Der Beitrag der Bau- und Kunstdenkmalpflege zum Europäischen Kulturerbejahr 2018

Was ist vom Europäischen Kulturerbejahr 2018 geblieben, was konnte angestoßen werden und wie geht es jetzt weiter? In Heft 4-2018 schauen wir zurück und stellen die Beiträge und Aktionen der Bau- und Kunstdenkmalpflege vor.

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Cover der Zeitschrift Denkmalpflege & Kulturgeschichte
Cover der Zeitschrift Denkmalpflege & Kulturgeschichte

Die Bau- und Kunstdenkmalpflege hat sich im Europäischen Kulturerbejahr 2018 unter dem vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalpflege vorgegebenen Motto „Austausch und Bewegung“ mit der Einwanderung französisch-reformierter Glaubensflüchtlinge im 17. und 18. Jahrhundert nach Hessen beschäftigt. Durch Exkursionen, Schulprojekte und Veranstaltungen wurden Spuren des baukulturellen Erbes der Glaubensflüchtlinge in den Mittelpunkt des Interesses gelenkt. Ziel war es, die Sensibilität der für die noch erhaltenen Spuren dieser Einwanderungswelle zu schärfen und ihr baukulturelles Erbe für nachfolgende Generationen zu sichern.

Die Beiträge

In ihrem reich bebilderten Beitrag „Je trouve ici mon asile – ich finde hier meine Zuflucht. Bauten der Hugenotten und Waldenser in Hessen“ stellt Dr. des. Hanna Dornieden das gleichnamige Projekt mit all seinen Bausteinen vor und schildert, in welchem Maße die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge das Erscheinungsbild vieler Orte und Städte in Hessen bis heute prägt. Dr. Tobias Wolf erläutert denkmalpflegerische Aspekte zur Erhaltung und Wiederherstellung der barocken Planstadt Bad Karlshafen, einer der wichtigsten Stadtgründungen für die Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge. Mit ihrem spektakulären Hafenbecken ist Bad Karlshafen bis heute ein wichtiges Stadtdenkmal von überregionaler Bedeutung. Gerd Fenner stellt die Hugenottenkolonien, die neben den städtischen Neugründungen als dörfliche Siedlungen in Nordhessen angelegt wurden, vor. Jutta Brod und Britta Schack erläutern den Denkmalwert der Waldensersiedlungen Dornholzhausen und Walldorf auf der Basis der noch erhaltenen Spuren und skizzieren die Herausforderungen ihrer Erhaltung.  Die neue Website Denkmal-Europa dokumentiert besonders gelungene denkmalpädagogische Projekte, die während des Europäischen Kulturerbejahres stattgefunden haben, um Anregungen und Vorlagen für die Durchführung künftiger Projekte zu liefern. Rebekka Schindehütte stellt die Website, die sich dadurch auszeichnet, dass man sich ohne Vorkenntnisse auf verschiedenen Wegen mit den Themen beschäftigen kann, vor. Verantwortliche Redakteurin des Heftes ist Dr. des. Hanna Dornieden, die auch das Projekt zum Europäischen Kulturerbejahr geleitet hat. Den Berichtsteil im Anschluss hat Dr. Stefan Thörle betreut.

Was bleibt?

„Das Projekt zu den baulichen Spuren der Hugenotten und Waldenser steht nicht nur stellvertretend für die Vielfalt der Denkmallandschaft in Hessen, sondern auch für die Leistung, Menschen mit anderem kulturellen Hintergrund langfristig in unsere Gesellschaft zu integrieren und von ihren besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten zu profitieren – denn ohne die Vielfalt der Einflüsse durch fremde Traditionen wäre unsere Kulturlandschaft heute nicht annähernd so prächtig und vielgestaltig, wie sie es ist“, sagte Boris Rhein, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst anlässlich des Erscheinens des Themenheftes.

Wie geht es weiter?

Im Frühjahr 2019 findet noch eine weitere Exkursion nach Carlsdorf und Schöneberg in Nordhessen statt. Beide Orte gehen auf Gründungen von Kolonien im ländlichen Raum durch Landgraf Carl von Hessen-Kassel (1654-1730) zurück. 

Die fachkundigen Führungen durch die Siedlungen sind in Erinnerung an die Flucht der Hugenotten mit einer Wanderung kombiniert, die das Ankommen in den Orten nachempfinden lässt.

Der genaue Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.

Informationen zum Projekt und jede Menge Anregungen zur Entwicklung eigener Ideen finden Sie auf der Website Denkmal-Europa.

Beitrag der hessenARCHÄOLOGIE

Die hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen hat eine Themenausstellung zum „Mythos Kelten“ initiiert und ein römisches Soldatenlager auf der Saalburg veranstaltet und war mit Aufsehen erregenden Funden bei der vom Verband der Landesarchäologen der Bundesrepublik Deutschland ausgerichteten Sonderausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ in Berlin vertreten. Mehr dazu können Sie in dem entsprechenden Themenheft nachlesen.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege