Entdeckung des ersten vollständigen Nautiliden-Gehäuses aus der Lahnmulde

Aus dem im Jahre 2014 durch die Gemeindeverwaltung Löhnberg angelegten Schurf („Löhnberg I“, Flur „Hinter der Mahrheck“, zwischen Löhnberg-Niedershausen und L.-Obershausen) wurden in den letzten Monaten weitere paläontologische Besonderheiten unter den bislang geborgenen Fossilien erkannt und präpariert.

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Erstes vollständiges Nautiliden-Gehäuse aus der Lahnmulde: (?)Nassauoceras subtuberculatum (Sandberger & Sandberger, 1852) aus dem Leun-Schiefer, assoziiert mit einer rugosen Koralle; Negativ (links) und Silikonabguss (rechts); max. Durchmesser ca. 9 cm
Erstes vollständiges Nautiliden-Gehäuse aus der Lahnmulde: (?)Nassauoceras subtuberculatum (Sandberger & Sandberger, 1852) aus dem Leun-Schiefer, assoziiert mit einer rugosen Koralle; Negativ (links) und Silikonabguss (rechts); max. Durchmesser ca. 9 cm

Das geostrukturell innerhalb der Lahnmulde des rechtsrheinischen Schiefergebirges liegende Profil wird durch die Paläontologische Denkmalpflege der hessenARCHÄOLOGIE des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen fachlich federführend und durch die Gemeindeverwaltung Löhnberg fortlaufend bearbeitet. Es schließt auf etwa 12 m Länge den siltigen Leun-Schiefer auf. Die Fossilführung des Schiefers ist beträchtlich. Als eine der wichtigsten erdgeschichtlichen Entdeckungen der letzten Jahre mit Blick auf das Paläozoikum des Rheinischen Schiefergebirges ist das derzeit einzige größere, offene Profil des Leun-Schiefers besonders schützenswert. Daher wurde die Lokalität als paläontologisches Bodendenkmal ausgewiesen.

Paläontologisch wurden bislang ausschließlich bodenlebende (benthische) Organismen aus dem ca. 393 Millionen Jahre alten Sedimentgestein bearbeitet. Nun gelang erstmals der Nachweis freischwimmender (nektischer) Faunenelemente. Hierbei handelt es sich (neben zwei Schalenfragmenten des Ammonoideen Mimagoniatites bohemicus) um das bislang vollständigste Gehäuse der erstmals von Sandberger & Sandberger (1852) anhand eines isolierten Gehäusefragmentes aus dem „Wissenbacher Orthocerasschiefer“ beschriebenen Cephalopoden-Art Nautilus subtuberculatus Sandberger & Sandberger, 1852 außerhalb Tschechiens.

Sowohl das Typusmaterial als auch die Neufunde zeichnen sich durch ein planspiralig aufgerolltes Gehäuse mit gerundet trapezförmigem Windungsquerschnitt, acht bis zehn kräftigen Stacheln pro Umgang, rückwärts gebogenen Anwachsstreifen und einer geringen Windungsüberlappung aus. Im Gegensatz zu der mit den vorliegenden Exemplaren aus dem Leun-Schiefer eng verwandten tschechischen Gattung Hercoceras Barrande, 1865 verfügt das vorliegende Material über einen zwar sehr breiten, aber stärker gewölbten Venter, wobei dieser in den stark verdrückten Exemplaren nur anhand eines ventral eingebetteten Fragmentes und indirekt anhand der bruchhaften Verformung der Schale der deformierten Exemplare zu erkennen ist. Auch scheint das deutsche Material weniger Stacheln pro Umgang aufzuweisen, wobei dies auch vom ontogenetischen Stadium abhängen kann. Diese Merkmale erlauben eine vorbehaltliche Zuordnung zu der von Miller (1932) beschriebenen Gattung Nassauoceras und implizieren eine entsprechende Revision als (?)Nassauoceras subtuberculatum (Sandberger & Sandberger, 1852).