Auf den Spuren der Hugenotten in Hessen – Kalender 2018

Zum Europäischen Kulturerbejahr 2018, das am 8. Januar feierlich eröffnet wurde, blickt das Landesamt für Denkmalpflege Hessen besonders auf die Bauten der Hugenotten und Waldenser in Hessen. Auch der Kalender für das Jahr 2018 folgt den baulichen Spuren, die bis heute die wechselvolle Geschichte der Glaubensflüchtlinge in der neuen Heimat Hessen dokumentieren.

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Offenbach, Französisch-Reformierte Kirche
Die Französisch-Reformierte Kirche in Offenbach im heutigen Stadtbild

Auf den Spuren der Hugenotten in Hessen – Kalender 2018
Am 8. Januar wurde in Hamburg das Europäische Kulturerbejahr 2018 (European Heritage Year – kurz: ECHY) feierlich eröffnet. Unter dem Motto „Sharing Heritage“ soll das gemeinsame kulturelle Erbe Europas in der Breite der Gesellschaft erlebbar gemacht werden. Besonders Kinder und Jugendliche sollen für die gemeinsamen europäischen Wurzeln und deren Spuren vor Ort sensibilisiert werden. In Anknüpfung an das Europäische Denkmalschutzjahr 1975 liegt der Schwerpunkt in Deutschland auf dem baulichen und archäologischen Erbe. Das in Deutschland federführende Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) hat alle Bürgerinnen und Bürger und alle öffentlichen und privaten Träger, Bewahrer und Vermittler von Kulturerbe dazu aufgerufen hat, sich mit Aktivitäten zu beteiligen.

Projekt zu Hugenotten und Waldensern in Hessen
Die Abteilung Bau- und Kunstdenkmalpflege des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen folgt dem Aufruf des DNK und beteiligt sich mit dem Projekt „Je trouve ici mon asile -Ich finde hier meine Zuflucht. Bauten der Hugenotten und Waldenser in Hessen“. Mit dem Fokus auf das in Hessen noch vielerorts erhaltene baukulturelle Erbe der Hugenotten und Waldenser orientiert sich das Projekt an dem ECHY-Leitthema „Europa: Austausch und Bewegung“. An ausgewählten Kernorten mit besonders zahlreichen baulichen Spuren der Hugenotten und Waldenser nimmt das Landesamt für Denkmalpflege gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen die erhaltene Bausubstanz unter die Lupe. Neben dem Erforschen der eigenen (Orts-)Geschichte bekommen die Kinder und Jugendlichen dadurch auch einen Einblick in die Arbeit der Denkmalpflege. Zudem initiiert das Landesamt für Denkmalpflege im Jahr 2018 drei Wanderungen zu wichtigen Hugenotten- und Waldenserorten, bei denen nicht nur die räumlichen Zusammenhänge der Ansiedlungen erfahren, sondern auch die Bauten vor Ort kennen gelernt werden können. Eine Publikation zu den Bauten der Hugenotten und Waldenser in Hessen wird das Jahr abschließen.

Kalender 2018
Den baulichen Spuren der Hugenotten und Waldenser in Hessen folgt das Landesamt für Denkmalpflege schließlich auch mit seinem Kalender für das Jahr 2018. Die Fotos zeigen erhaltene Bauten wie das Rathaus von Bad Karlshafen oder eine kleine Fachwerkkirche in Schöneberg, aber auch Ausschnitte wie ein kunstvoll geschnitztes Portal oder die Inschrift eines Denkmals für Friedrich II. von Hessen-Homburg, die besagt: „Lieber will ich mein Silbergeraete verkaufen, als diesen armen Leuten die Aufnahme versagen“. Monat für Monat wird deutlich, wie vielfältig das hugenottische Erbe in Hessen ist. In den kommenden Monaten werden die Kalendermotive auf unserer Homepage vorgestellt und mit aktuellen Informationen zum Projekt verknüpft.

Titelblatt: Die Französisch-Reformierte Kirche in Offenbach
Die Französisch-Reformierte Kirche im Herzen von Offenbach dokumentiert beispielhaft, welchen Veränderungen das hugenottische Erbe im Laufe der Jahrhunderte unterworfen war. Auf Betreiben von Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach wurde seit 1698 eine westliche Stadterweiterung Offenbachs für französische Glaubensflüchtlinge vorgenommen. Vergleichsweise spät, 1717-18, erhielt die Französisch-Reformierte Gemeinde eine eigene Kirche. Sie hatte ursprünglich die Form einer „Kaffeemühle“, eines quadratischen Unterbaus mit mittigem Dachreiter. Diese erste Kirche war äußerst schlicht und ohne besondere Fassadenausbildung. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dieser schlichte Zweckbau als traurig und trostlos empfunden. 1874-75 erfolgte daher eine Neugestaltung und die Kirche erhielt eine repräsentative, historisierende Schaufassade mit Glockenturm. Zu ihrer Entstehungszeit integrierte sich die Kirche noch bruchlos in die umliegende Bebauung. Seit dem Zweiten Weltkrieg und der folgenden Stadterneuerung steht die kleine Kirche frei zwischen den Bürogebäuden der Innenstadt. 

Dr. des. H. Dornieden, Volontärin, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege