INSPIRE

Mit der 2007 in Kraft getretenen Richtlinie 2007/2/EG vom 14. März 2007 zur Schaffung einer Geodateninfrastruktur in der Europäischen Gemeinschaft (Infrastructure for Spatial Information in Europe = INSPIRE) wurden die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichtet, schrittweise den webbasierten Zugang auch zu denkmalschutzrelevanten Daten zu ermöglichen.

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INSPIRE-Dienst auf dem Geoportal Hessen: Darstellung einer Fundstelle im Luftbild.
INSPIRE-Dienst auf dem Geoportal Hessen: Darstellung einer Fundstelle im Luftbild.

Die hessenARCHÄOLOGIE arbeitet vor dem Hintergrund dieser Richtlinie bereits seit 2011 an der Bereitstellung ihrer bodendenkmalpflegerischen Fachdaten. Partner der hessenARCHÄOLOGIE sind dabei die HZD und die HVBG. Die Fachdaten sollen gleichzeitig auch – im Rahmen der Kooperation mit dem Fachamt in Nordrhein-Westfalen – in das digitale Kulturlandschaftskataster KuLaDig einfließen. Wesentliche Schritte hin zur Erfüllung der INSPIRE-Richtlinie sind im Frühjahr 2016 erfolgt: Der bodendenkmalpflegerische Datenbestand aus den von Wiesbaden aus betreuten Kreisen ist in seiner Lage im Geoportal Hessen zu einsehbar (Punktsymbol mit Angabe der Fundstellennummer). Jedem Lagepunkt ist ein Hinweis zum Bodendenkmal zugeordnet; weitergehende Informationen stellt (bei berechtigtem Interesse) die Fachbehörde zur Verfügung.

Die Veröffentlichung solcher bodendenkmalpflegerischer Geodaten wird innerhalb des Faches durchaus kontrovers diskutiert: Es gilt, der missbräuchlichen Nutzung der Lageinformationen zu Bodendenkmälern – etwa zum Zweck ungenehmigten Nachforschungen und dem damit einhergehenden wissenschaftlichen und materiellen Schaden – einen Riegel vorzuschieben. Andererseits sind jedoch zum jetzigen Zeitpunkt bereits zahlreiche Daten öffentlich zugänglich, etwa aus Karten und zahlreichen (Fach-)Publikationen, die in ihrem informativen Umfang weit über die unspezifische, neutrale Punktdarstellung ohne weitere Angaben zu Ausdehnung und Zeitstellung des Bodendenkmals in der digitalen Karte hinausgehen.

Der allgemeine, öffentliche Zugang zu diesen Lagedaten im Internet eröffnet allerdings nach Auffassung der Fachbehörde vielfache Möglichkeiten und Chancen für den Schutz der hessischen Bodendenkmäler im 21. Jahrhundert: Bereits in der Vorplanungsphase zur Aufstellung von Bauplanungen können beispielsweise Lagedaten bekannter Bodendenkmäler eingesehen und berücksichtigt werden. So können bereits frühzeitig Zielkonflikte bedacht und möglichst vermieden werden. Der Verpflichtung der Bauherren, vorliegende bodendenkmalpflegerische Informationen über das in Frage kommende Areal einzuholen, ist sehr viel einfacher erfüllbar. Auch im Fall von Einzelbaumaßnahmen, die nach derzeitiger Praxis in Hessen unter bestimmten Voraussetzungen nicht mehr den Denkmalschutzbehörden gemeldet werden, können bekannte Bodendenkmäler erstmals in vollem Umfang berücksichtigt werden. Darüber hinaus können engagierte Bürger auf die bewusste oder unbewusste Zerstörung solcher Denkmäler und Kulturlandschaftselemente hinweisen, von denen die Behörden sonst nicht oder erst viel zu spät erfahren würden.