„Ewigkeitsbaustelle“ in Grebenstein feierte Einweihung

Die vielversprechende Sanierung eines Fachwerkhauses im Ortskern von Grebenstein war fast zwei Jahrzehnte lang das Sorgenkind der Gemeinde. Jetzt feiert ganz Grebenstein endlich die Einweihung.

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Sanierte Aufenthaltsräume im Haupthaus.
Trotz der umfangreichen Eingriffe im Innenraum zeugen Elemente wie Lehmstuckdecken, Wandneigungen und der Dachstuhl noch immer vom historischen Charakter des aus dem 17. Jahrhundert stammenden, stadtbildprägenden Bauwerks.

Nach fast 20 Jahren konnte am 10. September 2021 das unter Grebensteiner Bürgerinnen und Bürgern schon als „Ewigkeitsbaustelle“ bekannte Kulturdenkmal an der Marktstraße 28 wiedereröffnet werden. Unter neuer Nutzung gelingt es auf vorbildliche Art und Weise, Denkmalpflege und Altenpflege in Einklang zu bringen. Die moderne Pflegeeinrichtung soll vor allem Bürgerinnen und Bürgern aus Grebenstein zugutekommen und ihnen eine komfortable Heimat bieten.

Erst vor Kurzem errichtete die Immenhäuser Philippstiftung eine Einrichtung für betreutes Wohnen in unmittelbarer Nähe der Marktstraße 28. Nun setzte sie sich als Eigentümerin auch des Fachwerkhauses in der Marktstraße 28 erneut für die Weiternutzung eines Kulturdenkmals für ein Wohnprojekt zu medizinischen Zwecken ein.

Doch schon bei Beginn der Sanierung 2002 wurde klar, dass weitaus umfangreichere Arbeiten nötig sein würden, als ursprünglich geplant waren. Das verwinkelte Altbaugefüge erschwerte die Raumplanung und auch die Gebäudestatik erforderte eine präzise Prüfung und eine maßgeschneiderte Lösung, denn das Gebäude drohte nach der Sanierung 10 cm abzusacken. Nach mehrfachen Umplanungen und variierenden Nutzungsideen verzögerte sich das Bauprojekt im Zentrum der Ortschaft immer wieder.

Schließlich sorgten ein integriertes Stahlgerüst, ein Anbau im rückwärtigen Raum, sowie der Einbau eines Fahrstuhls für eine sichere, barrierefreie und zukunftsfähige Fortnutzung des Baudenkmals. In dem dreistöckigen Fachwerkhaus befinden sich nun sechs Patientenzimmer zur Intensivpflege, eine Tagespflege, sowie Therapie- und Personalräume im Dachgeschoss.

Trotz der umfangreichen Eingriffe im Innenraum zeugen Elemente wie Lehmstuckdecken, Wandneigungen und der Dachstuhl noch immer vom historischen Charakter des aus dem 17. Jahrhundert stammenden, stadtbildprägenden Bauwerks. Eine bauhistorische Untersuchung, die zu Beginn der Sanierung vorgenommen worden war, datierte Teile des hinteren Steinhauses sogar bis zurück ins Mittelalter.

Somit spiegeln sich an diesem Objekt wichtige Zeitschichten der Ortsgeschichte Grebensteins wieder, die das gesamte Stadtbild bis heute prägt. Durch seine grundlegende Instandsetzung und seine aus den Erfordernissen des Ortes heraus entwickelte Nutzung kann man davon ausgehen, dass das Gebäude auch noch weitere Zeitschichten der Geschichte Grebensteins überdauern wird und vielleicht sogar Andere zum Nachahmen animiert.

Roberto Ferrara, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, Bau- und Kunstdenkmalpflege
11.01.2022