Inventarisation: Das archäologische Kulturerbe Hessens

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Symbolbild Inventarisation

Eine möglichst umfassende Kenntnis über die Lage und Art von Bodendenkmälern bildet die Grundlage für den nachhaltigen Schutz dieser Kulturdenkmäler – dies gilt im Besonderen, wenn sie nicht etwa wie eine Burgruine oder ein Grabhügelfeld oberirdisch sichtbar sind. Das Sachgebiet Inventarisation erfasst, bearbeitet und archiviert alle Hinweise auf Bodendenkmäler und Fundstellen aller Perioden –von der einfachen Fundmeldung eines Feldbegehers bis hin zu komplexen Grabungsmaßnahmen, die von Fachfirmen, Universitäten und Forschungsinstituten oder auch durch das Landesamt für Denkmalpflege in Eigenregie durchgeführt werden. Die Inventarisation ist übergeordneter gesetzlicher Auftrag der staatlichen Denkmalpflege. In ihr breitgefächertes Aufgabengebiet fällt auch die Auswertung von Karten, alten und neuen Luftbildern, vor allem aber der LIDAR-Oberflächenscans, Messbildern geophysikalischer Untersuchungen sowie schriftlicher Aufzeichnungen aller Art.

Einen wichtigen Schwerpunkt bildet seit einigen Jahren die Arbeit mit dem speziell für bodendenkmalpflegerische Aufgaben konzipierten Geografischen Informationssystem PGis. Es ermöglicht einen schnellen und umfassenden Überblick über die archäologischen Fundstellen etwa einer Gemarkung oder einer Gemeinde und ihre gewachsene historische Kulturlandschaft und bildet damit für die Bezirksarchäologinnen und –archäologen eine wesentliche Grundlage für die Erstellung ihrer Fachgutachten im Rahmen der Bauleitplanung. Diese zeitgemäße Arbeitsmethode in der Inventarisation hat die früher übliche händische Kartierung vollständig ersetzt. Sie ermöglicht eine weitaus exaktere Verortung von Fundstellen auf der Grundlage diverser Kartendarstellungen einschließlich des Liegenschaftskatasters, Luftbildern und digitaler Geländemodelle. Anwendungen wie PGis und das Digitale Kulturlandschaftskataster KuLaDig mit ihren vielfältigen Exportmöglichkeiten stellen überdies die Grundlagen dar, auf denen die hessische Bodendenkmalpflege 2016/2017 ihrer Verpflichtung im Rahmen der Europäischen Geodateninitiative INSPIRE nachkommt.

Die fachgerechte Archivierung und damit Sicherung der teils bis in das 19. Jahrhundert zurückreichenden Aufzeichnungen – etwa durch Digitalisierung von Texten, Abbildungen oder Diapositiven aus dem analogen Ortsarchiv, dem „Gedächtnis“ der Landesarchäologie – ist eine weitere Aufgabe des Sachgebiets Inventarisation. Das Ortsarchiv verfügt über 100 Aktenschränke mit papiernen Ortsakten, 40.000 Luftbilddias und entsprechende Abzügen, 20.000 Diapositive von Objekten und neueren Untersuchungen, 10.000 Diapositive und Negative aus Altgrabungen und Tausende von großformatigen Plänen und Zeichnungen.

Ansprechpartner: Dr. Bernd Steinbring, b.steinbring@hessen-archaeologie.de