„Kümmert euch um eure Denkmäler, und ihr werdet nicht nötig haben, sie wiederherzustellen.“

Wir berichten über Methoden des bewahrenden und beobachtenden Pflegens von Kulturdenkmälern am Beispiel von aktuellen Sanierungen und Pflegekonzepten. Lesen Sie hier den Bericht über das Vierte Hessische Denkmalgespräch, das im Oktober 2017 im Freilichtmuseum Hessenpark stattfand.

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'Dem Schmerzensmann bleibt nichts erspart, aber Osterputz muß sein', Süddeutschland, 1939

Experten aus den Bereichen Denkmalpflege und Altbausanierung bezeichneten die angemessene Nutzung und eine kontinuierliche, behutsame Beobachtung, Pflege und Wartung als beste Voraussetzung für die dauerhafte Erhaltung von Kulturdenkmälern und Altbauten.

Behutsame Maßnahmen durch ein Höchstmaß an Fachkompetenz
„Kümmert euch um eure Denkmäler, und ihr werdet nicht nötig haben, sie wiederherzustellen. …“ zitierte Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen den britischen Schriftsteller, Maler und Kunsthistoriker John Ruskin (1819-1900). Dem grundsätzlich nicht aufhaltbaren Verschleiß und Verfall des Materials durch Umwelteinflüsse oder schädliche Nutzungen müsse durch behutsame Maßnahmen rechtzeitig entgegengearbeitet werden. Bei gewissenhafter Vorsorge und Wartung genüge oft ein Minimum an Maßnahmen, um den Denkmalbestand zu erhalten. Die Frage „Wer pflegt das Denkmal?“ im Titel der Veranstalter ziele insbesondere auf die Tatsache, dass die Pflege und Wartung eines Denkmals immer vom Einzelfall ausgehe. Nicht nur jede denkmalgerechte Sanierung, sondern auch die kontinuierliche Pflege und Wartung erfordere von Eigentümern, Architekten, Denkmalpflegern, Statikern und Handwerkern ein hohes Maß an Fachkompetenz, Kommunikationsbereitschaft und fachübergreifender Zusammenarbeit.

Einheitliche Standards gefordert
Als Kompetenzzentrum für Fachwerksanierung und nachhaltige Baustoffe wolle das Freilichtmuseum Hessenpark mit dieser Veranstaltung dazu beitragen, einheitliche Standards in der kontinuierlichen Bauwerkserhaltung zu etabliere, sagte Museumsleiter Jens Scheller. Angesichts der Vielfalt der Materialien und sich ändernder klimatischer Voraussetzungen sei die Bauwerkserhaltung ein immer wichtiger werdendes Thema.

Der Monumentendienst in Niedersachsen
Kerstin Stölten vom Monumentendienst Niedersachsen stellte die Struktur und Arbeitsweise des Monumentendienstes in Niedersachsen vor. Ziel sei es, den Bestand an historischen Gebäuden im gesamten Weser-Ems-Gebiet mit Hilfe von vorsorglichen Pflege- und Wartungskonzepten und zu erhalten. Wesentlich sei dabei die Beratung durch ausgewiesene Experten, nicht nur im Denkmalbereich. Jeder, der sich über die fach- und materialgerechte Sanierung seines Gebäudes informieren lassen wolle, könne die Leistungen des Monumentendienstes nutzen. Schon seit vielen Jahren arbeite der Monumentendienst mit dem Landesamt für Denkmalpflege in Niedersachsen zusammen. Leider sei dieses Konzept bundesweit bislang einzigartig. 

Pflege und Wartung im Schloss Wächtersbach
Bei der Sanierung von Schloss Wächtersbach im Main-Kinzig-Kreis habe sich ein in einer Cloud hinterlegtes Raumbuch bewährt, auf das alle am Projekt Beteiligten schnell und unkompliziert zugreifen könnten, berichtete Dr. Katharina Benak, Bezirkskonservatorin im Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Das Raumbuch umfasse Archivrecherchen, bauhistorische Untersuchungen und archäologische Stellungnahmen. Darüber hinaus halte es alle Informationen, die der Eigentümer zu einer regelmäßigen Wartung benötige, vor. Über Konzepte zur Erfassung und fachgerechten Beseitigung von Schäden, insbesondere des Holzschwamms am Schloss Wächtersbach, sprach Dipl. Holzingenieur Michael Bädje vom Büro Inres Altbau- und Denkmalservice GbR.

Pflege und Wartung am Herkulesmonument in Kassel
Dr. Micha Röhring von der Museumslandschaft Hessen-Kassel erläuterte die kunsthistorische Bedeutung des Herkules-Monumentes in Kassel. Über Maßnahmen zur Sicherung des Monumentes, das das schon seit seiner Entstehungszeit instabil sei und nun abzurutschen drohe, berichtete Dr.-Ing. Ulrich Huster, HAZ Beratende Ingenieure für das Bauwesen GmbH. Auch mit Drohnen habe man im Bereich der Bauwerksunterhaltung gute Erfahrungen gemacht.

Monitoring im Bereich des Natursteins trage vor allem Verwitterungsprozessen Rechnung und umfasse auch die Bewertung von Erhaltungsmaßnahmen, sagte Dr. Michael Auras vom Institut für Steinkonservierung in Mainz. Selbstverständlich integriere sich das Monitoring der Natursteinelemente in die Beobachtung des gesamten Objektes. Oft ließen sich mit einfachen Untersuchungsmethoden und kleine Eingriffe in die originale Bausubstanz die Intervalle von Generalsanierungen erheblich reduzieren.

Pflege und Wartung aus der Sicht des Denkmaleigentümers
Am Beispiel zweier Gebäude in Niederbrechen, deren Sanierung zehn und zwanzig Jahre zurück lägen, berichtete Stefan Dreier, Architekt und Denkmaleigentümer über seine Erfahrungen bei der Pflege und Erhaltung im Bereich der Fenster, des Umgangs mit Leinölfarben und Maßnahmen zum Schutz der Fassade.

Unseren Kindern echte Dokumente hinterlassen
„Wir können es nicht zulassen, unseren Kindern und Enkeln ein Land zu hinterlassen, das von echten Dokumenten gelebter Geschichte leichtfertig oder vorsätzlich bereinigt wurde. Die Erhaltung der Denkmale muss jedoch nicht nur aus Rücksicht auf unsere kulturelle Kontinuität erfolgen, sondern ebenso aus ökologischer Vernunft und Einsicht in die Endlichkeit unserer materiellen Reserven,“ sagte sagte Karl-Eberhard Feußner, Leiter der DenkmalAkademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz abschließend.

Pflege und Wartung als Bestandteil der Fortbildung
Verantwortliche Handwerker und Planer/innen sorgten bereits bei der Instandsetzung mit einem Pflegekonzept für den Bauherrn vor, resümierte Dieter Gärtner, Geschäftsführer der Propstei Johannesberg gGmbH Fortbildung in Denkmalpflege und Altbauerneuerung. Die Entwicklung von Pflegekonzepten müsse auch in Zukunft ein wichtiger Bestandteil der Fortbildung von Handwerkern, Planer/innen und Architekten/innen im Bereich der Denkmalpflege und Altbauerneuerung sein.

Veranstaltet werden die Denkmalgespräche von Vertretern der Propstei Johannesberg in Fulda, der Denkmalakademie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen und des Freilichtmuseums Hessenpark. Die Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten aus dem Bereich der Denkmalpflege und der Altbausanierung.

Dr. K. Bek, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege

Die nächste Veranstaltung findet am 19.10. 2018 statt.