Einblick und neue Impulse

Die Abteilung Masterplan der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verbrachte ihre Bildungsreise in Südhessen. Auf dem Programm stand die Stadt Darmstadt mit den Universitätsgebäuden der Nachkriegszeit und der Mathildenhöhe, die Kirche St. Valentinus und St. Dionysius in Kiedrich sowie das Brentanohaus in Oestrich-Winkel.

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Gruppenbild vor dem Brentanohaus
Gruppenbild vor dem Brentanohaus

Darmstadt erleben
Ein Schwerpunkt der Stadtführung durch die Darmstädter Innenstadt waren die Universitätsgebäude der Nachkriegszeit, wie etwa das Ledigenwohnheim (1952-1955) und die Wasserbauhalle (1954-1955) von Ernst Neufert sowie das Hexagon von Karl-Heinz Schelling (1956-1961). Auf der Mathildenhöhe konnten sich die Gäste über die im Zuge der Welterbenominierung entwickelten Erhaltungskonzepte für die Gebäude und die Gartenanlagen informieren. Die Künstlerkolonie wurde 1899 von Groß­herzog Ernst Ludwig zur Förderung des hessischen Kunstgewerbes gegründet. Bis 1914 entstanden – im Kontext von vier Ausstellungen – eine Reihe zukunftsweisender Bauten mit Ausstattung, die bis heute in eine Parkanlage mit Skulpturen, Brunnen und Gartenpavillons eingebettet sind. Die neukonzipierte  Dauerausstellung „Raumkunst – Made in Darmstadt“ im Museum Künstlerkolonie im Ernst Ludwig Haus informiert über die als Gesamtkunstwerke konzipierten, begehbaren Lebenswelten. Abschließend wurde den Kollegen der preußischen Schlösserverwaltung die Baugeschichte und das denkmalpflegerische Gesamtkonzept zum Darmstädter Residenzschloss vorgestellt, das seit 2009 aufwändig saniert wird. „Maßgebliche Leitlinie für die Sanierungsmaßnahmen ist die Zeit des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagte Frank Aulbach, Bezirkskonservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Nicht nur sei der überwiegende Teil der Bausubstanz in den 1950er und 1960er Jahren errichtet worden, auch die qualitativ hochwertige Innenausstattung entstamme zum Großteil dieser Zeit.

St. Valentinus und St. Dionysius in Kiedrich – das „Schatzkästlein der Gotik“
Einen wirkungsvollen Kontrast aus dem späten Mittelalter bot das sakrale Ensemble von St. Valentinus und St. Dionysius in Kiedrich (1493), das mit seinen Einzelbauten und der hochkarätigen Ausstattung bis heute nahezu vollständig erhalten ist. Zu verdanken sei dies dem wohlhabenden englischen Baron Sir John Sutton, unter dem die Kirche regotisiert worden sei. Der Baron habe nahezu sein gesamtes Vermögen in die Restaurierung der Kirche (1857-1878) investiert, sagte Dr. Verena Jakobi, Bezirkskonservatorin im Landesamt für Denkmalpflege. Darüber hinaus erfuhren die Besucher Feinheiten der komplexen Innenrestaurierung. Ein Besuch der zwischen 1434 und 1444 erbauten Michaelskapelle vermittelte Einblicke in die derzeit laufende Dachsanierung und noch anstehende Maßnahmen. Die Michaelskapelle ist die einzige noch erhaltene Kapelle dieses Typs im Rheingau und gilt als eine der künstlerisch wertvollsten Sakralbauten in Hessen

Das Brentano Haus in Oestrich-Winkel
Der dritte Exkursionspunkt war das Brentanohaus in Oestrich-Winkel – ein vom Land Hessen im Jahr 2014 erworbenes Objekt, das  museal genutzt werden soll. Zu seinen berühmtesten Besuchern und Gästen gehörten u.a. Achim von Arnim, die Brüder Grimm, Freiherr vom Stein und Johann Wolfgang von Goethe. Vorgestellt wurden im Rahmen der Begehung die Restaurierungsmaßnahmen am sogenannten Badehaus im Garten, einer klassizistischen Tempelarchitektur, die noch in diesem Jahr ihren Abschluss finden werden. Auch die seit 2016 laufende Außensanierung des Brentanohauses soll noch in diesem Jahr erfolgreich beendet werden. Besonders beeindruckt zeigten sich die Gäste von den Innenräumen, dem Roten Salon und dem als Treffpunkt dienenden großen Saal sowie die Zimmer der prominenten Gäste, die sind einschließlich der wandfesten Ausstattung und des Mobiliars bis heute erhalten geblieben sind und bei einer Restaurierung möglichst authentisch erhalten bleiben sollen.

Neue Impulse
„Die detaillierte Auseinandersetzung mit dem Erbe der Nachkriegszeit, das einen Schwerpunkt unseres Programms bei der Besichtigung der Stadt Darmstadt darstellte, hat uns ebenso beeindruckt wie der sehr gewissenhafte Umgang mit den besuchten Ensembles und Einzeldenkmälern im Rheingau“, sagte Dr. Volker Thiele, Referatsleiter Hochbau bei der Abteilung Masterplan der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Er bedankte sich für die interessanten Tage in Südhessen, die Einblicke in die Arbeitsfelder der Hessischen Landesdenkmalpflege und die fachlichen Diskussionen, die zweifellos wichtige Impulse für eigene Arbeitsprozesse gegeben hätten.

Mitwirkende
Darmstadt:
Christoph Beck, stellvertretender Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt Darmstadt; Stefanie Patruno, stellvertretende Direktorin des Institut Mathildenhöhe Darmstadt,  Ramona Buxbaum, Udo Gleim vom Fachbereich Geschichte und Theorie der UD Darmstadt und Wenzel Bratner, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege (Gartenbaudenkmalpflege).
Kiedrich:
Paul Beiler, Vorsitzender des Verwaltungsrates der Katholischen Kirchengemeinde; Hermann Alt, Architekt aus Hallgarten; Stefan Klöckner, Restaurator aus Biebergemünd und Dr. Verena Jakobi, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege.
Oestrich-Winkel: 
Stephan Dreier, Architekt aus Niederbrechen; Carmen Witt-Schnäcker, Restauratorin aus Ober-Mörlen und Dr. Verena Jakobi, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege.
Die Gesamtverantwortung lag bei Frank Aulbach, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege.

F. Aulbach u. Dr. V. Jakobi, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege