Archäologische Restaurierung - Die Wiedergewinnung der Objekte

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Röntgenaufnahme einer prunkvollen Gürtelschließe aus einem Frauengrab des frühmittelalterlichen Gräberfeldes von Wölfersheim-Berstadt.
Röntgenaufnahme einer prunkvollen Gürtelschließe aus einem Frauengrab des frühmittelalterlichen Gräberfeldes von Wölfersheim-Berstadt.

In der zentralen Restaurierungswerkstatt der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE in Wiesbaden werden unter Laborbedingungen Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen an Bodenfunden durchgeführt. Dank neuester Bergungstechniken und der Anwendung modernster wissenschaftlicher Standards ist heute der Erkenntnisgewinn aus archäologischen Funden wesentlich höher als noch vor Jahren.

Während ihrer z.T. jahrtausendelangen Lagerung in der Erde sind archäologische Objekte durch relativ gleich bleibende Bedingungen unter Ausschluss von Sauerstoff einigermaßen geschützt. Werden sie jedoch aufgedeckt, wirken sich Sauerstoff, Luftfeuchtigkeit und Temperaturschwankungen nicht nur ungünstig auf ihre Erhaltung aus, sondern beschleunigen den Zerfall der Objekte maßgeblich. Deshalb sind Funde bereits bei ihrer Bergung durch geeignete Maßnahmen, z. B. durch eine Blockbergung, vor dem Austrocknen oder extremer Feuchtigkeit zu schützen. Diese besondere Behandlung von Funden bzw. von Fundkomplexen gewährleistet insbesondere auch die Erhaltung von Objekten oder Fundstrukturen aus organischem Material (Leder, Textilien, Holz etc.), die unter normalen Grabungsbedingungen mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren gehen würden.

Bei Großgrabungsprojekten werden daher Restauratoren bereits in einer eigens vor Ort eingerichteten provisorischen Restaurierungswerkstatt tätig. Sie verwalten die großen Fundmengen, stellen deren rasche Erstversorgung sicher und veranlassen Blockbergungen, die es ermöglichen die weitere Freilegung und Dokumentation der Objekte in der Restaurierungswerkstatt in Wiesbaden durchzuführen.

Nach Einlieferung der Funde in die Werkstatt werden ein Zeitrahmen und eine Prioritätenliste für die restauratorische und konservatorische Bearbeitung erstellt und anschließend das passende Restaurierungskonzept entwickelt. Die zu restaurierenden Objekte können aus den unterschiedlichsten Materialien bzw. Materialkombinationen bestehen und eine Vielzahl von Beobachtungen führen oft zu neuen Erkenntnissen hinsichtlich funktionaler Zusammenhänge von Einzelobjekten.

In multidisziplinärer Zusammenarbeit werden mithilfe naturwissenschaftlicher Analysemethoden zahlreiche neue Erkenntnisse, zum Beispiel zu Rohmaterialgewinnung, Zusammensetzung, Verarbeitung, Herstellungstechnik, Gebrauch, Herkunft und Verbreitung archäologischen Fundmaterials gewonnen. Somit ermöglicht die Vernetzung von Restaurierungstechnik und naturwissenschaftlichen Disziplinen nicht nur die erfolgreiche Erforschung der Zeugnisse unserer Kultur und Geschichte. Diese Zusammenarbeit fördert auch die ständige Weiterentwicklung der Restaurierungs- und Konservierungstechniken.

Die Ergebnisse der naturwissenschaftlichen Untersuchungen und die ausführlichen Restaurierungsberichte inklusive Zeichnungen und Fotos bilden zusammen mit der Grabungsdokumentation den Grundstock für eine weitere wissenschaftliche Auswertung. Im Anschluss an die Restaurierungs- und Konservierungsmaßnahmen werden die Objekte, sorgsam verpackt und katalogisiert, dem zentralen Funddepot des Landes zugeführt und dort materialgruppengerecht in speziellen Magazinbereichen eingelagert.
Weitere Aufgaben der Restaurierungswerkstatt liegen im Bereich der Sammlungsbetreuung, verbunden mit der Wahrnehmung von Kurierfahrten, da für Ausstellungszwecke oder für eine weitere wissenschaftliche Bearbeitung außer Haus ein fundgerechter, also den konservatorischen Ansprüchen entsprechender Transport gewährleistet sein muss.

Ansprechpartner: Frank Bodis, f.bodis@hessen-archaeologie.de