zu stemmen sein für uns“, erinnerte sich Pfarrer Frithjof Tümmler. Auch dank der 20% des Orgelförderprogramms konnte er jedoch zur Bereisung glücklich feststellen: „Die Finanzierung steht!“. Für Haupt machte dies erneut deutlich: „Wir ermöglichen mit diesem Programm etwas.“ Doch könne dies nie die Eigeninitiative der Gemeinden ersetzen. Eine Initiative und Begeisterung, die in jeder Station der Bereisung sicht- und spürbar war. Mit viel Leidenschaft und Kreativität, wie beispielsweise dem „Orgelschoppen“ in Assmannshausen, arbeiteten die Gemeinden Hand in Hand um ihre Orgeln zu erhalten. Dies zu würdigen, bezeichnete Haupt als „etwas, dass diesem Programm inhärent innewohnt. Das funktioniert alles nur, wenn die Leute vor Ort dahinterstehen.“ Wie sehr die Begeisterung um ihre Orgeln motivieren konnte, zeigte sich auch in Unhausen. „Wir haben das ganze Dorf eingeladen“ und viele folgten der Einladung, freute sich die dortige Pfarrerin Katrin Klöpfel. Die Ränge der Dorfkirche waren besetzt und draußen heizte man bereits den Grill vor. „Wichtig ist, dass so eine Kirche lebendig ist“, erklärte Harzenetter und zeigte sich begeistert von der großen Unterstützung, die die Unhäusener für ihre Orgel aufbrachten. Im Anschluss versammelten sich alle vor der Kirche bei bestem Wetter zu Bratwurst und Brötchen.

Regional verwurzelt

Wie in Unhausen war der Empfang bei jeder einzelnen Station herzlich, die Begeisterung für ihre Orgeln und die Erleichterung, diese nun wieder in einen guten Zustand versetzen zu können, war den Menschen deutlich anzumerken. Denn um sich der Bedeutung der Orgeln bewusst zu sein, muss das Instrument spielbar sein. „Wenn die Instrumente erstmal nicht mehr spielbar sind, findet sich auch niemand mehr, der sich dafür interessiert“, befand Regionalkantor Thomas Wiegelmann in Bad Soden - Mernes. Die dortige Orgel aus einer Fuldaer Werkstatt litt unter der mangelhaften Qualität eines Umbaus der 1980er Jahre, der nun zurückgebaut werden soll. „Ich finde das ganz toll, dass man hier in Mernes diesen Schritt wagt“, freute sich Buchstab. Nicht nur in Mernes zeugten die Orgeln auch in diesem Jahr von der unglaublichen Vielfalt der hessischen Orgellandschaft mit ihren vielen regional verwurzelten Werkstätten, die teils bis heute aktiv sind. „Die hessische Orgellandschaft lebt von diesen regionalen Firmen“, berichtete Buchstab. „Das ist ein ganz spezifisches Gewerbe, das es zu erhalten gilt", stimmte Haupt ihm zu. Damit unterstütze man nicht nur die Gemeinden sondern auch den ländlichen Raum an sich.

Keine Euler ohne Heuler

Gleich ob im ländlichen Heubach oder im städtischen Frankfurt Oberrad, eine jede Orgel entfaltete ihren ganz eigenen Charme und unterschied sich in Klang, Technik und Erscheinung. In Oberrad ragte ein gewaltiger Freipfeifenprospekt über die Brüstung der evangelischen Kirche, in Heubach überblickte der Organist vom Spieltisch aus die prachtvolle Kirche und in Büdesheim verbarg sich hinter einem aufwendig gestalteten barocken und repräsentativen Orgelprospekt ein nicht minder bedeutendes Orgelwerk welches über einhundert Jahre jünger ist.

Es war wie in jedem Jahr eine wunderbare Reise voller faszinierender Instrumente und begeisterter Menschen. „Die Bereisung ist immer wieder interessant und lehrreich“, befand auch Haupt zum Abschluss der Reise. Was er in diesem Jahr gelernt habe? „Keine Euler ohne Heuler“, lachte er.

Wie Haupt ist auch Harzenetter entschlossen, das Programm im nächsten Jahr weiterzuführen. „Wir haben noch viele Orgeln und Gemeinden für die diese Unterstützung wichtig und richtig ist“, erklärt Harzenetter nach den zwei ereignisreichen Bereisungstagen.

Wie wichtig es ist, die Orgeln am Leben zu halten, brachte Pfarrer Karlo Friedrich in Schöneck-Büdesheim, der letzten Station der diesjährigen Bereisung, in einem kurzen Satz auf den Punkt: „Die Orgel ist das Herzstück der Kirche.“

Damit diese Herzen in Hessen weiter schlagen können, braucht es mutige, begeisterte und engagierte Menschen und diese zu unterstützen ist die wichtigste Aufgabe des Orgelförderprogrammes.
 

L. Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen