Fossilien

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Fossil des Messel-Primaten Darwinius masillae aus dem Paläontologischen Bodendenkmal und UNESCO-Weltnaturerbe „Grube Messel“ (Messel, LK Darmstadt-Dieburg)
Fossil des Messel-Primaten Darwinius masillae aus dem Paläontologischen Bodendenkmal und UNESCO-Weltnaturerbe „Grube Messel“ (Messel, LK Darmstadt-Dieburg)

Die Fossilfunde aus der Grube Messel sind sehr umfangreich und umfassen neben Pflanzen auch Wirbellose und Wirbeltiere. Allein an Pflanzen, die als Mikro- und Makrofossilien vorliegen, sind mehr als 75 Familien mit über 200 Arten bekannt. Unter den Wirbeltieren konnten bisher gut 130 Taxa nachgewiesen werden, darunter über 40 Arten aus mehr als 30 Gattungen allein der Säugetiere. Zahlreiche Taxa erhielten mit Fossilmaterial aus Messel ihre Erstbeschreibung (stratum typicum, locus typicus).
Der Erhaltungszustand der im Ölschiefer eingebetteten Fossilien ist exzellent: bei Wirbeltieren sind gelegentlich Mageninhalt oder Details der Weichteile mit überliefert, bei Insekten die Aderung der Flügel oder die ursprüngliche Färbung des Chitinpanzers. Solche Informationen gehen bei der Fossilisierung zumeist verloren.
Bei den Fossilien aus der Grube Messel gibt es ein Konservierungsproblem: Das tragende Material, der Schwarzpelit („Ölschiefer“), enthält etwa 40 Prozent Wasser. Trocknet er aus, dann reißt er und zerfällt in kleine Blättchen. Erst seit Anfang der 1960er-Jahre ist es möglich, die Fossilien auf Kunstharz (Epoxidharz oder Polyesterharz) umzubetten und damit zu konservieren.

Funde

Wirbellose

Obwohl Messel früher ein See war, werden kaum wasserbewohnende Wirbellose gefunden. Süßwassergarnelen, Schnecken, wie die Sumpfdeckelschnecke Viviparus und Kolbenwasserkäfer finden sich nur in bestimmten Schichten. Wesentlich häufiger sind landlebende Insekten. Mistkäfer, Prachtkäfer und Rüsselkäfer dominieren. Bei einigen Exemplaren sind sogar noch Farbreste vorhanden. Weitere Insekten sind durch Vertreter der Blattschneiderbienen, große Vertreter der Laubheuschrecken und durch Singzikaden repräsentiert. Ein besonderer Fund ist ein Wandelndes Blatt der Gattung Eophyllium, das seinen heutigen Verwandten schon sehr ähnelte. Fluginsekten sind unter anderem mit Zweiflüglern aus der Familie der Nemestrinidae und Hautflügler überliefert. Zu letzterer gehören die Echten Bienen, die in Messel mit Pygomelissa und Protobombus nachgewiesen wurden. Ameisen sind hauptsächlich durch Königinnen und flugfähige Männchen vertreten. Unter ihnen fand man Weberameisen sowie die größte Ameisenart überhaupt: Die Königinnen der Art Titanomyrma gigantea, mit Flügelspannweiten von bis zu 16 cm.

Fische

Die häufigsten Fischarten in Messel sind ursprüngliche Strahlenflosser, von denen drei Arten in Messel entdeckt wurden: Der Schlammfisch Cyclurus kehreri und die Knochenhechte Masillosteus kelleri sowie Atractosteus kinkelini. Seltener sind moderne Strahlenflosser, wie der Lachsartige Thaumaturus intermedius, der Aal Anguilla ignota und die drei Barschartigen Amphiperca multiformis, Palaeoperca proxima und Rhenanoperca minuta.

Amphibien

Neben dem terrestrischen Krötenfrosch Eopelobates wagneri, wurden in Messel Vertreter aus der ausgestorbenen Familie Palaeobatrachidae und der Salamander Chelotriton robustus entdeckt.

Reptilien

Die Schildkröten werden in Messel durch die Sumpfschildkröten Francellia messeliana und Euroemys kehreri, Allaeochelys crassesculptata, die Weichschildkröte Trionyx messelianus und die Halswender-Schildkröte Neochelys franzeni vertreten.

Die Krokodilartigen sind sowohl durch eher ursprüngliche wenngleich relativ spezialisierte Formen als auch durch modernere Formen repräsentiert. Zu erstgenannten zählen Pristichampsus rollinatii und Bergisuchus dietrichbergi, die höchstwahrscheinlich reine Landbewohner waren. Hingegen lebten die mit den Alligatoren und Kaimanen verwandten Diplocynodontinen Diplocynodon darwini und Baryphracta deponiae, die Alligatoren Hassiacosuchus haupti und Allognathosuchus gracilis sowie das mit den echten Krokodilen verwandte „Asiatosuchus“ germanicus hauptsächlich im Wasser.

