Die zweite Grabungskampagne auf dem Glaubergplateau

Im September 2017 fand auf dem Plateau des Glaubergs die 5. Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE am Landesamt für Denkmalpfege Hessen statt.

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Das Team der 5. Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE zwischen ihren Grabungsflächen.
Das Team der 5. Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE zwischen ihren Grabungsflächen.

Ziel der Grabungen, die auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden sollen, war neben der mittelalterlichen Besiedlung auch die Klärung der Frage nach den Erhaltungsbedingungen der vorgeschichtlichen Perioden auf dem Plateau. Trotz einer über hundertjähriger Forschungstätigkeit auf dem Glauberg ist bislang nur wenig über die Siedlungsstruktur der Höhenbefestigung und auch der mittelalterlichen Stadtwüstung Glauberg bekannt. Neben den bisherigen Kooperationspartnern war natürlich die Keltenwelt am Glauberg mit seinem Forschungszentrum maßgeblich an den auf mehrere Jahre ausgelegten Maßnahmen beteiligt.

Bisherige Grabungen auf dem Plateau

Die Forschungsgeschichte des Glaubergplateaus reicht zurück bis in die Anfänge der hessischen Urgeschichtsforschung. Bereits 1912 begannen unter Eduard Anthes erstmals reguläre archäologische Ausgrabungen. Insbesondere über die umfangreichen Grabungen von Heinrich Richter zwischen 1933 und 1939 weiß man fast nichts, da die Grabungsdokumentation und das Fundmaterial gegen Ende des 2. Weltkrieges größtenteils zerstört wurden. Weder zu Zeiten Richters, noch während der Grabungen des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen unter dem damaligen Landesarchäologen Fritz-Rudolf Herrmann in den 1980/90er Jahren standen die umfangreichen Reste der mittelalterlichen Stadtgründung auf dem Plateau in Fokus der Untersuchungen. Stattdessen wurden sie gerade unter Richter zum Teil sogar als Störung der eigentlich gesuchten vorgeschichtlichen, beziehungsweise – dem Zeitgeist geschuldet – der germanischen Besiedlung betrachtet. Lediglich der Heimat- und Geschichtsverein Glauburg e.V. führte in den 1970er Jahren Grabungen im Bereich eines mittelalterlichen Brunnens sowie im Bereich des Kernbaus der Reichsburg durch.

Erste Ergebnisse der aktuellen Kampagnen

Es war daher wichtig, dass die aktuellen Untersuchen mit dem Mittelalter nun eben jene bisher vernachlässigte Epoche der Besiedlung des Plateaus im Fokus haben. So wurden an drei Stellen auf dem Plateau mit Untersuchungen begonnen.

1. Häuserzeile und Steingebäude
Am Nordrand des Plateaus befindet sich die bereits durch Heinrich Richter freigelegte mittelalterliche Häuserzeile. Exemplarisch wurde hier ein Hauskeller sowie sein direktes Umfeld und ein großer Steinbau in direkter Nachbarschaft zu diesem untersucht. Beide Bauwerke wurden nach den ersten Ergebnissen erst in spätstaufischer Zeit (in der ersten Hälfte des 13. Jh. n. Chr.) errichtet und wenig später wieder aufgegeben. Eindrucksvolles Zeugnis der Tatsache, dass die städtische Anlage sich noch im Bau befunden hat, ist ein noch nicht fertig gestellter, in den anstehenden Basaltfelsen eingehauener Keller innerhalb des großen Gebäudes. Deutlich sieht man in den im Kellerraum liegenden Basaltfelsen noch die Keillöcher zur Bearbeitung des Felsens. Das umfangreiche dort geborgene Fundmaterial weist auf sozial höherstehende Bewohner hin. Auch erste Aussagen zur Baugestalt der Bauwerke können gemacht werden. Auf einem Unterbau aus zum Teil vermörtelten, zum Teil nur in Lehm gesetzten unbearbeiteten Basaltsteinen befand sich ein Fachwerkaufbau. Zusammen mit den ebenfalls in beiden Gebäuden verbauten getrockneten Lehmziegeln haben sich umfangreiche Reste des Baumaterials durch einen großflächigen Brand verziegelt erhalten.

2. Der mutmaßliche Kirchenstandort
Nachdem eine solch bedeutende mittelalterlichen Ansiedlung bzw. Stadtgründung ohne eine Kirche oder zumindest eine Kapelle undenkbar ist, wurden 2017 erste Bemühungen unternommen, den Standort des Gotteshauses ausfindig zu machen. Als erster Anhaltspunkt dienten hierzu beigabenlose Körpergräber, die bereits in den 1930er Jahren durch Heinrich Richter freigelegt wurden. Im Umfeld dieser Bestattungen wurden Untersuchungen mittels Georadar und Geoelektrik durchgeführt und aufgrund der detektierten – zugegebenermaßen vagen – Strukturen erste Flächen angelegt. Leider gelang es nicht, an dieser Stelle den gesuchten Sakralbau zu erfassen. Doch konnten unter anderem Reste von drei weiteren Bestattungen geborgen werden, die uns Anhaltspunkte zur Datierung der Nekropole mittels 14C Analyse liefern können.

3. Mittelalterliche Hofstelle und vorgeschichtliche Besiedlung
Im Bereich der mutmaßlichen Umfassungsmauer einer mittelalterlichen Hofstelle konnten ebenfalls erste Untersuchungen durchgeführt werden. Dort zeigt sich – wie auch in der direkt benachbarten Untersuchungsfläche, die zur Überprüfung der Erhaltungsbedingungen für die vorgeschichtlichen, insbesondere der keltischen, Epoche angelegt wurden – eine extrem dichte Häufung an Funden. So konnten zum Teil über 100 vorgeschichtliche Keramikscherben in einem Stratum von 5 cm Stärke auf einem Quadratmeter geborgen werden.

Die Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE will auch in Zukunft zusammen mit dem Forschungszentrum der Keltenwelt am Glauberg die Forschungen auf dem Plateau fortführen und die vielen Wissenslücken zu dem für Hessen so bedeutenden Fundplatz so weit wie möglich schließen.

aktuelle Literatur:

  • Ch. Röder/ M. Gottwald/ A. G. Posluschny, Die 4. Sommerakademie der hessenARCHÄOLOGIE. Denkmalpflege und Kulturgeschichte 1/ 2017, 39-41.
  • Dies, Gut erhaltene Befunde auf dem Glauberg. Archäologie in Deutschland, Heft 2/2017, 2017, 44.
  • Dies, Vom keltischen Fürstensitz zur mittelalterlichen Stadt - die Kampagne Glaubergplateau 2016. Hessenarchäologie 2016, 2017, 156 - 159.
  • Ch. Röder/M. Gottwald/J. Kranzbühler/A. G. Posluschny, Neues von der Universi castellani et cives in Glouburg - die Kampagne auf dem Glaubergplateau 2017. Hessenarchäologie 2017 - im Druck.