Der Fernmeldeturm in Frankfurt steht unter Denkmalschutz

Seit Oktober 2019 steht der 1974-1979 im Auftrag der Deutschen Bundespost erbaute Fernmeldeturm in Frankfurt unter Denkmalschutz. Der nach dem Berliner Fernsehturm zweithöchste Fernmeldeturm Deutschlands bildet den Endpunkt der Höhenentwicklung westdeutscher Fernmeldetürme vor dem Beginn des digitalen Zeitalters. Seine Erhaltung ist aus geschichtlichen, städtebaulichen und technischen Gründen von öffentlichem Interesse.

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Der Durchmesser der Kanzel ist mit 59 m einmalig, nur aufgrund seiner Antenne ist der Berliner Turm höher.
Der Durchmesser der Kanzel ist mit 59 m einmalig, nur aufgrund seiner Antenne ist der Berliner Turm höher.

Seit Oktober 2019 steht der im Auftrag der Deutschen Bundespost erbaute Fernmeldeturm in Frankfurt unter Denkmalschutz. Seine Erhaltung ist aus geschichtlichen, städtebaulichen und technischen Gründen von öffentlichem Interesse. 

Der Fernmeldeturm als Inbegriff des modernen Lebens

„Als Hauptknotenpunkt für den Fernmeldeverkehr war der Fernmeldeturm in Frankfurt zum Zeitpunkt seiner Erbauung Inbegriff modernster Kommunikationstechnologie“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Der Turm sei solider erbaut als alle Vorgänger, der Durchmesser der Kanzel mit 59 m einmalig, nur aufgrund seiner Antenne sei der Berliner Turm höher. Städtebaulich bilde der Turm mit dem Riegel der benachbarten Bundesbank nördlich der A 66 ein imposantes Eingangsmotiv für Autofahrer aus Nordwesten. Aus der Nähe gesehen sei die Kanzel mit dem ehemaligen Restaurant und der Diskothek das ausschlaggebende, visuelle Motiv. Erst aus größerer Entfernung werde der obere Kanzelbereich mit den Sendeplattformen – und damit das unverwechselbare Profil des sich nach oben verjüngenden Bauwerks, im Volksmund auch „Ginnheimer Spargel“ genannt, sichtbar. Aus historischen Quellen sei belegt, dass das Eingangsgebäude, über das man mittels Rampen und Treppen gelangt sei, einen futuristischen Eindruck auf die Zeitgenossen gemacht habe. Mittels modernster Aufzüge seien sie in Sekundenschnelle in das Besucher- oder in das Restaurantgeschoss gelangt. „Dort oben zu speisen und zu tanzen, den Blick über die umgebende Landschaft und die Dächer der Stadt schweifen zu lassen und sich im Stundenrhythmus mit der Kanzel zu drehen, war der Gipfel des Lebensgefühls der damaligen Zeit.“ 

Stilistische Einordnung

Stilistisch lässt sich die Struktur des Basisgebäudes dem Brutalismus zuordnen. Die schalungsrauhe Betonhaut entspricht dem zeitgenössischen Bestreben, das Material und die Konstruktion eines Gebäudes nicht länger zu verhüllen, sondern sichtbar zu machen. Bemerkenswert sind auch die geböschten Außenwände des Gebäudes mit ihrem bauplastischen Schmuck und seine Einbettung in die Topographie des Geländes. Für die Konstruktion des Turms mit unterschiedlichen Mauerdicken wurde der Beton mittels Spezialpumpen bis in 295 m Höhe gepumpt. Durch seine organhafte Formgebung hebt sich der Frankfurter Fernsehturm von vergleichbaren Anlagen ab. 

Im Inneren des Gebäudes sind die künstlerisch gestalteten Wandverkleidungen aus Stahlblech sowie die bauzeitlichen Raumschilder und Infotafeln aus Emaille bedeutsam. Von einzigartiger, ingenieur- und technikgeschichtlicher Bedeutung sind das Antennenhebezeug und die Fassadenbefahranlage. Bei beiden Anlagen handelt es sich um eigens für den Fernsehturm entwickelte Ausstattungsstücke von höchster Präzision.

Hintergrund

Der Neubau des Fernmeldeturms war notwendig geworden, nachdem die Kapazitäten des Fernmeldehochhauses in der Stadtmitte an seine Grenzen geraten waren. Auch behinderten die Hochhäuser zunehmend seine Funktion als Funkübertragungsstelle. Aus diesem Grunde kam nur ein Areal außerhalb der Innenstadt in Frage. Restaurant- und Besuchergeschoss mussten 1999 geschlossen werden, da die Brandschutzauflagen den aktuellen Anforderungen nicht mehr genügten. Seitdem ist der Turm für die Öffentlichkeit gesperrt. Das Restaurant wurde rückgebaut, der Besuchereingang mit Brückenkonstruktion abgerissen. Heute befindet sich der Turm im Besitz der Deutschen Funkturm, eine Tochter der Deutschen Telekom. Sie nutzt den Turm vor allem als digitale Sende- und Empfangsstation.

Der Fernmeldeturm – auch Europaturm genannt – besteht aus einem Basisgebäude, dem Turmschaft mit Kanzel und sieben Sendeplattformen. Hier wurden für die Rundfunkanstalten die Programmübernahmen und Verteilungen auf die Sender von Hand geschaltet.

Erfassung der Kulturdenkmäler in Hessen

Die Kulturdenkmäler in Hessen werden seit 1980 in Bild, Text und Karte systematisch erfasst und in den Bänden der „Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen“ sowie im digitalen Verzeichnis der Kulturdenkmäler in Hessens (denkxweb) publiziert.
Weitere Informationen dazu finden Sie hier  

Dr. K. Bek / PD R. Dorn, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege