Ein besonderes Jahr für ein besonderes Instrument

Seit 20 Jahren fördern das Landesamt für Denkmalpflege Hessen und die Sparkassen-Kulturstiftung im Rahmen des Orgelförderprogramms die Hessische Orgellandschaft. In diesem Jahr wurde während der zweitägigen Bereisung unter anderem die 155ste Orgel gefördert und sowohl Landesamt als auch Sparkassen-Kulturstiftung freuen sich auf noch viele weitere historische Instrumente in den nächsten Jahrzehnten. Insgesamt acht Maßnahmen wurden in diesem Jahr wieder mit je 20% der Kosten unterstützt.

HP_Orgel2021_Stausebach_Artikel.JPG

Zwei Tage lang bereisten (v.l.) Matthias Haupt, Dr. Bernhard Buchstab und Prof. Dr. Markus Harzenetter die hessische Orgellandschaft. Dr. Bernhard Buchstab und Prof. Dr. Markus Harzenetter die hessische Orgellandschaft.
Zwei Tage lang bereisten (v.l.) Matthias Haupt, Dr. Bernhard Buchstab und Prof. Dr. Markus Harzenetter die hessische Orgellandschaft.

Das Jahr der Orgel

2021 ist für das Orgelförderprogramm ein besonderes Jahr: Nicht nur kann die Kooperation von Landesamt und Sparkassen-Kulturstiftung inzwischen auf stolze 20 Jahre und 155 unterstützte Instrumente zurückblicken, die Orgel wurde in diesem Jahr zudem zum Instrument des Jahres gewählt. „Orgeln sind fester Bestandteil der Kulturlandschaft und jede Orgel hat ihren ganz eigenen Stil und Klang“, erklärte Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, zur Bedeutung der historischen Instrumente. Orgeln sind hochkomplexe technische Werke, immaterielle Klangdenkmäler und elementare Bestandteile der Kirchenausstattung. „Deutschland ist ein Kernland des Orgelbaus und der Orgelmusik“, führte Matthias Haupt, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen weiter aus. Gemeinsam mit dem Orgelsachverständigen des Landesamtes, Dr. Bernhard Buchstab, bereisten Harzenetter und Haupt am 25.06. und 08.07. die acht geförderten Instrumente.

Von der Flöte bis zur Superoktave

Die bereisten Orgeln zeugten auch in diesem Jahr wieder von der Vielfalt und Bedeutung der hessischen Orgellandschaft. So fand sich in Unter-Hambach (Kreis Bergstraße) eine der letzten erhaltenen hessischen Voit-Orgeln, deren patentiertes pneumatisches System und vielfältiges Klangbild über hundert Jahre bis heute bestehen konnte.
Viele der Orgeln blickten hingegen auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Mütze-Orgel in Stausebach (Landkreis Marburg-Biedenkopf) konnte bereits drei historische Bauphasen aufweisen. Zuletzt wurde das Instrument 1960 überarbeitet und wie viele Orgelrestaurierungen im Geist der 60er und 70er litt die Orgel heute unter diesen Arbeiten. „Das war eine sehr komplexe Sache, es ist ein Sammelbestand“, berichtete Buchstab. Die unsachgemäßen Einbauten werden nun korrigiert und die Orgel wieder freigestellt. 
Dass die Maßnahmen nicht nur den Instrumenten selbst, sondern auch den Organistinnen und Organisten zugute kommen, zeigte sich besonders eindrucksvoll in Steinbach (Landkreis Gießen). Der außerordentlich hohe Tastendruck der dortigen Förster-Orgel begleitete Organistin Cordula Scorbel bereits über viele Jahre. „Das ist schon abenteuerlich bis gesundheitsgefährdend“, berichtete der zuständige Orgelbauer Martin Müller vor Ort. Auch dieser Fehler im Bau kann nun korrigiert werden. In Hoch-Weisel (Wetteraukreis) konnte Organist Andreas Groth bereits einen ersten Eindruck davon gewinnen, wie das dort restaurierte Instrument wieder klingen wird. „Für mich war das wirklich bewusstseinserweiternd, hier den Klang wieder ganz anders wahrzunehmen“, staunte er.

Fest vor Ort verankert

Ohne das Engagement der Gemeinden vor Ort wäre all dies jedoch nicht möglich. „Da ist eine Spendenfreudigkeit für unsere Orgel, für die ich dankbar bin“, berichtete Pfarrer Dr. Heiko Wulfgert in Rückershausen (Rheingau-Taunus-Kreis) und fasste damit stellvertretend in Worte, was sich bei jeder Station der Bereisung spüren ließ. Die Freude darüber, die Instrumente wieder in vollem Klang erleben zu können, war allgegenwärtig. Die Orgeln sind nicht nur fester Bestandteil der Kirchenausstattungen, sie sind fester Bestandteil der Gemeinden. „Das zu unterstützen ist uns ein ganz besonderes Anliegen“, erklärte Haupt und führte weiter aus: „Wir fördern mit diesem Programm das Engagement vor Ort.“ Eine Unterstützung, die Sparkassen-Kulturstiftung und Landesamt für Denkmalpflege noch für viele weitere Jahrzehnte fortführen möchten.

Lars Görze M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen
06.08.2021