Öffentlichen Auftaktveranstaltung in der Elisabethkirche in Marburg

Ziel der öffentlichen Auftaktveranstaltung mit vorgeschaltetem Pressetermin am 26. November 2021 war es, alle Interessierten über die Arbeiten am Kircheninnenraum der Elisabethkirche in Marburg zu informieren.

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Foto Blick in den derzeit eingerüsteten Chor der Elisabethkirche in Marburg
Impressionen aus dem derzeit schon eingerüsteten Chorraum.

Der Chorraum der Elisabethkirche ist bereits komplett eingerüstet, eine Fototapete trennt ihn vom Mittelschiff. Auf den ersten Blick erkennt man nicht, dass die Arbeiten am Kircheninnenraum schon begonnen haben.

Die Elisabethkirche als Wissensspeicher

Pfarrer Ralf Hartmann, Vorstandsvorsitzender des Gesamtverbandes der Evangelischen Kirchen in Marburg sagte in seiner Begrüßung, die Elisabethkirche sei in vielfacher Hinsicht ein komprimierter Wissensspeicher. Die theologischen, politischen, architektonischen, handwerklichen und kulturellen Erfahrungen und das Wissen, das in dem 800 Jahre alten Kirchengebäude enthalten sei, ließe sich durch nichts ersetzen. Eine derartig hochrangige Maßnahme könne nur gemeinsam und unter Einbeziehung der Öffentlichkeit gelingen.

Eine Sache des Aushandelns

„Bei der Frage der architektonischen Gestaltung einer Kirche spielen theologische, ästhetische und weltanschauliche Perspektiven eine Rolle. Die Balance zwischen all diesen Aspekten ist eine bleibende Aufgabe, die - das zeigt die Geschichte der Elisabethkirche in Marburg - faktisch von Generation zu Generation neu ausgehandelt werden muss“, sagte Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen und Waldeck einleitend. Die Bischöfin ergänzte, die Elisabethkirche sei ein Kulturgut ersten Ranges. Bei aller Größe sei sie ein kleines Zeichen für ein viel Größeres und vermittele eine Ahnung, was die Menschen seit 800 Jahren an diesem Ort gesucht und immer wieder auch gefunden hätten: Trost, Zuflucht, Ermutigung, Bestärkung, heilsame Begegnungen.

In 800 Jahren nur vier Fassungen

„Wir haben uns für die Rekonstruktion der bauzeitlichen Raumfassung entschieden, deren rosa Grundton mit weißem Fugennetz die Kirche sehr viel heller erscheinen lassen wird“, sagte Prof. Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Die bauzeitliche Fassung sei die einzige von insgesamt nur vier Fassungen, die der Kirchenraum seit seiner Entstehung erfahren habe, von der noch Befunde gesichert werden konnten. Alle anderen Fassungen seien 1930 zugunsten des Ideals der Steinsichtigkeit innerhalb weniger Wochen abgetragen worden. Erleichtert worden sei die Entscheidung durch die noch erhaltenen gotischen Ausstattungsstücke und die mittelalterlichen Glasfenster: „Es ist ein besonderer Glücksfall, dass das Zusammenwirken von Raum und Ausstattung wie vor 800 Jahren wieder möglich sein wird.“

Zum Verlauf der Sanierung

"Die Landgrafengräber, Epitaphe, Flügelaltäre, der Hochaltar und das Mausoleum wurden mit einer Holzkonstruktion eingehaust und teilweise mit sogenannten Datenloggern ausgestattet, um die aktuellen Klimawerte zu dokumentieren“, erläuterte Thomas Platte, Direktor des Landesbetriebs Bau- und Immobilien in Hessen (LBIH). Um keine Halterungen an den Wänden befestigen zu müssen, sei es nötig gewesen, aufwändige, freistehende Raumgerüste mit einer Arbeitshöhe von 16,5 Metern zu errichten.
In den nächsten Wochen würden im Chor insgesamt 42 wertvolle Maßwerkfenster mit insgesamt 840 Einzelscheiben von Hand ausgebaut, gereinigt und konserviert. Erst danach könnten die eigentlichen Restaurierungsarbeiten beginnen. „Insgesamt werden ca. 8.300 Quadratmeter Wand- und Gewölbeflächen gereinigt, konserviert und entsprechend der Befundergebnissen aus der Erbauungszeit neu gefasst."

Die Kosten übernimmt das Land Hessen

Dr. Georg Manten vom Hessischen Kultusministerium erläuterte abschließend, auf der Basis des Staatskirchenvertrages von 1960 gelte, dass das Land Hessen für die bauliche Unterhaltung der Elisabethkirche zuständig sei, obwohl sich die Kirche im Besitz des Gesamtverbandes der Evangelischen Kirchengemeinden in Marburg befände. „Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass es sich um ein Baudenkmal allerhöchsten Ranges und um einen in Geschichte und Gegenwart bedeutsamen Ort des kirchlichen und kulturellen Lebens in Hessen handelt.“

Der Kirchenraum wird weiter genutzt

Nach der Instandsetzung des Chorraumes folgen im zweiten Bauabschnitt, also nach etwa anderthalb Jahren, das Hauptschiff und die Seitenschiffe. Während der gesamten Dauer der Maßnahme wird der Kirchenraum weiter genutzt. Die Kosten für die Sanierung in Höhe von 6,7 Millionen Euro trägt das Land Hessen.

Führungen sind möglich

Besucherinnen und Besucher können sich anhand von Musterflächen schon jetzt ein Bild von der ursprünglichen Farbigkeit des Kircheninnenraumes machen und sich im Rahmen von Kirchenführungen über die Maßnahme informieren.
Kontakt: Küsterstube der Elisabethkirche,
Tel. 06421/65573 oder Internetseite: www.elisabethkirche.de