Eine Denkmalplakette für die St. Hedwigskirche in Oberursel

Der in handwerklicher Meisterleistung reparierte Fußboden wird erstmals wieder der Öffentlichkeit vorgestellt.

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Detail des Kirchenschiffs
Detail des Kirchenschiffs

Mit der Anbringung der Denkmalplakette des Landes Hessen feiert die Gemeinde der St. Hedwigskirche in Oberursel mehr als die Tatsache, dass die nach Plänen des Frankfurter Architekten Hein Günther erbaute, 1966 geweihte Kirche ein Zeugnis der Kirchenbaukunst der sechziger Jahre ist. Mit der Anbringung der Denkmalplakette beginnt das zweite Leben der Kirche, denn erst in allerletzter Minute war der baukünstlerische Wert erkannt worden, die Kirche wurde unter Denkmalschutz gestellt und damit vor dem Abriss bewahrt.

"Es ist uns unter anderem gelungen, den Fußboden der Kirche, ein als Fliesen verlegter Gussasphaltboden aus der Erbauungszeit, in einem Teilstück beispielhaft in Stand zu setzen", freut sich Jutta Mößer, zuständige Bezirksdenkmalpflegerin im Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Auf dieses Weise könne der gesamtheitliche Raumeindruck des Gebäudes bewahrt werden. Die vorbildliche handwerkliche Arbeit wird am Samstag, den 10. Dezember 2016
erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Bedeutung der Maßnahme muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die serielle Produktion von Gussasphaltfliesen in den letzten Jahren eingestellt wurde. Ein Handwerksbetrieb aus der Region hat nun speziell für den Fußboden der St. Hedwigskirche den Gussasphalt mit angepasster Körnung und abgestimmter Farbe gießen lassen und die Fließen in den originalen Abmessungen zugeschnitten.
"Auf diese Weise mussten wir nicht auf fremde Materialien wie etwa Schiefer zurückgreifen, der Fußboden ist nun wieder hergestellt, die Kirche bleibt unverfälscht erhalten und kann von den nächsten Generationen weiter genutzt werden."

Die Besonderheit der Kirche ihr parabelförmig gewölbtes Kirchenschiff. Die aus buntem Betonglas bestehende Fassade der südlichen Stirnseite bestimmt
den Charakter des Innenraumes. Der wuchtige Turm bestimmt die Ansicht des Gebäudes.

Das Patrozinium der heiligen Hedwig, der Schutzheiligen von Schlesien verweist auf die Vertriebenenthematik. Ab 1960 entstand im Norden Oberursels ein schnell wachsendes Neubaugebiet, in dem sich insbesondere Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten ansiedelten.

Im Jahr 2011 beschloss das Bistum Limburg den Abriss der Kirche. An ihrer Stelle sollte ein Behindertenwohnheim errichtet werden. Nachdem das Landesamt für Denkmalpflege Hessen die Kirche unter Denkmalschutz stellte, wurden diese Pläne allerdings nicht weiter verfolgt.

Text: K. Bek / J. Mößer
Quelle: Eva Rowedder: Hochtaunuskreis = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Hrsg.: Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Konrad Theiss Verlag, Darmstadt 2013, ISBN 978-3-8062-2905-9, S. 438–439.