Projektbeschreibung

Die mittellatènezeitliche Holzbrücke mit Siedlung bei Kirchhain-Niederwald (Hessen) und ihre Einbettung in die Siedlungslandschaft des Amöneburger Beckens.

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Blick auf die Amöneburg, im Vordergrund die Fundstelle Kirchhain-Niederwald.
Blick auf die Amöneburg, im Vordergrund die Fundstelle Kirchhain-Niederwald.

Interdisziplinäre Untersuchungen zu Umweltbedingungen, wirtschaftlichen Grundlagen und überregionalen Verbindungen während der Latènezeit

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt der hessenARCHÄOLOGIE untersucht in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geographie der Philipps-Universität Marburg die mittellatènezeitliche Siedlungslandschaft im Amöneburger Becken. Diese klar abgrenzbare Region im nördlichen Mittelhessen war zu allen prähistorischen Zeiten besiedelt. Für die jüngere Eisenzeit ist besonders die Höhensiedlung Amöneburg als Zentralort bekannt. Während Früh- und Spätlatènezeit in diesem Gebiet gut erfasst sind, gilt dies – wie in vielen Regionen nördlich der Alpen – nicht für die mittlere Latènezeit.

Großflächige Geländeaufschlüsse durch die Anlage von Kiesgruben bei Kirchhain-Niederwald führten nun dazu, dass in den letzten fünf Jahren ein kleiner Ausschnitt der bis dahin weitgehend unbekannten mittellatènezeitlichen Siedlungslandschaft im nördlichen Amöneburger Becken freigelegt werden konnte.

Unter einem meterdicken Auelehm waren die Reste einer im rechtsrheinischen Raum einzigartigen, mittellatènezeitlichen Holzbrücke erhalten, die über einen ehemaligen Flusslauf vermutlich der Wohra führte. Die planmäßige Ausgrabung einer etwa zeitgleichen Siedlung, die etwa 400 m westlich der Brücke am selben Gewässer lag, wurde in den Jahren 2011/2012 durchgeführt.

Gleichzeitig mit den archäologischen Untersuchungen erfolgte die geomorphologische Kartierung des sich mehrfach verlagernden Flusslaufes durch das während der Eisenzeit wesentlich stärker relieferte Gelände. Die Feuchtbodenerhaltung ermöglichte die Entnahme von hervorragend konserviertem archäobotanischem Material.

Ebenso außergewöhnlich wie die Brücke selbst sind auch die Funde, die von ausgezeichnet erhaltenem keramischem Material über bronzene Trachtbestandteile, Glasschmuck, hölzerne Objekte und Tierknochen bis hin zu Viehdungfladen reichen.
Es bietet sich damit im Amöneburger Becken die erstmalige Gelegenheit, unter Anwendung eines interdisziplinären Methodenspektrums bislang weitgehend unbekannte Siedlungsstrukturen, Umwelt- und Lebensbedingungen, (land-)wirtschaftliche Grundlagen sowie regionale Beziehungen in der Mittellatènezeit aufzuzeigen.