Tongrube Mahlrain

Geowissenschaftliche Grabung im Paläontologischen Bodendenkmal „Tertiäre Seeablagerungen der „Tongrube Mahlrain" der Iphigenie Bergbau GmbH in Herborn-Schönbach“ (Lahn-Dill-Kreis, Westerwald)

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Grabungsstelle innerhalb der ca. 25 Mio. Jahre alten Seeablagerungen; die dunklen Lagen der aufgeschlossenen Wechsellagerung bestehen aus feingeschichteten Tonen und „Ölschiefern" - die hellen aus eingespülten vulkanischen Aschen.
Grabungsstelle innerhalb der ca. 25 Mio. Jahre alten Seeablagerungen; die dunklen Lagen der aufgeschlossenen Wechsellagerung bestehen aus feingeschichteten Tonen und „Ölschiefern" - die hellen aus eingespülten vulkanischen Aschen.

Während des Tertiärs (66,0 bis 2,6 Mio. Jahre) war der überwiegende Teil des damals auf der geografischen Höhe Neapels liegenden Westerwaldes Festland, genauer gesagt eine Fluss- und Seenlandschaft. Das Klima war tropisch bis subtropisch und ähnelte den heutigen Bedingungen des Mississippi Gebietes in den südlichen USA. Das feuchte Klima bedingte eine chemische Verwitterung des älteren Schiefergebirgs-Untergrundes, wodurch Sedimentgesteine z. T. zu Tonen verwitterten. Ab dem mittleren Eozän (vor ca. 47 Mio. Jahren) wurden diese Tone von den Schieferhängen ab- und in Seen eingespült. Im Oberoligozän (vor ca. 25 Milo. Jahren) setzte Vulkanismus ein, Basaltaschen und Basaltlaven wurden gefördert und auf der Landschaft sowie in den Seebecken abgesetzt. Neben vulkanischen Gesteinen werden insbesondere die Tone in zahlreichen Tagebauen gewonnen, in welchen sie lokal mit Aschen, Braunkohlen und bitumenreichen Laminiten („Ölschiefern“) wechsellagern. Diese Ablagerungen sind mitunter äußerst fossilreich, jedoch nur wenig erforscht bzw. bodendenkmalpflegerisch erfasst.

Die Tongruben in der Umgebung von Herborn, Breitscheid und Haiger schließen alttertiäre sedimentäre und vulkano-sedimentäre Ablagerungen auf. Letztere enthalten - für den Westerwald ungewöhnlich - mächtige und besonders fossilreiche Seesedimente der sogenannten „Breitscheid-Formation“ (Tertiär, Oberoligozän). Insbesondere innerhalb der aktiven Abbaugebiete der „Tongrube Mahlrain" der Iphigenie Bergbau GmbH in Herborn-Schönbach (Lahn-Dill-Kreis; Westerwald) wurden im Zuge von Nachforschungen der hessenARCHÄOLOGIE (LfDH) zahlreiche Befunde dokumentiert, welche die Notwendigkeit einer bodendenkmalpflegerischen Bergung verdeutlichten. Im Zeitraum vom 13. bis 31. August 2015 fand daher unter Leitung der Paläontologischen Denkmalpflege eine horizontierte Fossilgrabung innerhalb der ca. 25 Mio. Jahre alten Seeablagerungen der „Tongrube Mahlrain" statt.

Die Fossilien zeigen an, dass der See konstant von Amphibien und Fischen besiedelt war; letztere sind u. a. durch vollständige Skelette von Karpfenartigen (Cypriniformes) repräsentiert.