Barockes Haus in Heidenrod-Laufenselden für die Zukunft gerüstet

Eigentlich wollte Gerd Rixmann nur seinen Gemüsegarten erweitern. Da aber das angrenzende, 1400m² große, verwilderte Grundstück nur mit marodem Haus und baufälliger Scheune zu haben war, entschloss er sich, aufs Ganze zu gehen – es hat sich gelohnt!

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Blick auf das im Ortskern gelegene Barockhaus in Heidenrod-Laufenselden.
Die Qualität aller verwendeten Baumaterialien und die großzügigen Räume lassen auf einen wohlhabenden Bauherrn schließen.

Komplett sanierungsbedürftig, teilweise baufällig

„Das Wohngebäude ist komplett sanierungsbedürftig, teilweise stark baufällig.“ Mit diesen Worten wurde das Haus seit 2010 auf unserer Homepage in der Rubrik „Verkäufliche Baudenkmäler“ zum Kauf angeboten. „Erschwerend kam das große Bauvolumen, das undichte Dach, der völlig verfallene Anbau und der Sanierungsstau nach 15 Jahren Leerstand hinzu“, erinnert sich Dr. Verena Jakobi, die die Sanierung des barocken Gebäudes in Heidenrod-Laufenselden im Rheingau-Taunus-Kreis begleitet hat.

2013 hat sie Herrn Rixmann bei einem Ortstermin getroffen. „Herr Rixmann hatte von Anfang an die Vision, hier ein Kulturhaus  entstehen zu lassen“, berichtet sie. „Er hat zuerst einmal das Richtige getan und das Dach abdichten lassen. Zeitgleich wurde mit unserer Hilfe eine Bauuntersuchung samt Schadenskartierung und Sanierungskonzept in die Wege geleitet.“ Heraus kam, dass das Gebäude 1733/34 erbaut worden war. „Die großen und hohen Räume mit den breiten Dielen sowie die wertvollen Materialien weisen auf einen wohlhabenden Bauherrn hin“, erläutert Jakobi. Es folgten Jahre der Instandsetzung, die nur erahnen lassen, wie viel Zeit, Geld, Geduld und Vertrauen nötig waren, um alle Unwägbarkeiten und Überraschungen mit vereinten Kräften durch zu stehen. Ein durchdachtes Förderkonstrukt sicherte die Finanzierung der Maßnahme.

Einweihung am 18. Februar 2021

Am 18. Februar 2021 war es dann endlich soweit. Das Haus wurde im Rahmen eines Konzertes im Beisein von Landrat Frank Kilian eingeweiht. Bürgermeister Volker Diefenbach begrüßte die Gäste und dankte Herrn Rixmann für sein Engagement zur Rettung des Hauses. Als Gerd Rixmann das Wort ergriff, berichtete er von der ersten Annäherung an das Haus und dem langsam reifenden Entschluss, sich seiner anzunehmen.

Kultur- und Sozialhaus stärkt regionale Identität

Künftig wird Professor Klaus Werk von der Kulturvereinigung Heidenrod das neue Kulturhaus gemeinsam mit den Mitstreiterinnen und Mitstreitern der Vereinigung beleben. „Alle Beteiligten haben an einem Strang gezogen, um das Projekt eines Kultur- und Sozialhauses gemeinsam zu stemmen. Die Lösung, Räume für die Jugend- und Seniorenarbeit anzumieten und auf diese Weise die dauerhafte Nutzung des Gebäudes zu gewährleisten, ist perfekt!“, freute sich Jakobi. Nicht nur habe das Haus einen idealen Retter gefunden, „auch für den Ort ist diese Sanierung als großer Glücksfall zu bewerten, weil es eben komplett der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird. Die großen Räume bieten sich für Konzerte, Lesungen und andere kulturellen Veranstaltung geradezu an.“ Auch seine Lage im Ortskern unweit des Rathauses sei ein wichtiger Baustein für die Revitalisierung des Ortskerns und die Stärkung der regionalen Identität (s. Video im Download-Bereich).

Im Anschluss erläuterte Stephan Dreier, Architekt, Interessierten die Maßnahme unmittelbar vor Ort.

Dr. Katrin Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
05.03.2021