Eine Treppe zum Gedenken

Inmitten der Karlsaue in Kassel liegt unsere Treppe des Monats Juni. Die Treppe ist nicht einfach nur eine imposante Anlage, sondern auch eine kurhessische Kriegergedächtnisstätte zum Gedenken an die Gefallenen des ersten Weltkrieges.

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12.06.2017 Eine Treppe zum Gedenken
Eine Treppe zum Gedenken

Die streng symmetrische Anlage besteht aus acht aufeinander folgenden, zweiläufigen, steinernen Doppeltreppen mit Wendepodest, an deren Mauerwerk in Stein gemeißelte Platten an verschiedene Regimenter erinnern.

„Die Symmetrie verleiht der Treppenanlage den Charakter klassischer Ausgewogenheit und prädestiniert sie, als Bestandteil ausgezeichneter Architektur verwendet zu werden“, stellte Professor Friedrich Mielke, Erfinder und Wegbereiter der Scalalogie, zur Form derartiger Treppenanlagen fest.

Die Wirkung und Wissenschaft der Treppen

Dass Treppen nicht nur als notwendiger Teil eines Bauwerkes fungieren, beschäftigt die Scalalogie, die Wissenschaft von den Eigenarten und Wirkungen der Treppen. Scalalogen widmen sich jedoch nicht nur den bautechnischen Eigenheiten und Nomenklaturen der Treppen sondern auch ihrem Verhältnis zu den Menschen, die sie erbauten und nutzen. Dahingehend ist die kurhessische Kriegergedächtnisstätte in mehrfacher Hinsicht ein für die Forschung lohnendes Objekt.

"Die Treppenanlage der Gedächtnisstätte ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Treppen nicht nur Teil eines größeren Werkes sein können, sondern als eingenständiges Bauteil aus sich selbst heraus wirken“, erläutert Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen.

Ein Mahnmal zweier Kriege

Der Treppenlauf der Anlage lenkt den Blick des Betrachters an den Mahnwerken für die Gefallenen entlang und wer die Stufen erklimmt, wird an jedem Halt an sie erinnert. Die Treppe ist eingebettet in die barocke Gartenkonzeption der Karlsaue, die französische und niederländische Formvorstellungen vereint und trotz einiger Veränderungen als eindrucksvolles Zeugnis der Gartenkunst des 18. und frühen 19. Jahrhunderts gilt.

Die Treppe selbst ist ein Werk des deutschen Bildhauers Hans Sautter und wurde 1922 geweiht. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Mahnmal in Teilen rekonstruiert. Eine Plakette am Fuß der Treppe und eine Gedenktafel für die Deserteure und Kriegsdienstverweigerer erinnert auch an diese Zeit.

Unser Kalender 2017 und die Scalalogie

Die Fotografien sind unserem Kalender für das Jahr 2017 entnommen. Mit den Bildern des Kalenders stellen wir zwölf eindrucksvolle Treppen aus unterschiedlichen Materialien und Erbauungszeiten in Hessen vor. Die Fotos dokumentieren die Vielfalt der Ausdrucksmöglichkeiten eines der interessantesten architektonischen Gestaltungselemente überhaupt.

Wenn Sie mehr zur Scalalogie wissen möchten, besuchen Sie die Seite des Friedrich-Mielke-Institutes für Scalalogie an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg https://www.oth-regensburg.de/?id=2901

L.Görze und Dr. K.Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege