Paläontologische Denkmalpflege

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Fossil des Messel Urpferds Eurohippus messelensis aus dem Paläontologischen Bodendenkmal und UNESCO-Weltnaturerbe „Grube Messel“ (Messel, LK Darmstadt-Dieburg); Eozän, ca. 48 Mio. Jahre)
Fossil des Messel Urpferds Eurohippus messelensis aus dem Paläontologischen Bodendenkmal und UNESCO-Weltnaturerbe „Grube Messel“ (Messel, LK Darmstadt-Dieburg); Eozän, ca. 48 Mio. Jahre)

Paläontologie - die Wissenschaft von den Lebewesen der Urzeit - ist aktuell wie nie zuvor. Paläontologen erforschen die Evolutionsgeschichte der Organismen und, gemeinsam mit Geologen, die Geschichte des Planeten Erde. Die Paläontologie liefert den Schlüssel zum Verständnis der Prozesse, die das Klima und das Leben auf der Erde steuern und beeinflussen, sowie zur Interaktion zwischen Geo- und Biosphäre.

Aus einem ungefähr eine halbe Milliarde Jahre umfassenden Zeitabschnitt liegen als Fossilien erhaltene, älteste Zeugnisse erd- und lebensgeschichtlicher Entwicklung aus Hessen vor.
Wie jüngere Funde aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit unterliegen auch diese uralten Zeugnisse, Überreste und Spuren tierischen und pflanzlichen Lebens, für die Ausgrabungen und Funde die einzige Quelle wissenschaftlicher Erkenntnis sind, dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Paläontologische Denkmäler sind - im Gegensatz zu den Hinterlassenschaften des vor- und frühgeschichtlichen Menschen - Hervorbringungen der Natur. Ihre Bewahrung nach den Regelungen des im Bereich kultureller Schöpfungen verantwortlichen Denkmalschutzes ist kein Widerspruch, denn Fossilien sind durch ihren bedeutenden Einfluss auf die menschliche Ideen- und Wissenschaftsgeschichte zu festen Bestandteilen unserer Kultur geworden.

Die Paläontologische Denkmalpflege ist Bestandteil der hessischen Bodendenkmalpflege. Organisatorisch ist sie als Sachgebiet in der Abteilung hessenARCHÄOLOGIE (Archäologische und Paläontologische Denkmalpflege) des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen verankert und betreut von Wiesbaden aus das gesamte Bundesland (Landespaläontologie).

Gefährdung Paläontologischer Denkmäler

Fossilen und ihre Fundstellen sind überall da, wo in den gewachsenen Boden eingegriffen wird, in ihrem Bestand gefährdet. Abbau, Überbauung oder Verfüllung zerstören sie oder machen sie unzugänglich. In vielen Abbaubetrieben ist, bedingt durch die Mechanisierung der Rohstoffgewinnung, nur noch in den seltensten Fällen eine sachgemäße und denkmalgerechte Fossilbergung durchzuführen. Dies kann zur schleichenden Zerstörung und damit zum Versiegen paläontologischer Quellen beitragen.

Zuständigkeiten, Aufgaben; Geotopschutz

Der Schutz Paläontologischer Denkmäler in Hessen wird vorrangig von der Denkmalfachbehörde, dem Landesamt für Denkmalpflege Hessen, wahrgenommen. Auch einige der für den Denkmalschutz in den kreisfreien Städten und Landkreisen verantwortlichen Unteren Denkmalschutzbehörden verfügen über Einrichtungen, die im Bereich der Paläontologie besondere Fachkunde aufweisen.

Wichtigste Aufgaben der Paläontologischen Denkmalpflege sind Schutz, Erhaltung sowie wissenschaftliche Auswertung der paläontologischen Primärquellen. Nur bekannte Denkmäler können wirksam geschützt werden. Auf der Grundlage einer Bestandsaufnahme Paläontologischer Denkmäler werden alle Planungsdaten klein- und großmaßstäblicher Bodeneingriffe ausgewertet und Maßnahmen zu Erhaltung und Pflege paläontologischer Kulturdenkmäler getroffen. Grabungen, Dokumentation und gegebenenfalls auch Sicherstellung der Erhaltung komplexer Befunde gehören zum Handwerk der Paläontologischen Denkmalpflege.

Der Schutz erdgeschichtlicher Objekte kann auch nach den Regelungen des Hessischen Naturschutzgesetzes erfolgen. Dieses weist allerdings eine vom Denkmalschutz abweichende Zielstellung auf. Ein gemeinschaftliches Handeln beider Schutzrichtungen erweist sich jedoch als vorteilhaft für die paläontologischen Bodendenkmäler; paläontologischer Denkmalschutz und geologischer Naturschutz vereinigen sich im Geotopschutz. Wichtige ortsfeste Aufschlüsse paläontologischer und geologischer Hinterlassenschaften oder auf geologische Prozesse zurückgehende Gesteins- und Landschaftsformen werden Geotope genannt.

Ansprechpartner: Dr. Jan Bohatýj.bohaty@hessen-archaeologie.de