Zahnwechsel-Nachweis des Synapsiden Procynosuchus

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re: Rekonstruktion eines Procynosuchus delaharpeae Broom, 1937 (Synapsida, Therapsida) aus den oberpermischen Ablagerungen des Paläontologischen Bodendenkmals "Korbacher Spalte"; li: Neufund eines Unterkieferfragmentes.
re: Rekonstruktion eines Procynosuchus delaharpeae Broom, 1937 (Synapsida, Therapsida) aus den oberpermischen Ablagerungen des Paläontologischen Bodendenkmals "Korbacher Spalte"; li: Neufund eines Unterkieferfragmentes.

Präparationsprojekt des oberpermischen Fossilmaterials aus dem Paläontologischen Bodendenkmal "Korbacher Spalte" - der weltweit erste Zahnwechsel-Nachweis des Synapsiden Procynosuchus.

Ihre weltweite Bedeutung als wichtige Vertebraten-Fundstätte erlangte die Korbacher Spalte durch Fossilfunde aller drei großen Gruppen der Amniota: den Pareiasauria (Anapsida), den Archosauromorpha (Diapsida) und speziell den Therapsida (Synapsida).

Mit einem Alter von ca. 250 Millionen Jahren dokumentiert die Fundstelle das oberste Perm. Hier erhalten wir Einblicke in ein recht frühes Stadium der Entwicklung dieser Tiergruppen, die u.a. die Urahnen der Dinosaurier und Säugetiere repräsentieren.

Herausragende Funde sind die des ansonsten nur aus Südafrika und Sambia bekannten Therapsiden Procynosuchus delaharpeae Broom, 1937. Diese faunistische Übereinstimmung spricht u.a. für einen ungehinderten Faunenaustausch zwischen Europa und Afrika und stützt die Hypothese der bereits im Ober-Perm vollständig abgeschlossenen Konsolidierung des Superkontinents Pangäa.

In den 1990er Jahren hat das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe wissenschaftliche Grabungen in der Korbacher Spalte durchgeführt. Das Material konnte aber nur zu einem Teil präpariert werden. Im Rahmen eines Kooperationsprojekts wird seit November 2011 das noch unpräparierte Material in Karlsruhe und Kassel aufgearbeitet. Projektpartner sind das Landesamt für Denkmalpflege Hessen, das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, das Staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe, das Naturkundemuseum im Ottoneum Kassel, die Kreis- und Hansestadt Korbach und der Nationale Geopark GrenzWelten.

Im Zuge des Projektes konnten bisher über 1000 Knochen- und Zahnfragmente freigelegt werden, welche von der Denkmalfachbehörde des Landes zu inventarisieren sind. Mehrere zahntragende Kieferstücke konnten u.a. Procynosuchus zugeordnet werden. Weitere Fossilfunde werden bisher u.a. den Pareiasauria (Knochenplatten), den Rauisuchia (Zähne) und den Procolophonida (Schädelrest mit Bezahnung) zugeordnet. Das wohl wichtigste Fossil, das bisher durch das Projekt vorliegt, ist ein kleines, nur wenige Millimeter großes Kieferfragment von Procynosuchus, das uns zum ersten Mal den Zahnwechsel dieses Tieres zeigt. Deutlich zu sehen ist, dass die Spitze des sich nachschiebenden hinteren Backenzahnes genauso groß ist, wie die des zu wechselnden Zahnes. Dies ist ein Indiz dafür, dass bei Procynosuchus noch der typische reptilische Zahnwechsel vorlag. Das heißt, er hat wahrscheinlich sein ganzes Leben lang alle Zähne immer wieder gewechselt.