Die Schlangen gehören alle zu den als eher „primitiv” geltenden Rollschlangen und Boas. Die Boas sind unter anderem vertreten durch Sandboas sowie die bis zu zwei Meter lange Palaeopython fischeri und die kleineren Arten Messelophis variatus sowie M. ermannorum. Ein Vertreter der Krustenechsen und Cryptolacerta, ein enger Verwandter der Doppelschleichen, konnten neben der gepanzerten Echse Placosauriops abderhaldeni, der Schleiche Ophisauriscus quadrupes, der unbeschuppten, langschwänzigen Echsenart Eolacerta robusta, der Großkopfechse Ornathocephalus metzleri, dem Leguan Geiseltaliellus maarius, einer Skinkart und dem Waran „Saniwa” feisti nachgewiesen werden.

Vögel

Zu den bodenbewohnenden Vögeln in Messel gehörten der Laufvogel Palaeotis weigelti, der Hühnervogel Paraortygoides messelensis, der zwei Meter hohe Gänseverwandte Gastornis cf. geiselensis, die „Messel-Ralle” Messelornis cristata, die Seriemaverwandten Idiornis, Strigogyps und Salmila robusta. Wasservögel sind selten. Beschrieben wurden bisher nur ein Verwandter der Flamingos und Lappentaucher, Juncitarsus merkeli, der Ibis Rhynchaeites messelensis und der Pelikan Masillastega recutirostris.

Baumbrüter waren unter anderem der Tagschläfer Paraprefica kelleri, der „Messel-Hopf” Messelirrisor, der Spechtartige Vogel Primozygodactylus, die Segler Parargornis messelensis und Scaniacypselus szarskii, die Papageien Pseudasturides macrocephalus, Serudaptes pohli und Psittacopes lepidus, die Racke Eocoracias brachyptera, der Greifvogel Messelastur gratulator, der Eisvogelartige Quasisyndactylus longibrachis, die Kuckucksralle Plesiocathartes kelleri, der Schwalmvogel Hassiavis laticauda, verschiedene Eulenarten, Mausvögel sowie Eurofluvioviridavis.

Säugetiere

Die in Messel bisher gefundenen Beuteltiere umfassen die Gattungen Mimoperadectes, Amphiperatherium, Peratherium und Peradectes. Sie sind entfernte Verwandte der heutigen in Amerika lebenden baumbewohnenden Beutelratten.

Der überwiegende Anteil gehört zu den höheren Säugetieren. Insektenfresser sind durch die Igelverwandten Pholidocercus, Macrocranion und das auf zwei Beinen springende Leptictidium vertreten. Zu den Nagetieren gehören der ein Meter lange Ailuravus, die „Messelmäuse” Masillamys und Hartenbergeromys sowie der Bilch Eogliravus. Auf Bäumen lebten das urtümliche, an heutige Insektenfresser erinnernde Kopidodon, der Apatemyide Heterohyus, ein dem Fingertier ähnelndes Säugetier, und die Schuppentiere Eomanis und Eurotamandua. Überwiegend nur fragmentarisch überliefert sind die Lemuren, unter anderem mit mehreren Arten von Europolemur. Allerdings liegt von Darwinius auch eines der vollständigsten Skelette überhaupt vor, das unter dem Spitznamen „Ida” weltbekannt wurde. Wie ein Fischotter dagegen lebte Buxolestes, ein Vertreter der Pantolestidae.

Raubsäuger sind selten in Messel. Bislang wurden nur drei Gattungen entdeckt. Lesmesodon gehört zu den sogenannten Schein- oder Urraubtieren (Creodonta), während Paroodectes und Messelogale zu den modernen Raubtieren (Carnivora) gestellt werden. Eine beachtlich hohe Vielfalt zeigen die Fledermäuse, die wenigstens drei unterschiedlichen Familien angehören. Bedeutend und am häufigsten sind dabei die Vertreter der Gattung Palaeochiropteryx, die spezialisierte Insektenfresser waren. Seltener treten dagegen Tachypteron oder Hassianaycteris auf.

Von den pflanzenfressenden Unpaarhufern wurden in Messel schon fünf Gattungen beschrieben. Der mit einem vollständigen Skelett überlieferte Tapirverwandte Hyrachyus ist das größte bekannte Säugetier in Messel. Er teilte seinen Lebensraum mit den Urpferden Hallensia, Propalaeotherium und Eurohippus. Die beiden letztgenannten Gattungen stellen jeweils mehrere Arten und umfassen zusammen über 70 Skelette. Lophiodon, ein entfernterer Verwandter der Tapire, ist durch das Skelett eines Jungtieres vertreten. Paarhufer sind im Gegensatz zu Unpaarhufern seltener in Messel, kommen aber mit mindestens vier Gattungen vor: Messelobunodon, Aumelasia, Masillabune und Eurodexis.