Bernhard Hoetger auf der Mathildenhöhe in Darmstadt – Zur Restaurierung und Konservierung des Gesamtkunstwerks Platanenhain

Am 10. Dezember 2018 wurden die neuen Erkenntnisse zum Gesamtkunstwerk Platanenhain der Öffentlichkeit im Rahmen eines Pressetermins vorgestellt.

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Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Institutes Mathildenhöhe spricht über die Begegnung der Kulturen im Platanenhain
Pressetermin am 10.12.2018 anlässlich der Vorstellung der neuen Publikation

„Der hohen fachlichen Qualifikation, dem vertrauensvollen Miteinander aller Partner und der großen Spendenbereitschaft der Darmstädter Bürgerinnen und Bürger für „ihren“ Platanenhain ist es zu verdanken, dass das einzigartige Ensemble aus Skulpturen im Platanenhain auf der Mathildenhöhe restauriert, konserviert und damit für nachfolgende Generationen gesichert werden konnte“, sagte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen heute bei der Vorstellung des jüngst erschienenen Bandes „Bernhard Hoetger auf der Mathildenhöhe in Darmstadt – Zur Restaurierung und Konservierung des Gesamtkunstwerks Platanenhain“. Die Maßnahme am Platanenhain sei ebenso ein Vorzeigebeispiel für die gelungene Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land wie die Publikation, die die umfassende Maßnahme dokumentiere. Wesentliche Ergebnisse seien auch in die UNESCO-Welterbenominierung für die „Mathildenhöhe Darmstadt“ eingeflossen. Harzenetter dankte allen Autoren für ihre Beiträge zur einer der wichtigsten Maßnahmen der hessischen Denkmalpflege der letzten Jahre. Adressat sei nicht nur das Fachpublikum, sondern die interessierte Öffentlichkeit.

"Wir sind froh und dankbar dafür, mit der Publikation über den Platanenhain auf der Mathildenhöhe, der guten Stube unserer Stadt, einen weiteren Baustein unserer aktuellen Bewerbung um die Anerkennung als UNESCO-Welterbe beifügen zu können“, konstatierte Jochen Partsch, Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt. „Hier wird ja nicht nur der enorme Aufwand zum Erhalt und zur Vermittlung dieses außergewöhnlichen Ensembles dokumentiert, sondern es ist zugleich ein beglückendes Beispiel dafür, wie effektiv und professionell die Stadt mit dem Land zusammengearbeitet hat und dabei in vorbildlicher Weise von Bürgerinnen und Bürgern in Darmstadt unterstützt wurde. Dies ist zugleich unserer Signal für die Zukunft: Die öffentliche und die private Seite sind sich ihrer Verantwortung um die Denkmäler auf der Mathildenhöhe bewusst, wir werden sie gemeinsam weiter pflegen und alles daran setzen, ihrer universellen Bedeutung gerecht zu werden."

Die Vorstellung des Bandes

Der Band dokumentiert das kulturelle Umfeld des Künstlers sowie die Geschichte des Platanenhains von seinen Anfängen im großherzoglichen Landschaftspark bis zur Gegenwart. Vor dem Original skizzierte Frank Aulbach, Bezirkskonservator im Landesamt für Denkmalpflege Hessen, die denkmalpflegerische Maßnahme und das Restaurierungskonzept für die jüngst restaurierten Bildwerke aus Natur- und Kunststein. Dr. Philipp Gutbrod, Direktor des Instituts Mathildenhöhe, stellte die kulturellen Einflüsse auf die Gestaltungsideen Hoetgers vor.

Zur Bedeutung des Platanenhains

„Der Platanenhain mit seinem herausragenden Figurenensemble thematisiert  den Kreislauf des Lebens und besticht auf vielfältige Weise durch seine Innovationen: Stilistisch wendet sich Bernhard Hoetger vom Impressionismus ab und schafft vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein frühes expressionistisches Werk. Ikonografisch kombiniert er Motive aus der christlichen Bildtradition mit altägyptischen und hinduistischen und kreiert einen interkulturellen Ort mit universeller Spiritualität. Materialtechnisch experimentiert er mit Natur- und Kunststein“, erläuterte Harzenetter die Bedeutung des Ensembles. Entscheidend aber seien insbesondere die Impulse, die von dem Ensemble ausgehend die Entwicklung hin zur Moderne prägten. Mit über 40 Figuren und Figurengruppen sei der Darmstädter Skulpturenpark das größte in situ erhaltene und zusammenhängende Werk Bernhard Hoetgers. Das einzigartige Ensemble fasziniere durch seinen großen Ideenreichtum und seine stille Atmosphäre.

Historischer Hintergrund

Der Platanenhain auf der Mathildenhöhe Darmstadt ist eines der letzten pflanzlichen Relikte des ehemaligen Landschaftsgartens des frühen 19. Jahrhunderts, aus dem sich die Mathildenhöhe in ihrer heutigen Gestalt entwickelt hat. Großherzog Ernst Ludwig stellte den Landschaftsgarten der Künstlerkolonie Darmstadt als Gelände für ihre Ausstellungen zur Verfügung. 1911 berief der Großherzog den Bildhauer Bernhard Hoetger nach Darmstadt und beauftragte ihn mit der künstlerischen Ausgestaltung des Platanenhains für die Ausstellung der Künstlerkolonie im Jahr 1914.

Die Maßnahme und ihre Finanzierung

In den Jahren von 2011–15 erfolgten Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten an den Bildwerken des Platanenhains. Bei der Finanzierung dieser Maßnahme wurde die Wissenschaftsstadt Darmstadt großzügig durch Spenden aus der Darmstädter Bürgerschaft – Privatpersonen, Vereine, Firmen und Institutionen – und durch finanzielle Mittel der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
Dr. J. Verhoeven, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege

Publikation

LANDESAMT FÜR DENKMALPFLEGE HESSEN (Hrsg.), Bernhard Hoetger auf der Mathildenhöhe Darmstadt – Zur Restaurierung und Konservierung des Gesamtkunstwerks Platanenhain (Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, Bd. 31), Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-8062-3867-9, 19,80 €