Ausgegrabene und vergessene Kunstschätze aus der Frankfurter St. Leonhardkirche

Die Präsentation der aktuell restaurierten polychrom gefassten Marienfigur aus St. Leonhard im Frankfurter Dommuseum ist ein gemeinsames Ausstellungsprojekt vom Denkmalamt der Stadt Frankfurt, dem Amt für Bau und Immobilien der Stadt Frankfurt, dem Archäologischen Museum Frankfurt, dem Bistum Limburg, dem Dommuseum Frankfurt und dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen.

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Restaurierte Marienfigur
Die polychrom gefasste Marienfigur ist das erste restaurierte Stück der Grabungsfunde des gotischen Heilig-Grab-Altars aus der St. Leonhard-Kirche Frankfurt, welches der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Sie soll als „Appetitmacher“ für die im nächsten Jahr stattfindende Ausstellung „Schätze aus dem Schutt. 800 Jahre St. Leonhard" dienen. Die Figur ist ein herausragendes Fundstück aus der archäologischen Grabung in St. Leonhard, die zwischen den Jahren 2009-2014 durchgeführt wurde.

„Es ist eine große Freude, dass die Marienfigur als allererstes restauriertes Stück der Grabungsfunde des Heilig-Grab-Altars nun der Öffentlichkeit präsentiert werden kann“, freut sich Dipl. Rest. Christine Kenner vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen.

Rückblick Präsentation

Die Präsentation am 15.08.18 stieß nicht nur beim Fachpublikum und der Presse auf großes Interesse, auch waren viele Bürger Frankfurts vor Ort, sodass es im Quadrum und Kreuzgang des Frankfurter Doms erstaunlich eng und belebt wurde. Durch verschiedene Redner aus den beteiligten Institutionen wurde den Besuchern am Abend aus unterschiedlichen Perspektiven die spannende Geschichte dieser zierlichen Figur nähergebracht. Sie war einst eine Marienfigur des Heilig-Grab-Altars, einem zerstörten Ausstattungsstück von 1472, von dessen Existenz man vor der Grabung nur aufgrund eines kolorierten Stichs von Johann Ludwig Morgenstern aus dem 18. Jhd. wusste. Nach dem Abbruch des Altars und der Umgestaltung der Kirche wanderte die Figur in eine Mauer der äußeren Sakristei, dem sog. Brommenchörlein, und diente dort als Mauerstein. Im Jahre 2011 wurde sie dort von Archäologen gefunden und sorgsam aus dem Verbund befreit. Da der Mörtel zu erheblichen Schäden vor allem an der polychromen, gotischen Fassung geführt hatte, wurde sie in aufwändiger Arbeit und unter höchster Präzision von Dipl. Restauratorin Birgit Schwieder mit ihrer Kollegin Lilian Pauli und intensiver Betreuung des Referatsbereiches Restaurierung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen restauriert. 

Die Finanzierung der Restaurierung wurde durch den Verein Freunde Frankfurts getragen, was deutlich macht wie wichtig Frankfurts Bürgern ihr Kulturerbe und im Speziellen die Kirche St. Leonhard ist. Die Bürger pflegen damit eine jahrhundertealte Tradition, was manchem gar nicht bewusst gewesen sein mag, jedoch war der einst königliche Baugrund auf dem St. Leonhard errichtet wurde am 15.08.1219 ein Geschenk von Kaiser Friedrich II. an die Bürger Frankfurts, die dann für die Finanzierung von Bau und Ausstattung der Kirche selbst verantwortlich waren.

Die Grabungen fördern außergewöhnliche Kunstobjekte zutage

Seit nunmehr fast 10 Jahren ist die Kirche St. Leonhard wegen Innensanierungsmaßnahmen geschlossen. Zu Beginn der Sanierungsarbeiten war das Fußbodenniveau 2,20 m höher als noch bei der ersten romanischen Kirche. Um es anzuheben, wurde sehr viel Füllmaterial benötigt, welches sich nun als Fundgrube für die Archäologen herausstellte, da dort außergewöhnliche Kunstobjekte zutage gefördert werden konnten. Dazu zählt die Figur eines Atzmanns aus dem 15. Jhd., von denen es nur wenige aus gotischer Zeit in Deutschland gibt. Ein Atzmann ist eine liturgische Figur, die meist lebensgroß ist und eine Pultplatte hält. Daneben wurden eine große Anzahl von Grabplatten, weitere Fragmente des steinernen Heilig-Grab-Altars von 1472, Tonscherben einer Beweinungsgruppe von 1430, bemalte Wandputzfragmente von mittelalterlichen Wandmalereien sowie Glasscherben, Tonscherben, Knochen, Muscheln und Münzen gefunden.

Die geplante Ausstellung zum 800jährigen Jubiläum

Die restaurierte Marienfigur kann während der normalen Öffnungszeiten im Frankfurter Dommuseum besucht werden und soll Vorfreude auf die Eröffnung der Ausstellung über St. Leonhard am 15. August 2019 machen. Die Ausstellung findet anlässlich des 800jährigen Jubiläums der Kirche statt und endet am 19. Januar 2020. Momentan sind die Arbeiten zur Planung und Realisierung der Ausstellung in vollem Gange. Ziel der Ausstellung ist es, die ausgegrabenen, verlorenen Kunstschätze der ehemaligen, gotischen Ausstattung der Kirche erstmals der Öffentlichkeit zu präsentieren. Einige der Funde sind von überregionaler Bedeutung.

Als Besonderheit der Ausstellung wird es eine Abteilung zum Thema Restaurierungstechniken geben, in der die Konservierung und Restaurierung einzelner Objekte erläutert und die komplexen mittelalterlichen Herstellungstechniken der bedeutenden Kunstwerke auch anhand eines Kurzfilms veranschaulicht werden. Intensiv an der Ausstellungskonzeption beteiligt sind Dipl. Rest. Christine Kenner und M.A. Rest. Manuela Thews vom Referatsbereich Restaurierung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Den Besuchern soll die Möglichkeit geboten werden, die Kunstwerke aus anderer Sicht zu sehen und so umfassend kennenzulernen. Denn bereits dem Frankfurter Johann Wolfgang v. Goethe war bewusst, dass sich dahinter mehr verbirgt: „Einer Einsicht folgend, dass man Natur und Kunstwerke nicht kennenlerne, wenn sie fertig seien, dass man sie vielmehr im Entstehen erhaschen müsse, um sie zu verstehen.“

Einige der Ausstellungsobjekte sollen langfristig, nach Abschluss der Ausstellung, wieder an ihren ursprünglichen Platz in die Kirche kommen, deren langerwartete Wiedereröffnung nächstes Jahr stattfinden soll.

M. Thews M.A., Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege