Der erste Schritt ist getan

Zwei Tage lang folgten Vertreter aus Politik und Bürgerschaft, Experten und Studenten der Technischen Universität Darmstadt der Einladung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und der Stadt Beerfelden, im Rahmen des Symposiums „Mit einem gemeinsamen Konzept in die Zukunft“ am 20. und 21. September 2017 über das Schicksal der Burgruine Freienstein im Odenwald zu diskutieren.

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Bei spätsommerlichen Temperaturen begann das Symposium zur Burgruine
Bei spätsommerlichen Temperaturen begann das Symposium zur Burgruine

Aus Ideen konkrete Pläne entwickeln
„Wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden!“, freute sich Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes, nach den zwei Tagen und fügte hinzu: „Nun gilt es, den Schwung des Symposiums zu nutzen und eine gemeinsame Vision zu entwickeln.“ Das Ziel des Symposiums, das Gespräch über die Zukunft der Ruine zu eröffnen, sei erreicht. Nun werde ein Arbeitskreis gebildet, um aus den vielen Ideen und Anregungen konkrete Visionen und Pläne zu schmieden. Kristin Schubert, Bezirksdenkmalpflegerin für den Odenwaldkreis: „Während des Symposiums und auch schon im Vorfeld haben sich Fachleute und politische Entscheidungsträger auf das gemeinsame Ziel eingeschworen, weiter am Erhalt der Burgruine Freienstein in Expertenrunden zu arbeiten. Das Interesse an einem Identifikationsprojekt in der Region für die neue Gemeinde Oberzent ist sehr groß.“

Annäherung durch Begehen, Sehen und Hören
Das Symposium begann an einem spätsommerlichen Nachmittag mit einer Führung über das Burggelände durch den erbbauberechtigten Pächter der Ruine, Andreas Tilly. Die folgende Abendveranstaltung, zu der sich auch Vertreter der Kreis-, Landes- und Bundespolitik einfanden, führte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ins nahe Beerfelden. Bürgermeister Gottfried Görig, Landrat Frank Matiaske und Dr. Harzenetter eröffneten den Abend und betonten das gemeinsame Interesse an der Erhaltung der Burgruine. Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, Präsidentin der Deutschen Burgenvereinigung, sammelte und präsentierte in ihrem kurzweiligen Fachvortrag unter dem Titel „Genutzt, umgenutzt, zu Tode genutzt“ verschiedenste Nutzungs- und Erhaltungskonzepte für Burgruinen. Beim anschließenden Sektempfang der Stadt Beerfelden konnte so bereits angeregt diskutiert werden.

Praktische Burgenerhaltung an anderen Beispielen
Der zweite Tag wurde eröffnet durch Kristin Schubert, die das Ziel und Anliegen des Symposiums noch einmal prägnant auf den Punkt brachte. Vertreter des Landesamtes, des Institutes für Steinkonservierung (IFS) und des Landesbetriebes Bau und Immobilien Hessen (LBIH) referierten über die verschiedensten Aspekte der praktischen Burgenerhaltung, wie etwa die Notwendigkeit der Archäologie, die Fallstricke bei der richtigen Materialwahl und die Herausforderungen der Erhaltungs- und Unterhaltungsaufgaben im täglichen Betrieb.

Vereinbarkeit von Natur- und Denkmalschutz
Im Folgenden sprach Dr. Gerd Strickhausen über die Vereinbarkeit von Naturschutz und Denkmalschutz im Rahmen eines Burgpflegewerks für Burg Königsstein im Taunus. Dr. Jürgen Leib berichtete über die 180 Jahre andauernden Bemühungen des Gleibergvereines um die gleichnamige Burg Gleiberg.

Lebenswerk und Herzensangelegenheit
Den Abschluss der Vorträge bildete der Fotograf Hanns Hemann mit einem eindrucksvollen Vortrag über die Burg Hohlenfels, der zeigte: Der Erhalt einer Burg ist ein Lebenswerk und eine Herzensangelegenheit, die nur mit viel Willen, Geduld und professioneller Hilfe Erfolg haben kann.

Mehr Zusammenarbeit und Visionen
Das abschließende Plenum skizzierte konkrete Ergebnisse aus den vielen gewonnenen Erkenntnissen. Geleitet von Dr. Harzenetter präsentierten Bürgermeister Görig, Kreisbeigeordneter und Denkmalbeiratsvorsitzender Dr. Michael Reuter, Grundeigentümer Louis Graf zu Erbach-Fürstenau, Andreas Tilly und Bezirksdenkmalpflegerin Schubert ihre Vorstellungen, wie es mit der Burgruine weitergehen könne. Einig waren sich alle, dass es mehr Zusammenarbeit brauche und eine Vision, auf die hingearbeitet werden müsse.

Die Ergebnisse des Symposiums werden in einer Publikation gesammelt und die „Task-Force“ wird noch dieses Jahr ihre Arbeit aufnehmen, um für die Burgruine ein gemeinsames Konzept für die Zukunft zu erarbeiten.

L.Görze, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege